Deutschland
Protokoll des Chats mit Ingo Wolf

Eine Stunde lang stand Ingo Wolf, der Spitzenkandidat der FDP bei der Landtagswahl in NRW, den Lesern von Handelsblatt.com im Live-Chat Rede und Antwort. Hier das Protokoll des Chats.

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Moderator

) Liebe Leser, herzlich willkommen im Chat von Handelsblatt.com. Ingo Wolf, der Spitzenkandidat der FDP bei der NRW-Landtagswahl, steht Ihnen bis 16 Uhr Rede und Antwort. Herr Wolf ist bereit für Ihre Fragen! Schießen Sie los!


Frage vonwestfale: Sehr geehrter Herr Wolf, Wie stellt sich die FDP die Zukunft für die Bergleute vor, wenn es keine Steinkohlesubventionen mehr gibt?


Frage vonpolitiker: Kinder statt Kohle, ist das die Weiterentwicklung von Kinder statt Inder?


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IngoWolf

) der FDP geht es darum, in Bildung zu investieren statt in unrentable Vergangenheitsstrukturen.


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IngoWolf

) Deutsche Steinkohle ist mit einem Preis von 160 Euro pro Tonne gegenüber 60 Euro pro Tonne Weltmarktpreis nicht konkurrenzfähig.


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IngoWolf

) Deswegen die klare Botschaft: Lieber in helle Köpfe statt in dunkle Schächte investieren.


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IngoWolf

) Thema Bergleute: In 2004 sind 35 000 Arbeitsplätze im Handwerk und 50 000 im Einzelhandel in NRW weggefallen. Da gab es keinerlei politische Unterstützung.


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IngoWolf

) Wie erkläre ich dem Gesellen oder der Verkäuferin, die arbeitslos werden, dass ein Arbeitsplatz im Berbau mit 75 000 Euro subentioniert wird?


Frage vonpolitiker: In Ihrem Wahlprogramm dreht sich viel um den Begriff "Freiheit", wie definieren Sie eigentlich den Begriff, auf wen beziehen Sie sich (Philosophisch, ideengeschichtlich)?


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IngoWolf

) Wir wollen die Subventionierung so schnell wie möglich beenden und aus einem Teil der Einsparungen Strukturhilfe für die Region und die gut qualifizierten Bergleute leisten.


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IngoWolf

) Zur Freiheit: Wir wollen eine freiheitliche, tolerante und weltoffene Gesellschaft. Freiheit heißt für mich: Freiheit in Eigenverantwortung, d.h., zunächst einmal muss jeder, der dazu in der Lage ist, seine Dinge selbst regeln, ehe kollektive Regeln greifen.


Frage vonOrlando: Hallo Herr Wolf! Wer glauben Sie, wird die Wahl gewinnen? Die SPD holt ja nun doch ganz schön auf ...


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IngoWolf

) Bei einer Staatsquote von 50 Prozent haben wir erkennbar zu viel Staat und zu wenig Privat.


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IngoWolf

) Zur Wahl: Umfragen sind bekanntlich noch keine Wahlergebnisse und die Umfragen sind auch sehr unterschiedlich.


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IngoWolf

) Es gibt einen Vorsprung von Gelb-Schwarz zwischen 5 und 10 prozent. Noch ist nichts gewonnen, das Rennen entscheidet sich auf der Zielgeraden. Ich bin zuversichtlich, aber nicht übermütig. Der Gleichstand mut den Grünen verspricht ein spannendes Rennen um Platz Drei. Die sind im Sinkflug, wir im Steigflug.


Frage vonGuido18: Wie wird sich die FDP verhalten, wenn die SPD doch wiedergewählt wird? Vielleicht eine Koalition anbieten?


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IngoWolf

) Die SPD wird die Wahl nicht gewinnen. Eine marktwirtschaftliche Erneuerung dieses Landes wird es nach 39 SPD und 10 Jahren Rot-Grün nur mit FDP/CDU geben.


Frage vonpolitiker: Noch eine Nachfrage zum Thema Energie: Aber wie wollen Sie die Energieversorgung im Land sicherstellen - sind etwa neue Atomkraftwerke für Sie ein Thema?


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IngoWolf

) Wir brauchen einen gesunden Energiemix aus Braunkohle, importierter Steinkohle, Gas und Kernkraft solange andere ausreichende Energiequellen nicht zur Verfügung stehen. Mit Windrädern (bundesweit 0,6 Prozent Anteil am Primärenergiebedarf) wird das nicht zu lösen sein. Deswegen wird über längere Laufzeiten von Kernkraftwerken zu reden sein. Neubau ist bei uns kein Thema


Frage vonOnline: Was halten Sie von der Kapitalismusdebatte? Sind ausländische Investoren für sie Heuschrecken oder Wohltäter?


Frage vonex970068: Guten Tag, jemand da?


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Moderator

) Allerhand Leute da, würde ich sagen. Wie wäre es mit einer Frage, ex970068? Oder einem Kommentar?


