Prognos-Studie: Neue Arbeitsplätze entstehen in Deutschland nur noch im Dienstleistungssektor
Industrie streicht jeden zehnten Job

Der Stellenabbau in der deutschen Industrie geht in den kommenden zehn Jahren weiter – das prognostiziert das Schweizer Forschungsinstitut Prognos in einer neuen Langfristprognose zur wirtschaftlichen Entwicklung in den Industrieländern. Die deutschen Industrieunternehmen streichen demnach bis 2015 jeden zehnten Arbeitsplatz – die Zahl der Beschäftigten in der Branche (ohne Energie und Bau) sinke um rund 700 000 auf rund sieben Millionen, heißt es im „World Report Industrial Countries 2003- 2015“, der dem Handelsblatt vorliegt.

DÜSSELDORF. „Deutschland wird sich in den kommenden zehn Jahren noch stärker in eine Dienstleistungsgesellschaft wandeln“, sagt Prognos-Chefvolkswirt Michael Schlesinger. In der Service-Branche entstehen laut Prognose bis 2015 mehr als zwei Millionen zusätzliche Arbeitsplätze. Allein in der Gesundheitsbranche werden rund 500 000 neue Jobs geschaffen. Über alle Wirtschaftsbereiche hinweg werde die Zahl der Beschäftigten bis 2015 trotz des Job-Abbaus in der Industrie steigen – um rund 1,4 Millionen auf 39,7 Millionen.

Im internationalen Vergleich hinkt der deutsche Arbeitsmarkt damit aber weiter deutlich hinterher: Während die Zahl der Beschäftigten laut Prognos in den Industrieländern bis 2015 im Schnitt pro Jahr um rund 0,5 Prozent steigt, sind es hier zu Lande nur 0,3 Prozent. „Auch für einen deutlichen Abbau der Arbeitslosigkeit ist der Beschäftigungszuwachs zu gering“, betont Schlesinger.

In keinem anderen Industrieland gehe die Arbeitslosigkeit so langsam zurück wie in Deutschland. Bis 2008 werde die Zahl der Arbeitslosen nach der Definition der Internationalen Arbeitsorganisation ILO sogar leicht auf 4,036 Millionen steigen, in den Jahren danach sinke sie dann um rund eine Million auf 3,06 Millionen im Jahr 2015. Zwar dürfte die Arbeitslosenquote damit um rund ein Viertel auf dann 7,4 Prozent sinken – aber damit sei Deutschland innerhalb der EU weiterhin das Schlusslicht. Neben dem geringeren Beschäftigungswachstum ist die langsamere Alterung in Deutschland der zweite Grund für diese Entwicklung. Schlesinger: „Das Arbeitskräfteangebot sinkt auf Grund der demografischen Entwicklung in Deutschland bis 2015 weniger stark als in anderen Ländern.“

Der Prognos-Chefvolkswirt dämpft zudem die Erwartungen an die Arbeitsmarktreformen der Bundesregierung. Diese „zeigen zwar bei der Beschäftigungsentwicklung eine gewisse Wirkung, bringen aber insgesamt nicht so viel, wie viele erwarten. Das Problem der Massenarbeitslosigkeit wird damit nicht gelöst.“

Seite 1:

Industrie streicht jeden zehnten Job

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%