Prognose
Die Konjunktur wird der entscheidende Faktor

Die von Bundeskanzlerin Angela Merkel in Aussicht gestellten Steuerzuschüsse für die Sozialsysteme allein senken die Abgaben nicht genug. Die große Koalition hofft daher auf den Rückenwind der Wirtschaft.

DÜSSELDORF. Die Bundesregierung setzt auf den Aufschwung. Bundeswirtschaftsminister Michael Glos (CSU) erwartet für das laufende Jahr ein Wirtschaftswachstum von zwei bis 2,5 Prozent. Mit dieser Einschätzung lieferte er am Wochenende eine erste Vorlage für die neue regierungsamtliche Konjunkturprognose, die Ende Oktober offiziell verkündet wird. Bisher rechnet die Regierung offiziell noch mit 1,6 Prozent. Damit aber nicht genug: Es gebe jetzt „sehr gute Aussichten, dass die Zahl der Arbeitslosen dauerhaft unter die Vier-Millionen-Grenze sinkt“, sagte Glos der „Bild am Sonntag“.

Unter diesen Umständen könnten die Lohnnebenkosten tatsächlich deutlich stärker sinken als bisher erhofft. Denn nichts würde die Finanzlage der Sozialkassen besser stabilisieren als dauerhaft mehr beitragspflichtige Arbeitsplätze. Anders als mit der Konjunkturprognose für 2006 steht Glos mit seinem Urteil über den Arbeitsmarkt aber noch allein auf weiter Flur. Denn dies würde nachhaltige strukturelle Reformen im Sozialsystem voraussetzen, wie sie die Koalition nach Ansicht der meisten Ökonomen noch vermissen lässt.

Kurzfristig dagegen sieht das Bild tatsächlich recht gut aus, drei Monate vor der Erhöhung der Mehrwert- und Versicherungsteuer wirkt die Konjunkturdynamik weiter robust. Das schlägt sich bei den Steuereinnahmen, auf dem Arbeitsmarkt und bei den Einnahmen der Sozialkassen nieder. Die spannende Frage bleibt jedoch, wie lange diese Dynamik noch anhält.

Ein kaum erhoffter positiver Faktor zur Zeit: Private Verbraucher und Wirtschaft werden nun durch den Rückgang des Ölpreises entlastet, der in sieben Wochen um ein Viertel sank. Nach einer Eurostat-Schätzung fiel die Inflationsrate in der Euro-Zone daher im September deutlich von 2,3 auf 1,8 Prozent. Erstmals seit 20 Monaten liegt sie unter der zinspolitisch wichtigen Marke von zwei Prozent. In Deutschland war die Rate mit 1,0 Prozent so niedrig wie seit Februar 2004 nicht mehr.

Umso mehr könnte die näher rückende Steuererhöhung die Verbraucher weiter antreiben, größere Anschaffungen vorzuziehen. Erste August-Zahlen für den Einzelhandel bestärken diese Hoffnung: Nominal stiegen die Umsätze für Möbel, Haushaltsgeräte und Baubedarf gegenüber Juli um 2,7 Prozent. Zudem wurden offenbar mehr Autos gekauft.

Seite 1:

Die Konjunktur wird der entscheidende Faktor

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%