Prozessauftakt
Mutmaßlichem Kofferbomber droht lange Haft

Knapp eineinhalb Jahre nach den gescheiterten Anschlägen auf zwei Regionalzüge hat der Prozess gegen den mutmaßlichen Kofferbomber von Köln vor dem Düsseldorfer Oberlandesgericht begonnen. Ein libanesisches Strafgericht hat zeitgleich seinen Komplizen zu zwölf Jahren Haft verurteilt.

HB DÜSSELDORF/BEIRUT. Jihad H. hatte gestanden, gemeinsam mit seinem Landsmann Youssef El H. im Juli 2006 im Kölner Hauptbahnhof zwei Sprengsätze in Regionalzügen deponiert zu haben. Drei seiner Mitangeklagten waren am Freitag freigesprochen worden. Der Prozess gegen seinen Komplizen Youssef El H. hat an diesem Dienstag vor dem Oberlandesgericht in Düsseldorf begonnen.

Im Juli 2006 sollen der 23-jährige Libanese Youssef Mohamed E.H. und sein mutmaßlicher Komplize Jihad Hamad zwei verheerende Anschläge geplant haben. Nur ein handwerklicher Fehler verhinderte offenbar, dass die beiden Kofferbomben in den Zügen nach Hamm und Koblenz ein Blutbad unter Dutzenden Reisenden anrichten konnten. Die Bundesanwaltschaft wirft dem Libanesen versuchten Mord und das versuchte Herbeiführen einer Sprengstoffexplosion vor. Sein mutmaßlicher Mittäter steht bereits seit April im Libanon vor Gericht. Dorthin war er nach den gescheiterten Anschlägen am 31. Juli geflüchtet.

Der Verteidiger von E.H., Bernd Rosenkranz, sagte, sein Mandant werde sich zu seiner Person äußern, vorerst aber nicht zu den Vorwürfen. Nach Überzeugung der Bundesanwaltschaft wollten die beiden Männer aus Rache für die Mohammed-Karikaturen einen Terroranschlag in Deutschland verüben. Die Zeichnungen der dänischen Zeitung „Jyllands Posten“ und Nachdrucke unter anderem in Deutschland hatten Anfang 2006 in vielen Ländern Proteststürme und gewalttätige Auseinandersetzungen ausgelöst.

Videoaufnahmen vom Kölner Hauptbahnhof zeigen, wie E.H. und Hamad am Mittag des 31. Juli mit ihren Koffertrolleys die Gleise betreten und getrennt voneinander in die beiden Regionalzüge steigen. Laut Anklage verhinderte nur ihr Unvermögen, dass die in den Koffern enthaltenen Gasflaschen nicht wie geplant um 14.30 Uhr explodierten. Theoretisch wären die Konstruktionen in der Lage gewesen, einen ganzen Waggon in Sekundenbruchteilen in eine Flammenhölle zu verwandeln.

Spezialisten an den Hauptbahnhöfen Dortmund und Koblenz entschärften die Bomben, nachdem das Fahrpersonal auf die herrenlosen Koffer gestoßen war. Auf die Spur kamen die Ermittler den beiden Männern mit Hilfe der Videobänder der Überwachungskamera: Mitte August wurde E.H. in Kiel und Hamad im Libanon festgenommen.

Der Kofferbomber-Prozess unter dem Vorsitz von Richter Ottmar Breidling dürfte mindestens bis zum kommenden Sommer andauern. Schon jetzt sind Verhandlungstermine bis zum 30. April angesetzt. Erste Zeugen werden im Hochsicherheitstrakt des Oberlandesgerichts erst ab Januar erwartet.

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