Steinbrück bot Thyssen-Krupp Gefälligkeiten an

Protokoll des Aufsichtsrats
Steinbrück bot Thyssen-Krupp Gefälligkeiten an

Peer Steinbrück hat keine Kontaktscheue zur deutschen Industrie. Im Gegenteil. Dem Stahlkonzern Thyssen-Krupp bot sich der heutige Kanzlerkandidat explizit als Speerspitze für niedrigere Strompreise an – und lieferte.

DüsseldorfDer SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück hat in seiner Zeit als Thyssen-Krupp-Aufsichtsrat dem Stahlkonzern seine politische Hilfe für günstigere Strompreise angeboten. Das geht aus einem Protokoll des Aufsichtsrats vom 31. Januar vergangenen Jahres hervor, das dem Handelsblatt vorliegt.

Während der Sitzung kritisierte ein Vertreter der Arbeitnehmerseite die hohen Stromkosten für deutsche Industriekunden. Steinbrück sagte daraufhin laut Protokoll, „wenn aus dem Kreis des Aufsichtsrats eine Initiative (...) ergriffen werde, sei er gerne zur politischen Unterstützung bereit.“ Als energieintensives Unternehmen würde Thyssen-Krupp von einer Senkung der Strompreise massiv profitieren.

Aufsichtsratschef Gerhard Cromme nahm laut Sitzungsprotokoll Steinbrücks „Anregung gerne auf.“

Und nur eine Woche später lieferte der Kanzlerkandidat. Beim Jahresempfang der Industrie- und Handelskammer Rheinhessen am 6. Februar 2012 in der Rheingoldhalle in Mainz sagte Steinbrück:  „Die Politik muss in der Tat Weichenstellungen vornehmen mit Blick auf die notwendige einigermaßen preisgünstige Energieversorgung.“Man dürfe „nicht diese deutschen, sehr grundsätzlichen ordnungspolitischen Debatten darüber führen, dass jemand, der von der Industriepolitik redet, sich eigentlich hinterher aus einer ordnungspolitisch puristischen Lage die Zähne putzen muss. So läuft das nicht.“ Steinbrück erhielt großen Applaus.

Steinbrück war von Januar 2010 bis Ende 2012 Mitglied im Aufsichtsrat von Thyssen-Krupp. Zumindest in den letzten beiden Geschäftsjahren fiel er durch häufige Abwesenheit auf. In den Berichtsperioden 2010/11 und 2011/12 fehlte er jeweils an zwei von fünf Sitzungen. Geschwänzt hat der SPD-Kanzlerkandidat zudem jeweils eine von zwei Sitzungen des Strategieausschusses. Insgesamt erhielt er für seine Zeit im Aufsichtsrat 170.695 Euro.

Ein Sprecher Steinbrücks verteidigte dessen Teilzeitarbeit als Aufsichtsrat. Steinbrück habe im Zusammenhang mit seinem politischen Mandat nicht an den Sitzungen teilnehmen können, sagte sein Sprecher. Zu Steinbrücks Angebot, sein politisches Gewicht für Thyssen-Krupp einzusetzen, wollte sich der Sprecher nicht äußern. Diskussionen innerhalb des Aufsichtsrates dürfe Steinbrück aus rechtlichen Gründen nicht kommentieren.

 

 

Kommentare zu "Steinbrück bot Thyssen-Krupp Gefälligkeiten an"

Alle Kommentare
  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte achten Sie auf unsere Netiquette: „Nicht persönlich werden“ http://www.handelsblatt.com/netiquette

  • Man kann jeden Tag über BK Merkel herziehen und sich aufregen und den Kopf schütteln, aber geldgierig ist sie nicht. Die SPD gibt sich mit Steinbrück den Rest.

  • Soso, der Herr Steinbrück war also von 2010 bis 2012 im Aufsichtsrat von Thyssen, und davon in den letzten zwei Jahren häufig abwesend?????
    Naja, Hauptsache die Vergütung war nicht abwesend.

  • das ist faschismus pur....

  • Es ist nicht Steinbrück, der hier Mist baut oder gebaut hat, sondern die Medien.
    Erst setzen sie den Bundespräsidenten ab, nun formen sie den Wählerwillen. Toll.
    Wäre es nicht viel besser, die Wahlen abzuschaffen und die Chefredakteure alleine Entscheiden zu lassen?
    Jeden Tag neue Mißverständnisse und Fehlinterpretationen, die im Namen der Pressefreiheit über uns gebracht werden, das hat schon was. Danke, liebes Handelsblättchen, für die Bildungsarbeit und neutrale Berichterstattung!

