Prozess gegen IS-Rückkehrer

Unbeabsichtigt IS-Terrorist?

Deutsch-Tunesier vor Gericht: Sie waren für den Islamischen Staat im Einsatz, das steht fest. Gestritten wird darüber, welche Motive die Angeklagten nach Syrien und in den Irak trieb. Ayoub B. hat seine eigene Version.
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Der Angeklagte Ayoub B. wird zu Beginn der Verhandlung in einen mit Sicherheitsglas abgetrennten Raum im Gerichtssaal des Oberlandesgerichts in Celle geführt. Ayoub B. und ein weiterer IS-Rückkehrer stehen vor Gericht, weil sie laut Anklage Ende Mai 2014 über die Türkei nach Syrien reisten und sich dort der Terrororganisation Islamischer Staat (IS) anschlossen. Quelle: dpa
Prozessbeginn gegen IS-Rückkehrer

Der Angeklagte Ayoub B. wird zu Beginn der Verhandlung in einen mit Sicherheitsglas abgetrennten Raum im Gerichtssaal des Oberlandesgerichts in Celle geführt. Ayoub B. und ein weiterer IS-Rückkehrer stehen vor Gericht, weil sie laut Anklage Ende Mai 2014 über die Türkei nach Syrien reisten und sich dort der Terrororganisation Islamischer Staat (IS) anschlossen.

(Foto: dpa)

CelleHinter einer Plexiglasscheibe sitzt Ayoub B.. Der junge Mann im weißen Hemd und mit schwarzen Löckchen verfolgt aufmerksam die Worte seines Anwalts, der seine Aussage vorliest. Über Dutzende Seiten zeichnet B. von sich selbst das Bild eines gutgläubigen Verlierers, der erst unwissentlich und später unter Zwang bei der Terrororganisation Islamischer Staat (IS) mitmachte.

Der 27-Jährige muss sich seit Montag zusammen mit Ebrahim H. B. (26) vor dem Oberlandesgericht Celle dafür verantworten, zwischen Juni und Mitte August 2014 beim IS in Syrien und im Irak gewesen zu sein. Das geben die beiden jungen Männer aus der VW-Stadt Wolfsburg auch zu. Allerdings weist Ayoub B. von sich, aus eigenem Antrieb und Überzeugung gehandelt zu haben.

Gegenüber von Ayoub B. sitzt Claudia Gorf von der Bundesanwaltschaft. Nur vier schmale Fenster knapp unter der Decke lassen Licht in den speziell gesicherten Gerichtssaal. Vor dem Gebäude stehen Polizisten mit Maschinenpistolen. Gorf hält den beiden Deutsch-Tunesiern vor, die terroristischen Ziele des IS gefördert und im Internet für den Heiligen Krieg geworben zu haben.

Das sind die gefährlichsten Länder der Welt
Libyen
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Das Land ist vom Krieg zerrissen. Seit dem Sturz von Diktator Muhammad Gaddafi gilt Libyen als sogenannter „failed state“. Eine funktionierende Regierung gibt es nicht, Investoren machen um das Land einen großen Bogen. Mittlerweile ist das Land auch ins Visier der Terrorgruppe „Islamischer Staat“ gerückt. Kein Wunder also, dass Libyen laut der aktuellen Karte des Gesundheitsrisikos von „International SOS“ auch hinsichtlich der medizinischen Versorgung eines der gefährlichsten Länder der Welt ist.

Sierra Leone
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In kaum einem anderen afrikanischen Land wütete hat das Ebola-Virus so brutal, wie im westafrikanischen Sierra Leone, eines der ärmsten Länder der Welt. Die fehlende medizinische Versorgung und das zu späte Einschreiten der internationalen Staatengemeinschaft haben erst möglich gemacht, dass das Virus derart tödliche Ausmaße annahm. Die Ebola-Epidemie konnte mittlerweile eingedämmt werden. Dennoch ist Sierra Leone nach wie vor kein risikoloses Reiseziel.

Liberia
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Wie Sierra Leone leidet auch Liberia unter der Ebola-Epidemie. Auch hier wurde zu spät reagiert. Zur fehlenden medizinischen Versorgung kommen noch katastrophale hygienische Zustände und die fehlende Sensibilisierung der Bevölkerung hinzu. Viele Liberianer blieben in Kontakt mit erkrankten Angehörigen und weigerten sich, auf Beerdigungszeremonien zu verzichten, weshalb sich das Virus immer weiter verbreiten konnte.

