Prozess gegen „Oldschool Society“
Terror-Pläne am Telefon

So einfach machen es Terroristen den Ermittlern selten: Chats über Messaging-Dienste und ein Gespräch über einen Anschlag am Telefon. Nun steht die Spitze der rechtsextremistischen „Oldschool Society“ vor Gericht.

MünchenPiercings, Ohrringe. Karohemd. Krawatte. So sieht also die rechte Terrorzelle „Oldschool Society“ aus. Seit Mittwoch muss sich die Führungsriege der Gruppe - drei Männer und eine Frau - vor dem Oberlandesgericht München verantworten, wegen Bildung einer terroristischen Vereinigung. Die Gruppe soll einen Anschlag auf ein Flüchtlingsheim in Sachsen geplant haben.

Andreas H., selbst ernannter Anführer und „Präsident“ der OSS, schaut gelassen in die Kameras. Olaf O. hält sich ein Heft vors Gesicht. Er hat an diesem ersten Verhandlungstag seinen 48. Geburtstag. Markus W. (40), der einzige mit kahlgeschorenem Kopf, dreht sich weg. Er soll neben dem 57-jährigen Andreas H. Rädelsführer der OSS gewesen sein und die Radikalisierung vorangetrieben haben. Seine Freundin: Denise Vanessa G., geboren im sächsischen Freital. Was sie gelernt habe, fragt der Vorsitzende Richter Reinhold Baier die 23-Jährige. „Nüscht.“ Arbeitslos.

Die vier bildeten laut Bundesanwaltschaft die „oberste Führung“, den „Geheimrat“ der Gruppe. Die Mitglieder hatten sich zunächst über soziale Netzwerke und Messaging-Dienste zusammengefunden. Bei einem ersten Treffen in der Kleingartenanlage „Sommerfreude“ in Frohburg wurde laut Anklage der „bewaffnete Kampf gegen Salafisten“ und ein „gewaltsames Vorgehen gegen Asylanten“ erörtert - und gefragt, „wer bereit wäre, auch in den Knast zu gehen für irgendwelche Taten“.

Das Treffen soll in Alkohol geendet haben. Für ein zweites Treffen vom 8. bis 10. Mai 2015 im sächsischen Borna rief Olaf O. deshalb die Teilnehmer auf, für „eine eventuell stattfindende Aktion“ sollten die Mitglieder „neutrale schwarze Kleidung“ tragen. Und nüchtern kommen.

Hier begannen laut Bundesanwaltschaft die konkreten Vorbereitungen für einen Anschlag auf ein Flüchtlingsheim. Markus W. und seine Freundin besorgten in Tschechien illegale Feuerwerkskörper namens „La Bomba“, „Dum Bum“, „Cobra 11“ und „Viper 12“. Andreas H. und sein „Vize“ Markus W. erörterten am Telefon, wie sie die Sprengkörper technisch verändern könnten, um die zerstörerische Wirkung zu erhöhen.

W. sagte am Telefon: „Deswegen habe ich schon gedacht, hier, so ein Cobra 11, hier, weißt du, hier Dachpappenstifte mit Sekundenkleber ringsrum, draufkleben und dann so ein Ding im Asyl... so ein Ding im Asylcenter, im Asylheim so, weißt du, Fenster eingeschmissen und dann das Ding hinterhergejagt.“ Und Andreas H stimmte zu: „Tät mir schon gefallen, wär schon so nach meinem Geschmack.“

Markus W. und Denise Vanessa G. lebten in Sachsen, Andreas H. in Augsburg, der vierte Angeklagte, Olaf G., stammte aus Bochum. Am 6. Mai 2015, kurz vor dem geplanten zweiten Treffen, wurden die vier bei einer bundesweiten Razzia festgenommen. Der Senat hat bis Oktober 30 Verhandlungstage angesetzt.

Im selben Gebäude - vor einem anderen Staatsschutzsenat - läuft seit fast drei Jahren der Prozess gegen eine andere rechtsextremistische Terrorgruppe: den „Nationalsozialistischen Untergrund“, dem zehn überwiegend rassistische Morde und zwei Sprengstoffanschläge zur Last gelegt werden. Auf die Frage, ob man die „Oldschool Society“ als NSU-ähnliche Gruppe sehen könne, sagt Oberstaatsanwalt Jörn Hauschild in einer Prozesspause lediglich: „Ich denke, dass man die beiden Fälle nicht miteinander vergleichen kann.“

dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur
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