Prozess um 719,40 Euro
„Wulff kann nur verlieren“

Zum ersten Mal sitzt mit Christian Wulff ein deutsches Staatsoberhaupt auf der Anklagebank. Er kämpft um seinen Ruf, wird ihn aber nicht retten können. Denn anders als Bayern-Präsident Hoeneß bereute er nicht öffentlich.
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Düsseldorf/HannoverVon den Anschuldigungen ist vor Prozessbeginn nicht mehr viel übrig geblieben. Vom Staatsmann Christian Wulff auch nicht. Wenn der ehemalige niedersächsische Ministerpräsident und Ex-Bundespräsident an diesem Donnerstagmorgen vor der 2. Großen Strafkammer des Landgerichts Hannover unter ihrem Vorsitzenden Frank Rosenow Platz Platz nehmen muss, geht es „nur“ noch 719,40 Euro – und den verzweifelten Kampf Wullfs um seinen Ruf.

Zum ersten Mal steht ein ehemaliges deutsches Staatsoberhaupt vor Gericht. Schlanker als noch zu aktiven Zeiten, mit neuer Brille, verändert – zumindest äußerlich. 22 Prozesstage sind bislang angesetzt, 46 Zeugen geladen. Nach Auskunft des Gerichts muss Wulff selbst erscheinen, muss sich nochmal dem Rampenlicht aussetzen, das er zuletzt gemieden hatte.

Das Landgericht ordnete Sicherheitsbestimmungen und Akkreditierungsvorschriften an, die eher einem Terroristenprozess entsprechen als einem Prozess um Vorteilsnahme beziehungsweise -gewährung, der normalerweise am Amtsgericht verhandelt worden wäre.

Es geht um die Beteiligung des Filmmanagers David Groenewold an den Kosten für Hotel und Kinderbetreuung, ein gemeinsames Abendessen und einen Oktoberfestbesuch, als die Familie Wulff 2008 zum Filmball nach München gekommen war. Dafür soll Wulff als Ministerpräsident gute Stimmung für Groenewolds Projekte in Politik und Wirtschaft gemacht haben.

Es geht aber längst nicht mehr um Bestechung und Bestechlichkeit. Das Gericht hat die Forderung der Staatsanwaltschaft um eine Stufe auf Vorteilsannahme (Wulff) beziehungsweise Vorteilsgewährung (Groenewold) heruntergesetzt.

So wenig juristisch noch übrig geblieben ist, so wird es doch keine Absolution geben für Wulff. „Er kann nur verlieren“, sagt Wulf-Hinnerk Vauk, Diplom-Betriebswirt, Berater und Coach. Dabei spiele es keine Rolle, ob er zu einer Geldstrafe verurteilt wird, zu einer Haftstrafe – möglich sind bis zu drei Jahren – oder ob er freigesprochen wird. „Seine Reputation kann er zwar juristisch wiedererlangen, moralisch bleibt aber ein Geschmäckle.“

Kommentare zu " Prozess um 719,40 Euro: „Wulff kann nur verlieren“"

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  • Wulf ! Für mich HAST NICHT VERLOREN SONDERN BEWEISEND GEWORDEN . . .
    NUN DIR BEWUSST , DAS GEGNER NUR NUTZENKOSTENRECHNUNGEN DRAUS MACHT und IMMER EIN SCHWARZEN PETER GEGEN FÜR " SIE " für " SICH " SPIELEN LASSEN NUR DANN SPIELEN LASSEN ? RECHT SPRICHT MACHT und NIE GERECHT , UND WARUM NICHT GERECHT GEFORDERT ?

    Ohne DICH HÄTTE VERFASSUNGSGERICHT NIE VERSAUT . . .

    VERDIENST DIR GERADE , WENN EHRLICHER DENKEN LASSEND REDEN WÜRDEST, GERADE DIR SOZIALSTUFE IN meine AUGEN !"! DU BIST SO WICHTIG ,. WENN WAHRHEITEN RAUFORDERND HANDELND ZWINGST . . .

    Frank Frädrich . . .

  • nur, dass sie nicht schwanger war: Der Bundespräsident a.D.

  • Die Staatsanwaltschaft wird sich auch fragen lassen müssen warum Rau und Wulff so unterschiedlich behandelt werden.

    Rau ließ sich für 150.000 DM (damals mehr Realkaufkraft als heute 150.000 €) als Ministerpräsident eine Geburtstagsfeier mit 1500 Gästen von der WestLB finanzieren deren oberster Dienstherr er war. Mit so einer Vorgeschichte war er für rot-grün 2000 als Bundespräsident tauglich.

    Wulff wird 2012 als Bundespräsident abgesägt weil Groenewold sein Hotelzimmer umbuchen ließ und dieser für 2 Nächte je 200€ Upgradekosten übernahm. Wulff hat das weder veranlasst noch wurde ihm das vom Hotel so in Rechnung gestellt. Es ist nicht einmal klar ob er davon wusste.

    "Vor dem Gesetz sind alle gleich". War da was?

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