Simbabwe
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Während Simbabwes Diktator Robert Mugabe in Saus und Braus lebt, lässt er seine Bevölkerung in bitterer Armut darben. Eine absurd hohe Inflation, eine hohe Sterblichkeitsrate und fehlende öffentliche Investitionen – das alles interessiert den greisen Diktator wenig. Zwar leidet Simbabwe nicht unter dem Ebola-Virus, angesichts der Armut des Landes ist es als Reiseziel allerdings nicht empfehlenswert.

Syrien
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Der Bürgerkrieg in Syrien hat bisher Tausende Menschenleben gekostet. Frieden ist nicht in Sicht. Besonders problematisch ist, dass die ungeordneten Verhältnisse in Syrien eine Brutstätte für Terrorismus sind. Für Reisende ist das Land daher besonders gefährlich. Auch die desolate Gesundheitsversorgung macht Syrien zu keinem sicheren Reiseziel.

Irak
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Irakische Fußballfans in den Straßen der Hauptstadt Bagdad: Die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) sorgt in dem krisengeschüttelten Land für bürgerkriegsähnliche Zustände. Wilde Flüchtlingslager, eine schlechte medizinische Infrastruktur und die erhöhte Unsicherheit durch Anschläge und Bombendrohungen machen die Lebensumstände im Irak besonders prekär. Das ist keine Reise wert.

Gaza
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Zerstörungen in Gaza: Palästina ist nicht sicher. Insbesondere der Gazastreifen gilt als Pulverfass. Hier kommt es immer wieder zu Scharmützeln zwischen der radikal-islamischen Hamas und der israelischen Armee. Außerdem sorgen die durch das jüngste Bombardement zerstörten Gebäude für Gefahr. Aufgrund zerstörter Leitungen, Schwelbränden und offener Kanalisationen empfiehlt sich das eingemauerte Gaza derzeit umso mehr nicht für Reisende aus dem Ausland.

Sie geht sogar noch einen Schritt weiter: Die beiden Angeklagten seien im Sommer 2014 nach Deutschland zurückkehrt, „ohne ihre ideologische Übereinstimmung mit dem IS aufgegeben zu haben.“ Beide Angeklagten haben sich mittlerweile öffentlich vom IS distanziert.

Ayoub B. schildert vor Gericht, er habe Probleme in der Schule gehabt, musste auf die Hauptschule wechseln. „Weil ich überfordert war.“ Er habe Gras geraucht und rumgehangen. „Ich war das Sorgenkind meiner Familie.“ Später arbeitete er als Zeitarbeiter bei VW, das Gehalt aber verspielte er. Er habe getrunken und Kokain konsumiert.

„Beten war mir fremd“, sagt Ayoub B. „Wir hatten mit Religion nichts zu tun“, sagte auch Ebrahim H. B. in einem Fernseh-Interview, das er vor einigen Wochen im Gefängnis gab. Die beiden Männer waren in Wolfsburg an radikale Islamisten geraten. Die Gruppe gibt Halt. „Wir schaukelten uns gegenseitig hoch.“ Wer ist der strengste Muslim?

„Es war keine Rede vom kämpfen“
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1 Kommentare zu "Prozess gegen IS-Rückkehrer: Unbeabsichtigt IS-Terrorist?"

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  • Von einem unbeabsichtigten IS Terroristen kann wohl kaum die Rede sein. Der Artikel schildert die typische " Karriere " eines IS Kämpfers, der zwar als Verlierer zu betrachten ist, allerdings nicht aufgrund fehlender Integrationsangebote in Deutschland, sondern allein aufgrund mangelnder Selbstdisziplin sowie seines fehlenden Ehrgeizes, etwas aus seinem Leben zu machen. Vom radikalen Islamismus fühlen sich solche Leute schon deshalb angezogen, weil diese " Religion " ihnen die Mühe des Nachdenkens über das eigene Tun abnimmt und ihnen zugleich das Gefühl der Überlegenheit vermittelt. Die Einlassung, er sei sich bei seinem " Beitritt " zum IS nicht darüber im klaren gewesen, was auf ihn zukomme, ist absolut unglaubwürdig und läßt vielmehr erkennen, daß dieser IS Terrorist auch nach seiner Rückkehr nach Deutschland nichts dazugelernt hat und weiterhin jede Selbstreflektion vermissen läßt. Dafür spricht auch sein gesamtes Verhalten einschließlich der Werbung für den IS nach seiner Rückkehr.

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