Protestler empfangen Müntefering mit Buh-Rufen
SPD in Sachsen hofft vergebens auf Schützenhilfe

Hartz-Flimmern in Sachsen – SPD-Spitzenkandidat Thomas Jurk weiß, was das heißt. Gut drei Wochen vor der Landtagswahl am 19. September erhalten die Sozialdemokraten mit geballter Wucht „Wahlkampfhilfe“ aus Berlin – allerdings der etwas anderen Art.

LEIPZIG/BERLIN. Nach dem Auftritt des Kanzlers vor den „Schreihälsen“ in der Leipziger Bio-City am Dienstag hatte gestern auch SPD-Parteichef Franz Müntefering Mühe, gegen die Buhrufe der Hartz IV–Gegner in Zwickau anzureden. Und richtig hoch hergehen dürfte es, wenn Bundeswirtschaftsminister Wolfgang Clement (SPD) am 6. September seine Reformpolitik vor der Leipziger Nikolaikirche verteidigen will. Eine Woche zuvor hat dann voraussichtlich SPD-Mitglied Oskar Lafontaine auf der Montagsdemonstration gesprochen.

All das lieferte eigentlich genug Zündstoff für drei Wahlkämpfe. Doch wer SPD-Spitzenkandidat Jurk in diesen Tagen fragt, wie oft er denn schon ans Aufhören gedacht habe, bekommt unbeirrt die gleiche Antwort: „Noch nie.“ Das verwundert. Schließlich bekommt sein Landesverband keinen Fuß auf den heimischen Boden – und das nicht erst seit der auch von der PDS geschürten Hysterie um Hartz IV. Bereits bei den Wahlen 1999 hatte die SPD in Sachsen mit 10,7 Prozent das schlechteste Ergebnis der Parteigeschichte eingefahren.

In einer gestern veröffentlichten Umfrage stagniert die SPD nun bei elf Prozent. Was noch schlimmer für die Partei sein dürfte: Die CDU kann wieder auf die absolute Mehrheit hoffen. Die schrille Debatte um die Sympathiebekundungen von Ministerpräsident Georg Milbradt (CDU) für die Montagsdemonstrationen scheint abzuklingen. Die große Koalition aus CDU und SPD, mit der schon mancher aus dem Jurk-Lager heimlich geliebäugelt hat, rückt wieder in weite Ferne.

Wohltuend dürfte für Jurk die Entschuldigung Schröders in Leipzig gewesen sein, dass er „dem Thomas und seinen Freunden“ das Leben so schwer mache. Trotz der schwierigen Lage, lobte Schröder, wanke Jurk nicht und führe keinen Wahlkampf gegen die Bundesregierung.

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