Terror in der Welt
Eine Formel für den Frieden

Die islamische Welt kommt nicht erst jetzt zu uns. Längst sind wir demografisch und religionspolitisch mit allen Konflikten der islamischen Welt verflochten. Das birgt Gefahren – und ermöglicht Chancen. Ein Kommentar.
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DüsseldorfDeutschland und Westeuropa durchleben eine gesellschaftliche, demografische Revolution. Sie ist nicht neu. Sie begann nach dem Zweiten Weltkrieg. Zwei Ursachen sind zu nennen. Entkolonialisierung und wirtschaftliche Magnetkraft. Diese demografische Revolution ist zugleich eine „theologische“ Revolution. Präziser: eine religiöse.

Westeuropa und Deutschland wurden und werden islamischer. Der Grund ist ganz einfach. Es gibt weder Kinder noch Inder oder – trotz hoher Arbeitslosigkeit in ihrer Heimat – nicht einmal genügend Europäer, welche die demografische Lücke schließen, also unsere Überalterung verlangsamen oder verhindern.

Die islamische Welt kommt nicht erst jetzt zu uns. Längst sind wir demografisch und religionspolitisch durch die Neu-Bevölkerung mit allen Konflikten der islamisch-nah- und mittelöstlichen Welt verflochten.

Das birgt Gefahren. Das ermöglicht auch Chancen. Etwa diese: Wenn wir auf unseren Regeln gewaltloser Debatten beharren, könnten sich weltoffene islamische Reformer gegen Islamisten durchsetzen. Der militante Islam wäre „entmilitarisiert“.

Manche fragen: Wann kommt der „Aufstand anständiger Muslime“? Viele Muslime, Personen und Institutionen, protestieren gegen Terror, islamische und andere Intoleranz. Sie müssen sich, so wenig wie „die“ Deutschen, für alles und jedes in ihrer Teil-Welt persönlich verantwortlich fühlen, täglich demonstrieren (das nutzt sich ab und polarisiert zusätzlich) oder gar einen „Aufstand“ (welcher Art?) anzetteln.

Im Gefolge der Entkolonialisierung von 1945 bis 1975 strömten viele Menschen aus den außereuropäischen Ex-Kolonien in die ehemaligen Kolonialstaaten. Besonders nach Großbritannien, Frankreich, teils Italien, die Niederlande, Belgien, Spanien und Portugal.

Als die DDR-Führung im August 1961 ihre Bürger hinter Mauer und Stacheldraht einsperrte und auf Flüchtlinge schoss, suchte Westdeutschland händeringend „Gastarbeiter“. Man fand sie in der Türkei. Die türkischen Gäste blieben, bekamen Kinder oder holten ihre Familien nach. Sie wurden Einwohner, Staats- und Mitbürger.

Mehr oder weniger integriert, nicht paradiesisch, aber deutlich besser als etwa in Frankreich, Belgien oder Großbritannien. Weil es sich trotz aller Integrationsprobleme in Krisenregionen (besonders in der islamischen Welt und auf dem Balkan) herumsprach, dass man in Deutschland gut lebt, kamen immer mehr Migranten. Allen voran muslimische.

Dem Zerfall des Ostblocks und Jugoslawiens seit 1989/90 folgten Chaos und Kriege, denen zahlreiche Menschen entflohen. Sie kamen besonders 1991 bis 1993 nach Deutschland, wo alte und neue Rechtsextremisten (wie jetzt) Flüchtlingsheime in Brand steckten.

Als 1998/99 der Kosovo-Krieg tobte, strömten erneut Flüchtlinge zu uns. Um diesen Strom zu stoppen, zogen „wir“ mit anderen in diesen Krieg. Serbien wurde besiegt. Einstweilen blieben die Menschen in den neuen Balkanstaaten. Schon vor 2014/15, der neuen Flüchtlingswelle, hatte jeder fünfte Deutsche einen „Migrationshintergrund“. Die Entwicklung auf dem Balkan stagniert, die Menschen verloren 2014/15 die Geduld. Sie strömen wieder zu uns. Hätten wir dort investiert, sähe es anders aus.

Aus den Ex-Kolonien kamen von 1945 bis 1975 nach Westeuropa vornehmlich Ex-Kollaborateure (=Mitmacher) der Kolonialmächte oder Menschen, die meinten, sie könnten im einstigen „Mutterland“ besser, bequemer und wohlständiger leben. Auch hier war es der Wirtschaftsmagnet, der Migranten herzog.

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    Beste Grüße aus der Redaktion.

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    Schon wieder sind uneinsichtige Leute am Werk die nicht umgevolkt werden wollen.

  • Ich nenne Umvolkung, Austausch der Deutschen gegen Afrikaner und Asiaten
    versteht aber auch jeder.

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