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IngoWolf

) Diese komplexe Thematik eignet sich nicht für Wahlkampfschlachten, wie es Müntefering versucht hat. Dann gehört auf diesen groben Klotz ein grober Keil. Und die Botschaft, dass führende Gewerkschaftsbosse (nicht die Arbeitsnehmer oder Betriebsräte) an vielen Stellen den Fortschritt behindern und damit Arbeitsplätze vernichten. Sommer, Bsirske und Co sollten sich an dem orientieren, was in unseren westeuropäischen Nachbarländern an marktwirtschaftlicher Erneuerung geleistet wurde.


Frage vonsilver: Was genau verbirgt sich hinter dem Punkt "Neuausrichtung der Wirtschaftspolitik auf den Mittelstand und mutige Existenzgründer" aus ihrem Wahlprogramm? Wie soll dies konkret aussehen?


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IngoWolf

) Wir wollen ein Entfesselungsprogramm für die Wirtschaft, Rückführung aller NRW-Sonderbelastungen über EU-Recht oder nationales Recht hinaus, Verkürzung von Genehmigungszeiten und mehr Ergebnisverantwortung auf kommunlaer Ebene durch Stärkung der Kreise und kreisfreien Städte.


Frage vondaniel: Jürgen Rüttgers und Peer Steinbrück liefern sich Fernsehduelle - warum machen das die Spitzenkandidaten von FDP und Grünen nicht auch?


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IngoWolf

) Die Kandidatin der Grünen und ichhatten bei N tv auch ein Spitzenduell. Ich bin jederzeit zu weiteren Duellen bereit.


Frage vonfrolic: Welche Rolle kann die FDP diesmal schon spielen? Die wirklich wichtigen Fragen können doch fast nur noch von einer grossen Koalition gelöst werden!


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IngoWolf

) Wir wollen erst den Bär erlegen und dann das Fell verteilen.


Frage vonwestfale: Welches Ministeramt wollen Sie in einer Landesregierung übernehmen?


Frage vonDieter123: Hallo Herr Wolf, die hier bisher gestellten Fragen sind alle recht einfach zu beantworten. Sagen Sie mir aber mal, warum eine CDU/FDP-Regierung vieles bessaer machen würde, weil das doch eigentlich jeder Politiker sagt.


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IngoWolf

) Sie haben Recht: Reden ist leichter als handeln. Eine Oppositionkann allerdings immer nur zeigen, dass sie es besser kann, wenn sie in die Regierung kommt. Nach 39 Jahren SPD und 10 Jahren Rot-Grün ist bei 1 Mill. Arbeitslosen und 110 Mrd. Euro Schulden der Wechsel überfällig. Wir sagen: Vorfahrt für Arbeit durch mehr Privat und weniger Statt und wollen die soziale Marktwirtschaft wieder vom Kopf auf die Füße stellen.


Frage vonex970068: Entschuldigung! Hier meine Frage: Warum nehmen Sie heute Abend nicht an dem TV-Duell teil?


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IngoWolf

) Die Medien haben wie 2002 im Bund auch im Land dieses so vorgesehen.


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IngoWolf

) Es wird unsererseits natürlich immer das nachdrückliche Interesse geäußert.


Frage vonpolitiker: Die "TAZ" hat berichtet, dass über Ihre private wohltätige Stiftung nichts zu erfahren sei - stimmt das? Welche Projekte fördert die Stiftung?


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IngoWolf

) Bei meiner Stiftung handelt es sich um eine gemeinnützige Stiftung, die der Stiftungsaufsicht beim Regierungspräsidenten in Köln unterliegt.


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IngoWolf

) Im Übrigen will ich damit nicht auf den Markt gehen. Ich habe diese Stiftung auch nur deswegen öffentlich gemacht, weil die Grünen gegen mich eine Diffamierungskampagne gefahren haben.


Frage vonpolitiker: Herr Westerwelle hat heute im Falle eines Wahlsieges die Vertrauensfrage für Berlin gefordert - stimmen Sie dem zu?


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IngoWolf

) Mit der Landesregierung in NRW steht die letzte rot-grüne Regierung in einem Bundesland zur Abwahl an. Wenn diese Regierung kippt, hat das natürlich Auswirkung auf die Stabilität in Berlin. Die Vertrauensfrage muss allerdings Schröder stellen.


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Moderator

) Liebe Leser, falls es ein wenig dauert mit der Antwort auf ihre Frage: Wir bitten um ein wenig Geduld. Herr Wolf ist ziemlich im Stress - gerade telefoniert er mit dem FDP-Landesvorsitzenden Andreas Pinkwart...


: Ist Ihrer Meinung nach die Angst berechtigt, daß durch das TV-Duell die Wähler polarisiert werden und die Wahl sich nur um die beiden Kandidaten dreht und nicht um Inhalte? Das hat schon etwas von einem Medienregime...


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IngoWolf

) Beim ersten Duell waren die Einschaltquoten bescheiden und auch der Erkenntnisgewinn überschaubar. Ein Drittel der Zuschauer konnten sich nicht entscheiden, da bleibt viel Platz für die Mitte.


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IngoWolf

) Wir wollen Inhalte, Themen mit Personen verbinden. Ich glaube, die Menschen wollen Problemlösungen und nicht ständige Personalisierung.


