Punktesystem
Was Brüderle von den Kanadiern übernehmen möchte

Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle setzt sich in der Einwanderungsdebatte für ein Punktesystem nach kanadischem Vorbild ein. Deutschlands Einwanderungspolitik orientiert sich damit vor allem an den eigenen wirtschaftlichen Interessen.
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TORONTO. Wer in Kanada leben und arbeiten will, hat es nicht schwer, seine Chancen zu prüfen. Das zuständige Ministerium für Staatsangehörigkeit und Immigration bietet auf seiner Website einen Test an, den man in fünf Minuten absolviert hat. Interessenten klicken an, in welcher Sparte sie arbeiten möchten. Zehn Kategorien stehen zur Auswahl – vom Medizinsektor bis zur Landwirtschaft. In den nächsten Teilen des Tests geht es um die Qualifikation, um Berufserfahrung und Sprachkenntnisse. Bewerber, die bei dem Test eine bestimmte Punktzahl erreicht, gelten als geeignet. Auf der Website des Ministeriums finden sie gleich alle erforderlichen Formulare für die Immigration. Selbst wer bei dem Test scheitert, bekommt noch eine Chance: Die kanadischen Provinzen suchen oft noch nach eigenen Kriterien geeignete Einwanderer.

Das Land gilt als vorbildlich in Sachen Einwanderungspolitik und ist den meisten westeuropäischen Staaten meilenweit voraus. Jahr für Jahr erteilen die kanadischen Behörden mehr als 200 000 Bewerbern eine dauerhafte Aufenthaltsgenehmigung, nach drei Jahren können sie einen Einwanderungsantrag stellen. Das Land hat die höchste Einwanderungsrate unter den Flächenstaaten der Welt. Von 34 Millionen Einwohnern sind 18 Prozent (5,8 Millionen) Immigranten der ersten Generation, also nicht in Kanada geboren. Das Punktesystem gibt es bereits seit 1967.

Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) fasziniert die klare, an den wirtschaftlichen Interessen des Landes orientierte Einwanderungspolitik. „Ich halte dieses System in seiner Grundkonstruktion für vorbildlich“, sagte Brüderle bei seiner Kanada-Reise zu Wochenbeginn. Bei seinen Gesprächen mit kanadischen Regierungsvertretern sammelte Brüderle Argumente für einen neuen Kurs in der deutschen Einwanderungspolitik.

Brüderle hat das Thema Einwanderungspolitik in seiner politischen Agenda weit nach oben gerückt – und legt sich mit Teilen der Union an. Er sieht Deutschlands wirtschaftliche Chancen schwinden, wenn nicht möglichst bald mit einer gezielten Einwanderungspolitik begonnen wird. „Wir dürfen im weltweiten Wettlauf um Spezialisten und Fachkräfte keine Zeit mehr verlieren“, sagt Brüderle. Expertenwissen sichere und schaffe Jobs in Deutschland. „Wenn man den IT-Fachmann oder den Ingenieur nicht zur Verfügung hat, kann man auch die Facharbeiter, die dazu gehören, nicht einstellen“, sagt der Minister. Die Situation werde zunehmend ernst. In einigen Regionen Bayerns und Baden-Württembergs gebe es in der Wirtschaft kein anderes Thema mehr als den Mangel an Fachkräften.

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  • Auf seine Dichter und Denker ist man hierzulande Stolz! Obwohl schon teilweise über 100 Jahre her.
    Aber die negativen Seiten wie 2. Weltkrieg und die Greueltaten und die nachhaltige besetzung von hohem Ämtern durch die beteiligten des damaligen Regimes möchte man am liebsten vergessen, ob erst 65 Jahre her. Die intrigrierten Ausländer ca. 85 % sieht man nicht, dafür aber die anscheinend 15% intergrationsunwilligen. ich obwohl selbst Deutscher traue den deutschen Gehirnen nicht über den Weg. Ein Volk, das zum Teil blindlinks befehle ausführt, ob gegen Zivilisten, Frauen und Kinder und ältere Menschen, da steckt was tiefer, als nur ein wahnsinniger Führer!
    Man sieht wie Polizisten in Stuttgart S21 agiert haben und es war auch nur ein befehl! Es fehlt einfach der gesunde Menschenverstand!
    Aber ich traue wie gesagt dieser unsrigen Kultur nicht, denn sie lassen sich blenden und fallen auf Politiker, Eliten, Heilsbringer herein. Wahrscheinlich ist dass der Fluch, der auf uns Deutschen lastet und wir immer einen Ersatzsündenbock für die Machenschaften unserer Politiker und Eliten suchen.

  • Habe den Punktetest gemacht u. trotz meines Alters (50+) mehr als 90 (v. 100) erreicht.

    Leider fehlt mir die Kohle, dieser maroden u. verkommenen bananen Republik Deutschland den Rücken zu kehren.

    Was unsere "lieben", ach so bemühten Politdarsteller im Vergleich z.b. zu Kanada übersehen, ist daß wir uns in diesem Fall mit dem 2. größten Land der Welt (knapp 10Mio qkm) mit gerade einmal knapp 34Mio Einwohner vergleichen. Hierzulande hausen auf gerade einmal 357Tsd qkm ca. 82Mio Einwohner, von denen ca. 10Mio Arbeit suchen u. das m. einem kranken bankensystem (Kanadas ist unbeschadet durch die letzte Krise gekommen - warum wohl?), unfähigem Politpersonal, überbordendem bürokratismus u. einer zu hohen Abgabenlast f. "Normalverdiener".

    Die Einführung eines Punktesystems à la Kanada o. OZ zur Regelung der Zuwanderung in D wäre grundsätzlich zu begrüßen. Da der deutsche bürokratius aber noch nicht einmal in der Lage ist, die stillen Reserven der 10% Arbeitssuchenden, die sich im System befinden, zu heben, wird auch ein vergleichbares Punktesystem im deutschen bürokratiewahn untergehen u. keine Linderung des ach so bedrückenden Fachkräftemangels herbeiführen.

    Auch wird gerne übersehen, daß Deutsch nicht gerade eine Weltsprache ist, im Gegensatz zu dem in Kanada o. anderen Zuwanderungsländern wie OZ, NZ, USA üblichen Englisch.

    brüderle u. Co. werden ab dem 01.05.11 ihre qualifizierte Zuwanderung aus dem Osten bekommen. Viel Spaß!

    ich will hier nur noch weg!

  • in dem Artikel müsste es heißen, dass ein Einwanderer nach drei Jahren einen Antrag auf Einbürgerung stellen kann. Eingewandert ist er ja schon.
    Das kanadische System ist sehr gut. ich selbst habe es genutzt und bin sehr zufrieden hier in Vancouver.

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