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11.03.2008 
Transfergesellschaften

Qualitätsstandards für Personalabbau

von Sven Prange

Die Entlassungen bei Nokia, BenQ & Co. bringen gehörig Schwung in den Markt der Transfergesellschaften. Sie sollen künftig nach messbaren Qualitätskriterien arbeiten. Ein neu gegründeter Branchenverband will einen Effizienzvorteil gegenüber den Arbeitsagenturen sichern.

Vergeblicher Protest: Eine Transfergesellschaft soll entlassene Mitarbeiter der Siemens-Telefonsparte auffangen. Foto: dpaLupe

Vergeblicher Protest: Eine Transfergesellschaft soll entlassene Mitarbeiter der Siemens-Telefonsparte auffangen. Foto: dpa

DÜSSELDORF. Transfergesellschaften, die bei Werksschließungen entlassene Mitarbeiter für eine Übergangsfrist aufnehmen, sollen künftig nach messbaren Qualitätsstandards arbeiten. Das hat sich der neu gegründete Bundesverband der Träger im Beschäftigtentransfer (BVTB) zum Ziel gesetzt. Er hat ein Zertifizierungsverfahren entwickelt, das künftige Auftraggeber besser vor "schwarzen Schafe" schützen soll. Der Tüv Nord will das Verfahren künftig als einer der ersten anwenden.

Standortschließungen und Massenentlassungen haben in jüngster Zeit einen regelrechten Aufschwung bei den Transfergesellschaften in Gang gesetzt. So haben Nokia und BenQ entsprechende Auffangmodelle für entlassene Mitarbeiter ihrer deutschen Handywerke eingerichtet. Auch der Küchenhersteller Alno hat eine Transfergesellschaft gegründet, gleiches bereitet nun Siemens für den geplanten Abbau von 3 200 Stellen in seiner verbliebenen Telefonsparte vor.

In den Transfergesellschaften werden entlassene Arbeitnehmer bis zu einem Jahr lang angestellt. Sie sollen qualifiziert und in Arbeit vermittelt werden, ohne sich arbeitslos melden zu müssen. Feste Regeln, wie das zu passieren hat, gibt es bisher allerdings nicht. Dabei zahlt die Arbeitsagentur bis zu 67 Prozent des letzten Gehalts, der alte Arbeitgeber stockt auf bis zu 80 Prozent auf. Zudem gibt es Geld von der Europäischen Union.

Die Idee dahinter: Unternehmen können ihren Ex-Mitarbeitern damit zumindest im Ansatz neue Perspektiven bieten, regionale Strukturprobleme durch Massenentlassungen lassen sich abfedern. Die Mitarbeiter bekommen ein Jahr lang den Großteil ihres Gehaltes weiter und müssen sich nicht arbeitslos melden. Und die Träger wiederum können dank der Zuschüsse am Ende gute Gewinne machen.

Allein in Nordrhein-Westfalen werden derzeit 10 000 Menschen von Transfergesellschaften betreut. Unter den Anbietern - darunter gewerkschaftsnahe Institute, private Personaldienstleister und Sozialverbände - herrscht ein harter Wettbewerb.

Das Prinzip hat aber Schönheitsfehler: Es kostet viel öffentliches Geld - allein die Bundesagentur für Arbeit (BA) zahlt über 200 Mill. Euro jährlich - und es ist nicht immer erfolgreich. Hilmar Schneider, Direktor Arbeitsmarktpolitik am Bonner Forschungsinstitut zur Zukunft der Arbeit (ZA), hat die Erfolge der Transfergesellschaften evaluiert und ist wenig euphorisch.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: "Wer die Standards nicht erfüllt, hat bei uns keinen Platz"

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