Radikale mit deutschem Pass
Terror made in Germany

Die gewaltbereite islamistische Szene in Deutschland ist vielfältig – und vieles findet im Verborgenen statt. Nach dem jüngsten Verfassungsschutzbericht gibt es hierzulande rund 32 000 Islamisten. Die neuen Anschlagsversuche zeigen, dass von sogenannten „homegrown terrorists“ immer größere Gefahr ausgeht. Ermittler stehen damit vor einem großen Problem.

BERLIN. Von der Existenz einer „Islamischen Dschihad-Union“ hat in Deutschland bis vor kurzem kaum jemand etwas geahnt. Im Verfassungsschutzbericht 2006 taucht die Organisation mit keinem Wort auf. Die Gruppe, deren Zerschlagung Generalbundesanwältin Monika Harms mit unverhohlenem Stolz meldete, ist zu neu, um in den Jahresberichten der Sicherheitsbehörden zu erscheinen: Erst im Winter 2006 sei die deutsche Zelle gegründet worden, sagte der Chef des Bundeskriminalamts, Jörg Ziercke, gestern in Karlsruhe.

Die gewaltbereite islamistische Szene in Deutschland ist vielfältig – und vieles findet im Verborgenen statt. Nach dem jüngsten Verfassungsschutzbericht gibt es in Deutschland rund 32 000 Islamisten. Das Gros davon ist friedlich, wie etwa die türkische Milli-Görüs-Gemeinde mit allein 26 000 Mitgliedern. Mitgezählt sind dabei auch die Anhänger ausländischer Organisationen wie die libanesisch-schiitische Hisbollah, die palästinensische Hamas oder die tschetschenische Separatistenbewegung. Gewaltbereit sind diese Organisationen durchaus, aber in Deutschland sammeln sie meist nur Spenden, rekrutieren Unterstützer und organisieren Demonstrationen.

Einige, wie die kurdisch-irakische Terrorgruppe Anwar-al-Islam, werben angeblich auch mögliche Selbstmordattentäter für Anschläge im Irak in Deutschland an – aber an Anschlägen hierzulande sind sie meistens nicht interessiert.

Gefahr für die Sicherheit in Deutschland geht nach Ansicht der Sicherheitsbehörden vor allem von sogenannten „homegrown terrorists“ aus. Damit sind Leute wie die Attentäter von London im Juli 2005 gemeint: hier geborene und aufgewachsene Muslime oder Konvertiten, die sich durch Kontakt mit islamistischen Predigern radikalisieren und sich dem globalen „Dschihad“ gegen alles Westliche und Säkulare verschreiben. Im Internet finden sie Inspiration in Form von Botschaften der El-Kaida-Führer – und detaillierte Anleitungen, wie man mit einfachen Mitteln tödliche Bomben baut. Sie haben keine festen Strukturen, sind in keine hierarchischen Organisationen eingebunden.

Niemand ahnt, was sie planen – bis sie zuschlagen

Niemand ahnt, was sie planen – bis sie zuschlagen. Wie viele es von diesen Terroristen in Deutschland gibt, weiß kein Mensch. Aber dass es sie gibt, zeigen die jetzigen Verhaftungen: Zwei der Festgenommenen seien zum Islam konvertierte Deutsche, sagte Bundesanwalt Rainer Grießbaum in Karlsruhe.

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