Querelen-Partei
Der unheimliche Erfolg der AfD

Ist bei der AfD der Lack wieder ab? Nach dem Beinahe-Einzug der Euro-Kritiker in den Bundestag ist die Euphorie weg, interne Grabenkämpfe bestimmen das Bild. Experten aber sagen: Mit der Partei ist weiter zu rechnen.
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BerlinDie internen Grabenkämpfe der eurokritischen Partei Alternative für Deutschland (AfD) haben diese Woche einen neuen Höhepunkt erreicht. Wolf-Joachim Schünemann ist von seinem Amt als Beisitzer im Vorstand der AfD zurückgetreten. Der Bayer ist in der AfD kein Unbekannter: Er gehört zu den Gründungsmitgliedern und war maßgeblich am Aufbau des bayerischen Landesverbandes beteiligt. Gründe für seinen Abgang hat er nicht genannt. Und auch AfD-Chef Bernd Lucke ließ die Öffentlichkeit darüber im Unklaren. Nüchtern ließ er über eine Pressemitteilung verlauten, dass der Vorstand Schünemanns Entscheidung respektiere und ihm für seine geleistete Arbeit danke.

Genau diese von Schünemann verrichtete Parteiarbeit dürfte jedoch mit den Ausschlag für seinen Abgang gegeben haben. Der AfD-Mann war einige Zeit Vorsitzender des Problem-Landesverbands in Bayern. Unter seiner Führung gab es monatelang heftige Auseinandersetzungen zu Fragen der innerparteilichen Demokratie. Im Mai musste die Partei dann einen Landesparteitag wiederholen, weil der erste im Chaos unterging. Darüber stürzte ein Landesvorstand. Am 26. Mai wählte der Parteitag dann eine neue Führung und ersetzte den bisherigen Vorsitzenden Schünemann durch Schatzmeister André Wächter. Als weitere Folge dieses tiefgreifenden Konflikts nahm die Partei nicht, wie ursprünglich geplant, an der bayerischen Landtagswahl teil.

Solche Vorkommnisse sind nicht ungewöhnlich für die noch junge Partei. Immer wieder wird von parteiinternen Querelen, Grabenkämpfen und Führungsstreits berichtet. Auch die Frage, wie sich die Partei neben ihrer eurokritischen Ausrichtung inhaltlich positionieren soll, ist noch nicht abschließend geklärt. Hinzu kommen Debatten darüber, inwieweit die AfD zu einem Sammelbecken für rechtspopulistische Strömungen werden könnte.

Eigentlich schlechte Voraussetzungen, um erfolgreich zu sein. Doch für die AfD gelten offenbar andere Gesetze. In der Wählergunst liegt die Partei jedenfalls konstant vor der FDP, die bei der Bundestagswahl erstmals in ihrer Geschichte aus dem Parlament gewählt wurde. Wie ist dieser fast schon unheimliche Erfolg zu erklären?

Kommentare zu " Querelen-Partei: Der unheimliche Erfolg der AfD"

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  • Eine objektive Analyse vorliegender Meinungen ist das. Das Scheitern an der 5% Hürde ist sicherlich auch der Tatsache zuzuschreiben, daß „inhaltliche Positionen noch nicht abschließend geklärt sind“ und das Anti-Euro-oder Anti-Europa-Syndrom die Partei als Ein-Themen-Partei stigmatisiert hat. Es ist nur leider immer noch die Frage, ob das den doch beachtlichen Erfolg tragende „in der Gesellschaft verbreitete Unbehagen“ nur auf die Euro-Rettungspolitik fokussiert oder weiter trägt, nämlich gegen die im Rahmen der Euro-Rettungspolitik sichtbar werdende miserable politische Kultur, die ein Großeuropa ahnen lässt, das eher einer kommunistischen Funktionärsdiktatur als einem humanistischen Demokratiegebilde entspricht. Wenn sich in der Partei der Vorschlag durchsetzt, als Parteienstiftung eine Immanuel Kant-Stiftung zu gründen, wäre das ein gutes Zeichen dafür, daß die Partei sich als Protestbewegung gegen die hierzulande schon seit 1957 – in Abkehr von der „Sozialen Marktwirtschaft“ des Ordoliberalismus – praktizierte lobbygesteuerte Wahrheitsfindung bei der öffentlichen Beurteilung politischer Entscheidungen aufstellen will. Das der Hauptteil der Gründer und Katalysatoren dieser Bewegung aus den Wirtschaftswissenschaften kommt, zeigt, daß diese Leute ihr sachverständiges Lakaien-Dasein satt haben: In die Bürger-Protestbewegung übertragen würde das bedeuten, daß endlich mal Wahrhaftigkeit als ein wesentlicher Maßstab der Politik gelten soll.
    Dann würde als Slogan auf Flyern oder sonst wo passen: AfD = Alternative für Demokratie statt lobbygesteuerter Parteiendiktatur.
    Wenn das inhaltlich die Äußerung der Protestbewegung wäre, würde ich mir um den Fortbestand der Demokratie in diesem Lande keine Sorgen machen und auch nicht um die Nachhaltigkeit der AfD.
    Ansonsten müssten wir warten, bis uns ein anderes europäisches Land das geplante kommunistische Großeuropa vom Halse hält.
    Mit freundlichen Grüßen
    Klaus Peter Kraa

  • Linke Hetze und insgesamt auch völliger Nonsens.

  • @ Freidenker Karin

    Zitat : Und lustig auch, woher Sie wissen wollen wie ich heiße?

    - haben Sie noch nie was von der NSA gehört ? Die sammelt nicht nur Daten, sie vermarktet sie auch. Der Deutsche Ableger BND ist da sehr rührig.....!

    Man weiß alles über Sie ! Sie sind ganz einfach ein(e) Spinner(in) !

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