Promovierte Politiker im Visier: Experte bringt Überprüfung weiterer Dissertationen ins Spiel

Promovierte Politiker im Visier
Experte bringt Überprüfung weiterer Dissertationen ins Spiel

Die unter Plagiatsverdacht stehende Bildungsministerin Schavan könnte zu einer Belastung für Merkels Wahlkampf werden. Doch das lässt sich verhindern. Ein Parteienforscher hat dazu eine pikante Idee ersonnen.
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BerlinDer Dresdner Politikwissenschaftler Werner Patzelt hat die Überprüfung weiterer Politiker-Dissertationen angeregt um den Kritikern von Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU) im Bundestagswahlkampf den Wind aus den Segeln zu nehmen. Patzelt begründete seinen Vorstoß damit, dass selbst „vielerlei Verbrechen“ nach längerer Zeit verjährten, während es mit Fahrlässigkeiten bei einer Doktorarbeit „so viel strenger“ gehalten werde. „Mit diesem Argument wird sich womöglich sogar der Wahlkampf bestreiten lassen – zumal sich bei Politikern konkurrierender Parteien nötigenfalls auch noch einige Dissertationen einer näheren Überprüfung unterziehen ließen, was von heftigeren Angriffen auf Frau Schavan durchaus abhält“, sagte Patzelt Handelsblatt Online.

Indirekt riet der Experte auch Bundeskanzlerin Angela Merkel, an Schavan trotz des Plagiatsverdachts gegen sie festzuhalten. „Die Kanzlerin wiederum wird wissen, was sie an ihrer langjährigen Verbündeten Schavan hat – und dass man ihr im Wahlkampf mit dem Argument kommen könnte, ihr Kabinett sei so verbraucht, dass sie es mit Wahlverlierern auffüllen muss“, sagte Patzelt mit Blick auf den Verlierer der Niedersachsen-Wahl David McAllister. Der CDU-Politiker war von dem SPD-Europapolitiker Matthias Groote als mögliche Nachfolger für Schavan ins Spiel gebracht worden. „Wird @davidmcallister nach einem jetzt möglichen Rücktritt der Bundesbildungsministerin ins Kabinett aufrücken?“, fragte der SPD-Politiker bei Twitter.

Schavan wird vorgeworfen, in ihrer Doktorarbeit zum Thema "Person und Gewissen" aus dem Jahr 1980 falsch zitiert und Quellen nicht genannt zu haben. Das zuständige Gremium der Uni Düsseldorf hatte am Dienstagabend beschlossen, ein formales Verfahren zur Aberkennung des Doktortitels einzuleiten. Dies bedeutet nicht zwangsläufig, dass Schavan ihren Titel verliert. Die Prüfer könnten auch zu dem Schluss kommen, dass für einen Entzug keine ausreichenden Gründe vorliegen.

Der Dresdner Politikwissenschaftler Patzelt nannte es misslich für Schavan, dass sie sich diesem Verfahren unterziehen müsse. „Ohne die vorhergehenden Skandale um zu Guttenberg, Koch-Mehrin usw. wäre es nämlich gar nicht dazu gekommen“, sagte er. Zwar sei in der Regel die Einleitung eines derart „ehrenrührigen“ Verfahrens für einen Politiker in Spitzenposition ein Rücktrittsgrund. Doch bei Schavan liege der Fall anders: „Es wurde ja nicht mit Copy & Paste ein bloßes Machwerk verfertigt“, gab Patzelt zu bedenken. „Vielmehr zeugt hier eine im Wesentlichen die einschlägige Literatur zusammenstellende Doktorarbeit von den allzu niedrigen Maßstäben, die vor drei Jahrzehnten in der Erziehungswissenschaft – und wohl nicht nur dort – an Dissertationen angelegt wurden.“

Kommentare zu " Promovierte Politiker im Visier: Experte bringt Überprüfung weiterer Dissertationen ins Spiel"

Alle Kommentare
  • Der Herr Patzelt und seine CDU-Kumpane sollen doch ruhig flächendeckend Doktorarbeiten überprüfen: Ich bin sicher, dass Schwarz/Gelb da in der Summe mindestens das 5fache an Plagiaten aufbieten können als Rot/Grün. Und wenn wir uns dann noch die ganzen Wirtschaftskapitäne vornehmen .... Eine gute Idee von H. Patzelt, endlich der sinnlosen Titelsucht einen Riegel vorzuschieben. Nix gegen einen wirklich verdienten Doktortitel, diesen Menschen gebührt wirklich Anerkennung, aber die vielen Nur-Karrieristen?

