Profil
Der Merkel-Widersacher

Phillip Mißfelder wird Karriere machen - ob unter Merkel ist offen. Scharfzüngig kämpft der Vorsitzende der Jungen Union für ein konservatives Profil der Partei. Damit stößt er bei der Kanzlerin auf wenig Gegenliebe. Ein Porträt.
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Der Tag nach der Wahl des Bundespräsidenten war für Philipp Mißfelder ein schwarzer Tag - obwohl Horst Köhler, der Lieblingskandidat der jungen Wirtschaftsleute in der Union das Rennen gemacht hatte. Mißfelder aber hatte mit einem Portrait im Spiegel zu kämpfen. Sechs Seiten waren über den damals nicht einmal 30 Jahre alten Nachwuchspolitiker erschienen. Es war das Portrait eines jungen Mannes, der von der Droge Aufmerksamkeit nicht mehr loskommt, für den die Entscheidung, ob ein Tag gut oder schlecht läuft - wie bei so vielen in der CDU - damit steht und fällt, ob die Kanzlerin ihm ihre Nähe schenkt oder eben nicht.

Vor diesem Hintergrund verspricht das Wochenende wenig Gutes für den Chef der Jungen Union (JU), denn Angela Merkel bricht mit der Tradition, und reist nicht zum Deutschlandtag, dem Treff des Parteinachwuchses in Münster. Die Koalitionäre gehen in Klausur, da meint Merkel, keinen Termin frei zu haben.

Für Mißfelder und die Jungen ist das eine Enttäuschung. Intern wird vermutet, nicht der Terminplan, sondern die "Münsteraner Erklärung" der JU sei der Grund für die Absage. Darin stehen Forderungen, die Merkel mal wichtig waren, von denen sie längst aber nichts mehr wissen will: eine Bierdeckel-Steuerreform "nach Merz" etwa oder eine Gesundheits- und Rentenpolitik, die dem demographischen Wandel Rechnung trägt. "Wenn in den letzten vier Jahren CDU pur nicht zu machen war, hieß es immer: Das geht wegen der SPD nicht", sagt Mißfelder. "Eine bürgerliche Regierung muss jetzt auch bürgerliche Politik liefern."

Markige Worte sind das von einem, der in der CDU als "Helmut Kohls Erbe", mithin also als Talent gilt, seit er 2008 ins Präsidium aufrückte - machtbewusst und konservativ, dazu scharfzüngig, oft über das Ziel hinausschießend. Karriere wird er machen, ob unter Merkel ist offen. Aktuell ist der junge Vater als wirtschaftspolitischer Sprecher der Fraktion im Gespräch.

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