PSA völlig überbewertet
Hartz-Reform: Experte spricht von Scharlatanerie

Die Hartz-Reform erweist sich nach Einschätzung des Nürnberger Arbeitsmarktforschers Hermann Scherl zunehmend als „Scharlatanerie“ ohne nennenswerte Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt. Statt der versprochenen Verringerung der Arbeitslosigkeit um zwei Mill. gebe es bestenfalls einen Entlastungseffekt von 400 000 Arbeitslosen, geht aus einer am Dienstag veröffentlichten Zwischenbilanz des Hochschullehrers hervor.

HB/dpa NÜRNBERG. „Im ungünstigsten Fall geht die Rechnung nahezu auf null aus“, fügte er hinzu. Scherl lehrt an der Wiso-Fakultät der Universität Erlangen-Nürnberg Arbeitsmarkt- Theorie und -Politik.

Völlig überbewertet habe die Hartz-Kommission vor allem die so genannten Personal-Service-Agenturen (PSA), die Arbeitslose als Zeitarbeiter an Firmen vermitteln sollen. Die Erwartung, damit die Zahl der Arbeitslosen um bis zu einer Million zu verringern, sei von Anfang an fehlerhaft gewesen, schreibt Scherl. In den nun geplanten Personal-Service-Agenturen seien die Beschäftigungs- und Entlastungseffekte gleich null. „Bestenfalls kann über die PSAs die berufliche Wiedereingliederung von sonst schwer vermittelbaren Arbeitslosen gefördert werden“, urteilt Scherl.

Auch bei den so genannten Ich-AGs zeichnet sich nach Einschätzung des Arbeitsmarktforschers ein Misserfolg ab. Ursache dafür sei unter anderem, dass bei der Gewährung von Existenzgründer-Zuschüssen auf die Vorlage eines Geschäftsplans mit positiver fachkundiger Begutachtung verzichtet wird. Dadurch seien schlecht geplante Existenzgründungen mit einem hohen Risiko des Scheiterns zu befürchten. Zudem sei davon auszugehen, dass manche Arbeitslose die Existenzgründungszuschüsse nur mitnähmen, um weitere Zahlungen vom Arbeitsamt zu erhalten.

Die Neuregelungen bei den „Mini“- und „Midi-Jobs“ bei einem monatlichen Lohn von 400 bis 800 € seien zwar für Arbeitgeber und Arbeitnehmer attraktiv, zur Beendigung der Arbeitslosigkeit böten sie jedoch keinen Anreiz. Eher sei zu befürchten, dass sie die Zahl normaler Vollzeit-Jobs verringerten, weil sie Arbeitgeber zunehmend dazu veranlassten, normale Stellen in mehrere „Mini-“ oder „Midi- Jobs“ aufzuteilen. Ferner hält Scherl die geplante Ausdehnung der Zuständigkeit der Bundesanstalt für Arbeit (BA) auf arbeitslose Sozialhilfeempfänger für fragwürdig. Die BA werde dadurch zu einem „Mega-Sozialamt“ aufgebläht.

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