  • @Frank3
    Hallo, ich gebe Ihnen im Prinzip recht. Unsere Volksvertreter vertreten zunehmend eben nicht das Volk sondern Eigeninteressen.
    Bezogen auf Fr. Schavan ging es mir aber nicht um die Persönlichkeit oder um ihr Wirken in der Politik sondern einzig um ihre Doktorarbeit. Ihre politische Tätigkeit ist ein anderes Thema zu dem man sicher sehr viel kritisches schreiben könnte.
    LG Trauschau

  • Na gut, aber vor "vergessenen Gänsefüsschen" war man auch im Osten nicht gefeit. Wenn ees ein sehr schweres Thema ist und man mindestens 60 % Eigenanteil bringen muss, kommt mancheiner in Versuchung. Das war früher mit der Schreibmaschine so, dass ist heute im Internez-Zeitalter so. Doktor wird man erst, wenn man das aktuelle Wissen entscheidend weitergebracht hat im wissenschaftlichen Sinne. Und das ist immer abhängig von der Prüfung / Entscheidung der Prüfungskommission. Damals wie heute.

  • @ Traumschau

    ABER WAS DOCH NUR BEWEIST , ob man DENKEN GELERNT HAT oder NUR GUTES GEDÄSCHNIS HAT ! Gutes GEDÄCHTNIS = SCHAVAN , BRAUCHT NIE DENKEN und KOMMT SO DURCHS LEBEN und wie man SIEHT , SO EIN GEWOLLTER PARTEISOLDAT , da KEIN EIGENES DENKEN NACH EIGENER MORAL . DA WÄR JA NICHT BERECHENBAR UND NICHT IMMER ZUVERLÄSSLICH !!!. DENKEN FÄNGT NUR MIT ZWEIFEL AN und SCHON IST AUF WEG ZUR EIGENEN MORAL . ABER DANN JA NICHT MEHR AMEISE SONDERN AUF WEG ZUM MENSCHEN WERDEN , WAS VON PARTEIEN NICHT GEDULDET WIRD und SO NIE WAS WIRD IN POLITIK !!!
    IN POLITIK WERDEN NUR ABGERICHTETE WAS , DIE WISSEN " WER " ihnen SAGT , WAS RICHTIG UND GEWOLLTER WEG ! UND den GEHT SCHAVAN , OHNE EIGENE FRAGEN = SOLDAT , WELCHER ARME ?
    IST NICHT MENSCH sondern ABGERICHTETE AMEISE aber NUN TÄTER ??? WEIL NICHT EIGENE GEDANKEN . sie DOCH NICHT SCHULD , da JA SO GEWOLLT von . . . .

    Frank Frädrich

  • Das böse Internet macht eben heute vieles möglich! Damals gabs die Möglichkeit des Textabgleiches noch nicht.

  • Merkel hat ihre Dissertation im Osten gemacht. Sie hat dabei unterschreiben müssen, dass alles eigenen Wissen entstammt, und Fremdquellen gekennzeichnet sind. Das war dort von Anfang an so. Die Strafe bei Verstoß gegen diese Erklärung war die Aberkennung aller akademischen Grade auf Lebenszeit. Das hat man sich dort genau überlegt!

  • Ich glaube, wir können sicher sein, dass zur Zeit fieberhaft nach Plagiaten bei den Oppositionsparteien gesucht wird. Es gehört eben zum guten Ton in der CDU einen solchen Titel zu haben, weitere Werte gibt es offensichtlich nicht mehr!
    Bei der FDP liegt es nun mal in der Natur der Dinge, dass alles mit Geld zu kaufen sein soll, bei Intelligenz ist das eben anders. Und daran scheitern sie . Vermögend zu sein heißt noch lange nicht, intelligent zu sein! Damit werden sich die Regierungsparteien abfinden müssen!

  • Vroniplag kann ja mal die Einhaltung angegebener Quellen von Frau Merkels Doktorarbeit prüfen:

    http://www.4shared.com/document/dTHTXgKK/AM_Disspdf.html

    Nicht dass es da auch "Überraschungen" gibt ...

  • Und diesr Prof mit dieser kruden Idee ist wohl Mitgleid bei der CDU, oder?

  • Man muss sich mal vorstellen, wie solche Arbeiten früher geschrieben wurden - an Schreibmaschinen!!!
    Ich habe es bei meinen Staatsarbeiten selbst erlebt, dass man so viel gelesen hat und im Kopf wälzt, dass man wirklich manchmal nicht mehr unterscheiden kann, was habe ich "nur" gelesen und was sind meine eigenen Gedanken.
    Da kann man durchaus durcheinander kommen. Die Doktorväter aber müssten einen so weitreichenden Überblick über die Literatur haben und sich so viel Zeit für die Prüfung nehmen, dass sie die Eigenleistung tatsächlich ermessen können.
    Heute ist das nicht so mehr so schwierig, dank Internet und der Digitalisierung von entsprechender Literatur - damals war das m.E. vollkommen unmöglich, alle Veröffentlichungen zu kennen. Man hatte den Überblick nicht, weil die tiefe Vernetzung fehlte. Ich kann zumindest für mich nicht ausschließen, dass mir damals derartige Fehler unterlaufen sind. Allerdings bin ich auch kein Dr.!
    Wenn sich aber eine bewußte Täuschung herausstellen sollte, ist das m.E. unverzeihlich. Warten wir es ab!
    LG Traumschau

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