Protest gegen G8-Gipfel
Katz und Maus in der Wintergerste

Ohne viel Mühe sind tausende Demonstranten durch Felder und Wälder an den Zaun rund um das G8-Gipfelhotel in Heiligendamm herangekommen - dorthin also, wo sie auf Geheiß von Behörden und Justiz gar nicht sein dürften. Dort wollen sie auch bleiben - und die Polizei scheint nur geringe Chancen zu haben, die G8-Gegner zu vertreiben.

HB HEILIGENDAMM. Unmittelbar vor dem Eintreffen der Staats- und Regierungschefs der G8-Staaten drangen mehrere tausend Gegner des Gipfeltreffens in die mehrere Kilometer umfassende Sperrzone um den 12 Kilometer langen Zaun ein, in der jegliche Versammlungen verboten sind. Am Mittwochmittag kamen die Demonstranten bis auf wenige Meter an den Stacheldraht-gespickten Schutzzaun heran. Die Gipfelgegner waren der Polizei ausgewichen, indem sie durch einen Wald liefen, ein massives Polizeiaufgebot umgingen und sich auf Feldern weiträumig verteilten.

Zu Ausschreitungen kan es an mehreren Kontrollpunkten, den Grenzübergängen in die Schutzone um das Gipfelhotel. Nachdem Steine aus der Menge geworfen wurden, setzte die Polizei Wasserwerfer, Tränengas und Schlagstöcke ein. Heiligendamm war über Stunden auf dem Landweg nicht erreichbar. Mindestens acht Polizisten wurden verletzt, über Verletzte auf Seite der Demonstranten war zunächst nichts bekannt. Noch am Morgen hatten die Protest-Organisatoren erklärt, die Blockaden seien friedlich angelegt und würden abgebrochen, wenn die Situation zu eskalieren drohe.

Da der Sicherheitszaun von Feldern und Wiesen umgeben ist, flog die Polizei Einheiten mit Hubschraubern ein, um die Demonstranten zurückzudrängen. Am Zaun standen sich am Nachmittag mehrere Hundertschaften Polizei und Tausende Demonstranten gegenüber. Die Beamten drängten die Protestgruppe etwa 50 Meter zurück. Die G8-Gegner waren bis auf 20 Meter an den Zaun vorgedrungen. Die Polizei markierte den eingeforderten Abstand mit einem Absperrband, das auch akzeptiert wurde.

Der westliche Kontrollpunkt im Zaun beim Dorf Hinter Bollhagen wurde am Nachmittag wieder freigegeben. Auch die ersten Blockaden von Stra0en wurden laut Polizei geräumt, die anderen sollten noch aufgelöst werden. Die Polizei wolle dabei deeskalierend vorgehen, sagte ein Polizeisprecher. Gewaltfreie Lösungen hätten Vorrang.

Ein Sprecher der Polizei-Sondereinheit Kavala sagte: „Die Polizei ist nicht überrascht worden. Sie ist mit starken Kräften im Einsatz.“ Dagegen meinte Christoph Kleine, Sprecher der Kampagne Block-G8, „Wir konnten ohne Behinderungen über die Felder gehen, die Polizei war wohl nicht gut aufgestellt“. Augenzeugen berichteten, dass die Demonstranten flexibel die Aufmarschorte der Polizei umgingen. Nach dem Einsatz der Wasserwerfer zogen sie über Wiesen weiter, um nahe der Ostsee eine Straße Richtung Heiligendamm zu blockieren. „Da kamen die Wasserwerfer nicht hinterher“, beschrieb eine Sprecherin der Organisationsgruppe die Taktik. Die Demonstranten wollen versuchen, mindestens 24 Stunden in der Verbotszone auszuharren.

Globalisierungskritiker blockierten nach Polizeiangaben auch die Autobahn 19 nahe des Flughafens Rostock-Laage. Auf der Strecke sollten die Delegationen der G8-Länder in Richtung Heiligendamm fahren. Ebenso brachten sie den Verkehr auf der Bundesstraße 105 bei Sievershagen zwischen Rostock und Bad Doberan zum Stehen. Eine weitere Blockade bestand zwischen Reddelich und Bad Doberan, hieß es. Auch die Gleisstrecke der Kleinbahn „Molli“, die Journalisten vom Medienzentrum in Kühlungsborn in die Hotelzone bringen sollte, war zeitweise blockiert. Boote der Bundesmarine brachten die Medienvertreter deswegen über das Meer an den Anleger des Hotels an der Ostsee.

Die Anreise der G-8-Staats- und Regierungschefs sowie ihrer Delegationen auf dem Flughafen Rostock-Laage wurde nach offiziellen Angaben aber nicht behindert. Die Staats- und Regierungschefs, darunter Bundeskanzlerin Angela Merkel, wurden wie ohnehin vorgesehen mit dem Hubschrauber zum Tagungsort Heiligendamm gebracht, ihre Delegationen zu nahe gelegenen Hotels.

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