Professor Tacheles
Warum Deutschland Angst macht

Kampf um Griechenland und die Angst vor Deutschland: Beides gehört zusammen. Was sagt uns das? Dass das geschichtspolitische Eis dünn ist. Bricht es, landen wir prompt in den Untiefen der deutsch-europäischen Geschichte.
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Was uns die aktuelle Entwicklung in der Schuldenkrise sagt? Dass uns die Vergangenheit schnell einholen kann. Der Kampf um Griechenland und die Angst vor Deutschland. Beides gehört zusammen. Leider.

Dabei gibt es auch das andere Bild: Deutschland als weltweit beliebter Staat. Umfragen beweisen es immer wieder. Der deutsche Export profitiert davon, denn ohne guten Willen der potentiellen Käufer wird nicht ge- oder verkauft. Deutschland und die deutsche Wirtschaft tun gut daran, weiterhin ihr gutes Erscheinungsbild („Image“) zu pflegen.

Deutschlands Beliebtheit und Angst vor Deutschland schließen offenkundig einander nicht aus. Die Beliebtheit ist längst eine erfreuliche Alltagserscheinung. Sie ist Teil der Normalität. In kritischen Situationen zählt aber eben nicht die Normalität, sondern das Nicht-Normale, das nicht Alltägliche. Im Alltag gleitet das Staatschiff sanft auf der Wasseroberfläche, in stürmischen Krisenzeiten kann es zerschellen oder in die Tiefe gerissen werden.

In den letzten Jahrzehnten haben wir als Passagiere des Deutschland-Schiffs mehrfach Stürmchen und zweimal große Stürme erlebt, die jene Angst vor Deutschland deutlich zeigten.

Stürmchen gab es bei Ärgernissen mit und um Deutschland oder bestimmte Deutsche, beispielsweise dämliche Karikaturen, die Angela Merkel ein Hitler-Bärtchen verpassten, die CDU-Vertriebenenpolitikerin Erika Steinbach in Naziuniformen steckten oder, jüngst in Griechenland, Wolfgang Schäuble als Vampir verunglimpften, also als Blutsauger. Das regte uns zurecht auf, doch ebenso schnell wie sie kamen waren diese Stürmchen vorbei.

Zwei Deutschland bezogene Angst-Stürme der jüngeren und jüngsten Vergangenheit sind bemerkenswert. Erstens der deutschland- und schließlich weltpolitische Tsunami 1989/90. Er reichte vom Fall der Mauer am 9. November 1989 bis zur Wiedervereinigung Deutschlands am 3. Oktober 1990.

Danach schien sich zumindest der deutschlandbezogene Sturm gelegt zu haben. Nach dem Fall der Mauer gab es im Westen nur zwei Politiker, die ohne Wenn und Aber für Deutschlands Vereinigung eintraten: US-Präsident George Bush und Spaniens Ministerpräsident Felipe Gonzalez. Francois Mitterand, der Präsident unseres „besten Freundes“ in Europa, Frankreich , setzte aus Angst vor Deutschland alles daran, die Wiedervereinigung zu verhindern.

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Das wiederum empört die Bundesbürger

Kommentare zu " Professor Tacheles: Warum Deutschland Angst macht"

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  • Ich bin nicht überrascht weil ich schon immer gewusst habe dass sich die Grundeigenschaften des deutschen Volkes nicht in 75 Jahren ändern lassen. Aber enttäuscht bin ich schon. Diese erpresste "Einigung" wird schlimme Folgen für ganz Europa haben. Schuld (mit „Strafe“ Lieblingswort der Deutschen) ist nicht nur die deutsche Arroganz und Ignoranz sondern auch die Feigheit der anderen Euroländer.

  • Beitrag von der Redaktion editiert. Bitte bleiben Sie sachlich.

    Ich rate dringend zu einem Blick in ein Geschichtsbuch!!!

    Auszug aus Wikipedia: "Die Geschichte Deutschlands beginnt nach herkömmlicher Auffassung mit der Entstehung eines römisch-deutschen Königtums im 10. Jahrhundert, wenngleich sich damit noch lange keine „deutsche Identität“ entwickelte."
    Das 10. Jahrhundert ist nicht das Jahr 10!! Wir befinden uns derzeit im 21. Jahrhundert.

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