Professor Tacheles zu Israel
Ist Netanjahu größenwahnsinnig oder die Welt blind?

Israels Ministerpräsident Netanjahu kann einem gewaltig auf die Nerven gehen. An seiner Politik ist viel auszusetzen. Doch wo er recht hat, hat er recht. Denn die Kernaussage seiner USA-Rede ist nur allzu wahr.

Ist Benjamin Netanjahu eine Maus, die den Elefanten Obama anbrüllt? Fordert der Premier des Ministaates Israel die Regierung der US-Weltmacht heraus oder ist die Welt blind gegenüber der iranischen Atomgefahr? An Präsident Barack Obama vorbei, faktisch gegen ihn, denn auf Initiative der Republikaner-Opposition, stolzierte Israels Premier diese Woche ans Rednerpult. Vor beiden Häusern des US-Parlaments attackierte er den so gut wie vereinbarten Kompromiss mit der Möchtegern-Atommacht Iran.

Dieser Kompromiss, das bestätigt Obama trotz diverser Wort-Überzuckerungen höchstpersönlich, sichert dauerhaft die nukleare Infrastruktur des Iran. Das wiederum bedeutet: Es sichert auch die strukturelle Nuklearisierung des iranischen Militärs. Die internationale Gemeinschaft, auch die USA und Deutschland belohnen auf diese Weise den Iran für die faktische Machtübernahme in Bagdad, Damaskus und Sanaa (Jemen) sowie seit jeher der südlibanesischen Terrormiliz Hisbollah. In der östlichen Ölprovinz Saudi-Arabiens und in Bahrein schürt der Iran das Feuer bei den einheimischen Schiiten.

Die Obama-Administration, die Bundesregierung, EU-Staaten, -Presse und –Gesellschaft schieben jedoch Netanjahu den Schwarzen Peter zu. Haben sie eigentlich die 43-minütige, faktenpralle Rede gehört oder gelesen? In Anbetracht der Reaktionen hege ich Zweifel.

Zugegeben, Netanjahu kann einem als Person gewaltig auf die Nerven gehen. Zugegeben, an seiner Politik ist viel auszusetzen. Das betrifft nicht nur die unnötig provokative und sicherheitspolitisch sinnlose, rein ideologisch bestimmte Siedlungspolitik. Das betrifft seine unbarmherzige Sozialpolitik. Das betrifft die Behandlung israelischer Araber als Bürger zweiter Klasse, wenngleich jene im Jüdischen Staat erheblich sicherer, freier und auch wirtschaftlich besser als in den meisten arabischen Staaten leben. Die berechtigte Kritik betrifft auch Netanjahus frühere und nach den kommenden Wahlen wieder zu erwartende Förderung jüdisch-fundamentalistisch-orthodoxer Forderungen.


Aber: Wo „Bibi“ recht hat, hat er recht. Seine (in brillantem Amerikano-Englisch vorgetragene) Kernaussage ist leider nur allzu wahr, wenngleich sie viele nicht hören wollen, weil die Wirklichkeit schmerzhafter ist als der so sympathische Wunsch nach einer friedlichen Welt. Seine gewichtige Kernformel hatte Netanjahu einen Tag vor seiner Kongress-Rede vorgetragen. Sie lautet: Für die USA, Europa und die Welt sei die militärische Nuklearisierung des Iran ein Sicherheitsproblem, für Israel eine Frage des Überlebens. Das kann man leicht erklären, und die Begründung sei in gebotener Kürze skizziert.

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