Provinzposse in Schleswig-Holstein
Laszive Fotos entzweien SPD-Ortsverein

Eine Provinzposse sorgt derzeit in Schleswig-Holstein für Schlagzeilen. Nacktfotos einer SPD-Kommunalwahl-Kandidatin entzweien den Ortsverein der Partei in Neustadt (Ostholstein).

HB NEUSTADT. Eine mehrstündige Diskussion am Freitagabend brachte keine Lösung, sagte die umstrittene Aspirantin Birgit Auras der Deutschen Presse-Agentur dpa. Die Betreiberin eines Modegeschäfts hatte auf Druck vorwiegend weiblicher Mitglieder des Ortsvereins ihre Kandidatur für die Wahl im Mai zurückziehen müssen, weil sie auf ihrer Homepage in lasziven Posen für ihre Mode wirbt. Der Vorstand hatte die 50-Jährige aufgefordert, die Bilder aus dem Internet zu nehmen oder auf ihre Kandidatur auf dem relativ aussichtslosen Platz 11 der Liste zu verzichten.

Auras war erst im vergangenen Jahr in die Kleinstadt mit rund 16 500 Einwohnern gezogen und in die SPD eingetreten. Nach Bekanntwerden des Streits hatte sie angekündigt, doch zu kandidieren, wenn sich ihre Kritikerinnen – darunter die Ortsvereinsvorsitzende Margit Giszas – entschuldigen würden. Diese Entschuldigung hat es laut Auras bei der Mitgliederversammlung am Freitagabend nicht gegeben. „Ich bin enttäuscht und habe später zu Hause bittere Tränen vergossen“, sagte die 50-Jährige. Sie wolle der SPD aber treu bleiben. „Das ist hier ein piefiger Ortsverein“, sie rechne das nicht hoch auf die Partei.

Giszas sagte der dpa, sie brauche sich bei Auras nicht zu entschuldigen, da sie diese nicht angegriffen habe. Sie habe nur Beschwerden über den Internetauftritt weitergeleitet. Giszas hatte auch angekündigt, sie werde nicht kandidieren, wenn Auras aufgestellt werde. Sie wolle nicht mit solchen Fotos in Zusammenhang gebracht werden.

Kritik an der Posse aus Neustadt kam vom SPD-Landesvorsitzenden Ralf Stegner. „Wir haben 2008 und nicht 1908“, sagte er. Auch der Ehrenvorsitzende des Ortsvereins Neustadt, Hermann Benker, sah es als „absolut unangemessen“ an, dass Auras von dem wenig aussichtsreichen Listenplatz elf gestrichen wurde. „Man kann nicht zufrieden sein mit dem Ergebnis der Veranstaltung, aber man muss hinnehmen, wie die Mitglieder abgestimmt haben“, sagte er der dpa.

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