Projekt Schulkleidung gestartet
Bauchfreie Tops sind nun passee

Eine Realschule in Schleswig-Holstein führt die Uniform ein. In Deutschland gehen die Meinungen darüber auseinander: Mittel gegen Modewahn oder Identitätskiller? Ein Vorteil des Uniform-Zwangs steht für manchen Lehrer allerdings schon fest: „Die Jungs starren nicht mehr auf die bauchfreien Mädels.“

GROSSHANSDORF. Gjemile geht mit gutem Beispiel voran. „Ich muss morgens nicht mehr stundenlang vor dem Kleiderschrank stehen. Das hat gestresst.“ Die 16-Jährige aus der 9a der Friedrich-Junge-Realschule in Großhansdorf in Schleswig-Holstein trägt normalerweise Klamotten wie die meisten Mädels in ihrem Alter: knapp, bauchfrei, die hautenge Jeans hängt soeben noch auf den Hüften. Früher beschäftigte sie täglich die Frage: Wie werfe ich mich in Schale? Doch an ihrer Schule ist das Schaulaufen vorbei. Bauchfreie Tops und gepiercte Bauchnabel gehören in Großhansdorf der Vergangenheit an.

Seit Ende der Sommerferien läuft das Projekt Schulkleidung. Morgen, nach dem Unterricht, feiert die Schule ihre Schulkleidung bei Kaffee und Kuchen. Eingeladen sind der Bürgermeister, Eltern, alle Lehrer und Schüler. Eine kleine Modenschau präsentiert noch einmal die unterschiedlichen Exemplare. Der Chor singt ein selbst komponiertes Lied: „Kleider machen Leute“.

Besuch im Englischunterricht der 7b: So einheitlich sieht es gar nicht aus. „Wir bieten den Schülern eine Kollektion“, erklärt Direktorin Sabina Cambeis. Sie können aus 15 verschiedenen Teilen wählen – vom Kapuzenpulli bis zur Baseball-Cap. Tobias (14) aus der 9b findet die Auswahl „okay, es ist aber kein Thema, worüber wir unter uns Jungs reden“.

Vielfalt in der Einheit könnte man das Motto nennen. Die Oberteile sind alle marineblau oder weiß, mit einem Aufnäher „FJR“, dem Logo der Friedrich-Junge-Realschule. Uniformiert wirken die Schüler nicht.

Und trotzdem: Wieder einmal ist sie auf dem Tisch, die Diskussion über Pro und Kontra der schulischen Einheitsklamotten. Zuletzt angeheizt durch Justizministerin Brigitte Zypries, die bei uniformierten Schülern auf schnellere und bessere Integration von ausländischen Mitschülern hofft. Schuluniform statt Burka oder Markenkrieg in den Schulklassen? Befürworter sprechen von einem wirksamen Mittel gegen Modewahn. Die Gegner der Uniform argumentieren mit den schlechten Erfahrungen des „Dritten Reichs“ und der FDJ. Aber vor allem, sagen sie, werde der kindliche Individualismus unterdrückt.

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