Querulanten aus Bayern
Die alljährlichen Sommerspiele der CSU

Die CSU nutzt die Sommerferien gerne, um die Ruhe in Berlin zu stören. Dieses Jahr fallen die Äußerungen aus Bayern aber deutlicher aus. Der Grund: Die Partei steht vor zwei wichtigen Wahlen.
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BerlinWenn der Bundestag Pause macht, beginnen die Sommerspiele der CSU. Jedes Jahr nutzen christsoziale Vordenker wie Parteichef Horst Seehofer, der bayerische Finanzminister Markus Söder oder Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer das Sommerloch, um sich bemerkbar zu machen. Manch Papierrascheln in Bayern wird in Berlin dann zum Sturm im Blätterwald. In diesem Jahr ist es vor allem die Euro-Krise, mit der die CSU zu punkten versucht. Die Partei steht besonders unter Stress: Sie steuert auf eine Landtagswahl zu.

Im Kanzleramt verdrehen sie die Augen, wenn Horst Seehofer die vermeintliche Medienflaute nutzt, um - wie in den vergangenen Wochen geschehen - wahlweise zur Durchsetzung des Betreuungsgeldes mit Koalitionsbruch zu drohen, ein NDP-Verbot zu fordern oder in Sachen Griechenland und Euro zu eskalieren. Selbst im Urlaub kann es der bayerische Recke nicht lassen.

Es ist auch die Lust am verbalen Raufen, die Seehofer vorantreibt. "Friedhofsruhe ist für ein Land am allerschlechtesten. Wenn alle das Gleiche denken, denkt niemand mehr gründlich", sagte er im ZDF-Sommerinterview. Deshalb müsse es auch Diskussionen in der Koalition geben. Das ist christsoziale Chaostheorie: Der Chef wackelt mit den Flügeln, und irgendwo wird schon jemand umfallen.

In der Tat ruft Seehofer immer kontroverse Reaktionen hervor, bei der Opposition sowieso, aber auch in den eigenen, schwarz-gelben Reihen. Unionsfraktionschef Volker Kauder (CDU) sah sich schon gefordert, Seehofer für dessen Kritik am Euro-Kurs der Regierung vorsichtig zur Zurückhaltung aufzufordern. Der nordrhein-westfälische FDP-Chef Christian Lindner meinte in einem Interview mit der "Neuen Westfälischen", bei Seehofer habe er "bisweilen den Eindruck, dass er geprägt ist von der bayerischen Landtagswahl."

So ganz falsch ist das nicht. Die CSU muss sich 2013 nicht nur in einer Bundestagswahl, sondern auch in einer Landtagswahl behaupten. Seehofers Rumpeleien verfehlen beim Wähler ihre Wirkung offenbar nicht. In einer vergangene Woche veröffentlichten Umfrage steht die CSU mit 46 Prozent gut da.

Wenn Seehofer Sendepause hat, geht sein Finanzminister Söder die Sache an. "An Athen muss ein Exempel statuiert werden, dass diese Eurozone auch Zähne zeigen kann. Die Deutschen können nicht länger der Zahlmeister für Griechenland sein", sagte er der "Bild am Sonntag" - es war ein Vorstoß, der in seiner Deutlichkeit selbst die Euro-Skeptiker in der Union irritierte. CDU-Politiker reagierten empört, die SPD rügt ihn gar als "gewissenlosen Krawallmacher".

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„Dann gehen sie doch zum Landesfeuerwehrmeister“

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  • Crazy Horst und seine Klamaukpolitiker Söder, Ramsauer, Dobrindt, Guttenberg woll(t)en den Bayern gefallen.

  • Lieber Gott im Hi8mmel, bitte, bitte schick uns doch für eine Weile den FJS mal wieder auf die erde, damit er ein wenig aufräumt. Dazu ein paar Allgäuer Bauern und dann klappt die Sache wieder in Deutschland
    In Bayern gewinnt dann die CDU die Wahlen und in Berlin wirbelt es den gesamten Bundestag durcheinander. Dazu, lieber Gott, könnste ja auch den Wehner mal fürn ne kurze Zeit mitschicken.
    Das wäre ein Fest für Deutschen
    Da wrüde glatt der Reichstag wackeln
    Danach gibts ne gute Maaß und dann dürfen die zwei wieder in den Himmel auf ihre Wolken

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