Rabattverträge der Krankenkassen
Arzneimittelmarkt auf den Kopf gestellt

Die Rabattverträge, die inzwischen nahezu alle gesetzlichen Krankenkassen seit April mit verschiedenen Arzneimittelherstellern abgeschlossen haben, wirbeln den deutschen Arzneimittelmarkt durcheinander. Deutsche Markenhersteller beklagen Umsatzverluste und fallende Preise.

BERLIN. Nach aktuellen Daten des Statistikunternehmens IMS-Health, die dem Handelsblatt vorliegen, verfünffachte sich die Zahl der rabattierten Medikamente seit April von rund 3200 auf nahezu 16 000. Waren im April nur 15 Unternehmen bereit, solche Verträge zu schließen, sind es inzwischen 54. Darunter auch einige ausländische Hersteller, die bislang in Deutschland nur über geringe Marktanteile verfügen.

Es zeige sich, dass die durch die Gesundheitsreform ermöglichten Verträge bislang weniger im Markt vertretenen Unternehmen die Chance böten, höhere Marktanteile zu erreichen, meint IMS. So stieg der Marktanteil dreier Hersteller des Blutfettsenkers Simvastatin nach Abschluss eines Rabattvertrags mit der AOK innerhalb eines Monats von vier auf 36 Prozent. Im Gegenzug schrumpften die Marktanteile der übrigen Hersteller massiv.

Auch außerhalb der Rabattverträge purzeln die Preise. Nach Angaben des Verbands Pro Generika sanken die Herstellerabgabepreise der deutschen Generikaunternehmen im vergangenen Jahr um 31 Prozent oder 835 Mill. Euro. Beim umsatzstärksten generischen Wirkstoff Omeprazol, einem Mittel zur Reduzierung der Magensäure, ging er sogar um 35 Prozent zurück.

Grund für die Abwärtsspirale ist eine im vergangenen Juli in Kraft getretene Regelung, nach der Versicherte für Medikamente keine Zuzahlung leisten müssen, die im Preis rund 30 Prozent unter dem Preis (Festbetrag) liegen, den die Kassen maximal erstatten. Inzwischen sind rund 9900 Medikamente zuzahlungsfrei zu haben, weil die Hersteller ihre Preise entsprechend gesenkt haben.

Den Unternehmen habe dies empfindliche Erlöseinbußen gebracht, klagte gestern Pro-Generika-Geschäftsführer Hermann Hofmann. „Obwohl der mengenmäßige Anteil der Generika am Gesamtumsatz mit Arzneimitteln auf 85 Prozent und der Absatz allein zwischen Januar und April 2007 um 9,4 Prozent gestiegen ist, schrumpfte der Umsatz in Euro um sechs Prozent.“

Er warnte davor, den Preiswettbewerb auf dem Generikamarkt künstlich zu überhitzen. Der Anstieg der Arzneimittelausgaben der Kassen in den ersten vier Monten dieses Jahres um 5,7 Prozent gegenüber dem gleichen Vorjahreszeitraum zeige doch, dass der Kostenschub in diesem Bereich nicht von den Generika verursacht werden. 2,7 Prozentpunkte dieses Anstiegs gingen auf die Erhöhung der Mehrwertsteuer um drei Prozentpunkte zurück. „Ansonsten geht die erneute Kostenwelle ausschließlich auf das Konto der patentgeschützten Arzneimittel.“ Hierfür hätten die Kassen bis April 11 Prozent mehr ausgeben müssen.

Seine kürzliche Warnung, die Rabattverträge stünden vor dem aus, weil die rabattierenden Firmen nicht liefern könnten, wiederholte Hofmann gestern nicht. Dafür gibt es zwei Gründe: Zum einen hat die AOK die Verträge mit zwei Firmen, die ihre Lieferverpflichtungen nicht erfüllen konnten, inzwischen gekündigt. Außerdem haben die Kassen eine Vereinbarung mit den Apothekern verlängert, nach der diese, wenn sie ein rabattiertes Medikament nicht beschaffen können, ein vorrätiges Präparat abgeben dürfen.

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