Quartalsbericht
Krankenkassen melden Milliarden-Defizit

Im dritten Jahr nach Inkrafttreten des rot-grünen Gesundheitsmodernisierungsgesetzes schreiben die meisten Krankenkassen nach Informationen des Handelsblatts wieder tief rote Zahlen. Hauptkostentreiber waren neben den Arzneimittelausgaben die Krankenhauskosten.

HB BERLIN. Wie das Handelsblatt von den Verbänden der großen Kassen erfuhr, schlossen die Ortskrankenkassen und die zehn Ersatzkassen das erste Quartal mit einem Defizit von zusammen knapp über eine Milliarde Euro ab. Bei ihnen sind rund 70 Prozent der 50 Millionen gesetzlich Krankenversicherten Mitglied.

Bei den Ersatzkassen mit den Marktführern Barmer, DAK und Techniker-Krankenkasse (TK) übertrafen die Ausgaben die Einnahmen um 581 Mill. Euro. Die 17 Ortskrankenkassen mit ihren rund 18 Millionen Mitgliedern meldeten ein Minus von 444 Mill. Euro. Grund für die negative Entwicklung ist der wieder starke Anstieg der Leistungsausgaben. Sie legten bei den Ersatzkassen um 4,6 Prozent, bei den Ortskrankenkassen sogar um 5,5 Prozent je Mitglied zu. Gleichzeitig setzte sich die schwache Einnahmeentwicklung des vergangenen Jahres fort.

Bei den Angestelltenersatzkassen und den Arbeiterersatzkassen schrumpfte die Einnahmebasis sogar um 0,44 bzw. 0,11 Prozent. Bei den Ortskrankenkassen gab es noch ein geringes Plus von 0,4 Prozent. „Es zeigt sich, dass die konjunkturelle Erhöhung die gesetzlichen Kassen bislang nicht erreicht hat,“ sagte die Sprecherin des Verband der Angestelltenkrankenkassen (VDAK), Michaela Gottfried.

Hauptkostentreiber waren neben den Arzneimittelausgaben mit Zuwachsraten von 11,1 und fast 10 Prozent (Ersatzkassen) die Krankenhauskosten, die bei den AOKen um 5,9 und bei den Ersatzkassen um 6,6 Prozent zunahmen. Im zweiten Quartal dürfte sich die Lage allerdings wieder deutlich entspannen, wenn der Finanzminister die erste Rate des Bundeszuschusses von 4,2 Mrd. Euro an die Kassen überweist. „Es ist jedoch fraglich, ob dadurch die Entwicklung noch ins Positive gewendet werden kann,“ warnte Gottfried. Ein Minus von einer Milliarde Euro für alle Kassen zum Jahresende sei weiterhin nicht auszuschließen, sagte Udo Barske vom AOK-Bundesverband.

Als einzige Kassenart haben bislang die Innungskrankenkassen für das erste Quartal einen Überschuss von 47,7 Mill. Euro gemeldet. Die Betriebskrankenkassen wollen ihre Zahlen noch in dieser Woche vorlegen.

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