  • Ich vergleiche Steinbrück`s Kanzlerkandidatur für die SPD immer mit jener eines hochrangigen Gewerkschaftlers für die FDP. Beides beißt sich und passt einfach nicht zusammen. Da ich unterstelle, dass man seitens der SPD diesen Umstand nicht übersieht (weil nicht übersehen kann), kommt als einzige Erklärung infrage, dass man jetzt soviel Porzellan wie möglich zerschlagen will, um dann 2017 einen noch radikaleren Neuanfang (mit entsprechender Hoffnung auf mehr Wählerstimmen) verkünden zu können. Die Wahl 2013 wurde bereits mit Verkündung Steinbrück`s Kandidatur verloren gegeben.

  • Steinbrück ist nicht nur mehr für die (aus meiner Sicht verlogene "trinkt ihr Wasser, wir saufen Wein")SPD tragbar, sonder für die deutsche Politik insgesamt! Was hat er denn hier wieder für korrupte und geldgeile Machenschaften zusätzlich zum Aufsichtsrat gemacht?

  • Dank an die Redaktion für die tägliche, neutrale Berichterstattung.
    Absichtliche Fehlinterpretationen und Schlammschlachten sind sicherlich im Rahmen der Pressefreiheit erlaubt, aber sowas wird es beim Handelsblatt nicht geben.

    Ihr nehmt uns die Verantwortung für die Wahlen ab und sagt klar, wer gewählt werden soll und wer nicht.
    Dank - aber bitte nicht weiter so...

  • Da haben Sie recht aber vergessen wir nicht, dass Frau Merkel wohl nicht ganz unbeteiligt an Steinbrücks Aufstieg zur ihrem Gegenkandidaten ist. Unsere "drei Damen vom Grill" Angela Merkel, Friede Springer und Liz Mohn kontrollieren die Mehrheit der Medien. Und die Medien haben Steinbrück zum Kanzlerkandidaten erhoben. Steinbrück will gar nicht Kanzler werden, denn er ist ein Eigenbrödler. Schon in der Schule ist er dauernd mit den Lehrern angeeckt und musste mehrmals die Klassen wiederholen (Quelle: Wiki). Mit der Rettung der HRE hat er als damaliger Finanzminister mit Merkel als Kanzlerin mehrere Milliarden Euro Gelder "privatisiert".

    Mit der SPD verhält es sich ähnlich, wie mit der FDP. Jede Stimme für eine dieser Parteien verhilft Merkel zum Machterhalt, denn beide Parteien streben eine Koalition mit der CDU an.

    Leider sind DIE GRÜNEN oder DIE LINKE keine wirkliche Alternative aber dennoch das kleinere Übel.

  • ................................
    ....DER GEKAUFTE KANDIDAT..
    - herr steinbrück - es reicht.!!
    ................................
    ..
    ein weiteres kapitel der befangenheit und der langsamen
    zerstörung demokratischer tugenden..!!
    ..
    strafrechtlich zwar noch nicht zu belangen aber die ver-
    quickung von entscheidungen in aufsichtsräten politischen
    forderungen und deren "willfähige" umsetzung in der indu-
    strie zeigt das ganze dilemma des kandidaten..!!
    ..
    im falle thyssen-krupp geht es um eine grundsatzentschei-
    dung..
    ..
    günstige strompreise - die im gegensatz zum SPD-programm
    stehen..
    ..
    frage..
    hat herr steinbrück die zusage wegen des geldes gemacht
    oder wusste er garnicht,was auf den AR-sitzungen entschie-
    den wurde, weil er, wie so oft, nicht teilnahm..!!
    ..
    KASSE WEGEN ABWESENHEIT..!!
    ..
    wann wird die SPD endlich konsequenzen ziehen und
    diesen offensichtlich angreifbaren und mit wenig
    demokratieverständnis ausgestatteten kandidaten aus
    dem verkehr ziehen..
    ..
    lieber ein gutdotierter sparkassenjob als weitere
    enthüllungen, die unser gemeinwesen beschädigen..!!
    ..
    ..

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