Frage vonpeteree: Hallo!


: Aber können Sie den Bären überhaupt erlegen? Dass ist genau, woran viele Wähler zweifeln!


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IngoWolf

) Den Wechsel zum neuen NRW wird es nur mit einer starken FDP geben. Wir sind zuversichtlich und werden bis zum Wahltag noch einmal richtig Gas geben. Auch im Jahr 2000 hat es in den letzten Tagen noch deutliche Bewegung nach oben gegeben.


Frage vondaniel: Thema Bildung: Pisa hat gezeigt, dass Ganztagsschulen a la Skandinavien den modernen Lehr- und Lernanforderungen entgegenkommen. Gerade in der individuellen Betreuung eines Schülers. Ist dieses Modell nicht auch für NRW sehr zu empfehlen? Postuliert die Sozialstruktur dieses nicht geradezu?


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IngoWolf

) Pisa macht gerade keine klare Aussage über ein bestimmtes Sytem. Es gibt auch sehr gute gegliederte Systeme, die individuelle Förderung ermöglichen. Ein Element davon ist die Möglichkeit auch am Nachmittag Betreuung und Unterrichtung zu sichern.


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IngoWolf

) Wir wollen dieses bedarfsdeckend organisieren und vor allem im Kindergartenbereich eine frühkindliche Förderung intensivieren. Nur das bringt Chancengerechtigkeit beim Staat in die Schule.


Frage vonpolitiker: Nachfrage zur Stiftung: Aber Sie könnten doch sagen, welche Projekte sie fördert, warum machen Sie ein Geheimnis daraus?


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Moderator

) Liebe Leser, kleiner Hinweis: Wir haben noch zehn Minuten und eine Reihe offener Fragen. Falls Ihre Frage nicht mehr beantwortet wird, bitten wir um Verständnis


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IngoWolf

) Der Inhalt der Förderung ist z.B. die eben angesprochene bessere sprachliche Frühföderung von Kindern im Kreis Euskirchen, oder individuelle Hilfe in Not. Der Taz bin ich nicht rechenschaftspflichtig.


Frage vonfladung: Warum kennt kaum jemand in NRW Den FDP Spitzenkandidaten?


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IngoWolf

) Ich bin im Jahr 2000 mit 45 Jahren als Seiteneinsteiger in die Landespolitik gekommen. Und erst seit Ende 2002 Fraktionsvorsitzender. Da kann ich nciht so bekannt sein wie andere, die schon 10 Jahre in Regierungsämtern sind.


Frage vonwestfale: Wie will die FDP eigentlich die 8000 Lehrer finanzieren, die neu eingestellt werden sollen?


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IngoWolf

) Bei einem Etat von 48 Mrd. Euro muss man Prioritäten setzen. Wir wollen Vorfahrt für Bildung. Und da müssen nicht nur grüne Spielwiesen, sondern die Gesamtheit der Förderprogramme auf den Prüfstand. Die Zukunft liegt nun einmal nicht unter der Erde bei der Steinkohle, sondern in den Köpfen unserer Kinder.


Frage vonGrüner: Die FDP fordert, wieder mehr Mittel in den Straßenbau fließen zu lassen, ist das nicht eine Verkehrspolitik von gestern? NRW ist bereits das am stärksten zersiedelte Land


Frage vonfladung: Was wird sich in der Verkehrspolitik unter Schwarz-gelb ändern?


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IngoWolf

) Wer sich im Land bewegt, gerät meist in einen Stau. Wir brauchen als Transitland den Ausbau und auch den Neubau von Straßen (insbesondere Lückenschlüsse A 1 und A 31), um den Infarkt zu verhindern.


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IngoWolf

) Uns stehen aus dem Verkehrsetat des Bundes nach der Größe 22 Prozent zu, wir halten allerdings nur 16 Prozent. D.h., NRW wird benachteiligt. Straßenbau muss natürlich immer auf die ökologisch schonenste Art erfolgen, aber die grüne Fundamentalblockade wollen wir beenden.


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Moderator

) Letzte Frage - bitte keine neuen mehr stellen!


Frage vonwerner: wie erklaeren sie, herr wolf, ihre bezuege uns waehlern bitte?


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IngoWolf

) Meine Bezüge sind vergleichbar denen meiner Kollegen im Landtag. Ich glaube, wir haben im Landtag eine vorbildliche Entscheidung getroffen, als wir die kritisierte Altersvorsorge durch Pensionen abgelöst haben.


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IngoWolf

) NRW-Abgeordnete müssen jetzt selbst für ihr Alter vorsorgen. Das sollte ein Beispiel sein.


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Moderator

) Liebe Leser, leider ist die Zeit um, Herr Wolf hat verständlicherweise einen prall gefüllten Terminkalender. Vielen Dank an alle, die mitgechattet haben, besonders natürlich an Ingo Wolf. Am Donnerstag um 16.30 Uhr ist Bärbel Höhn, die Spitzenkandidatin der Grünen bei der NRW-Wahl und amtierende Umweltministerin, im Chat von Handelsblatt.com zu Gast. Seien Sie dabei!


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