RAF
Becker-Verhaftung: Bosbach dämpft Erwartungen

Unions-Fraktionsvize Wolfgang Bosbach (CDU) hat vor überzogenen Erwartungen an den Haftbefehl gegen die ehemalige RAF-Terroristen Verena Becker gewarnt. Der Sohn des von der RAF ermordeten früheren Generalbundesanwalts Siegfried Buback, Michael Buback, äußerte sich zufrieden über die Festnahme.

dne DÜSSELDORF. "Ob jetzt das gesamte Tatgeschehen restlos aufgeklärt werden kann, hängt jetzt davon ab, inwieweit Frau Becker selber zur Tataufklärung bereit ist", sagte Bosbach am Freitag im Gespräch mit Handelsblatt.com. "Nach den bisherigen Erfahrungen mit RAF-Terroristen bin ich da aber skeptisch."

Bosbach betonte, der Haftbefehl stelle keine Vorverurteilung Beckers dar. Er bedeute nicht, dass die ehemalige RAF-Terroristin auch die tödlichen Schüsse auf Buback und seine beiden Begleiter abgefeuert habe. "Ohne handfeste Beweise würde dieser Haftbefehl aber sicherlich nicht ergangen sein. Dafür braucht man einen dringenden Tatverdacht."

Zuvor hatte die Bundesanwaltschaft die Verena Becker in Berlin verhaften lassen. Sie sei dringend verdächtig, 1977 an dem Mordanschlag auf den damaligen Generalbundeswalt Siegfried Buback und zwei seiner Begleiter beteiligt gewesen zu sein, teilte die Bundesanwaltschaft in Karlsruhe mit.

Der Sohn des von der RAF ermordeten früheren Generalbundesanwalts Siegfried Buback, Michael Buback, zeigte sich "glücklich" darüber, dass der Ermittlungsrichter und die Strafverfolgungsbehörden "energisch" gehandelt hätten. Der in Halle erscheinenden "Mitteldeutschen Zeitung" sagte er: "Ich hatte inzwischen die Hoffnung aufgegeben, dass diesem dringenden Tatverdacht nachgegangen wird." Buback fuhr fort, er habe viele Argumente für einen dringenden Tatverdacht vorgelegt. Offensichtlich Seien jetzt noch Dinge hinzugekommen. "Es wäre zu wünschen, dass es zu einer Anklage und zu einem Prozess kommt, der dann die vollständige Wahrheit ans Licht bringt", sagte Buback. So gebe es vier voneinander unabhängige Zeugenaussagen, die eine zierliche Frau hinten auf dem Tat-Motorrad gesehen hätten. Von sei auch geschossen worden. "Nach der langen Zeit will ich die Wahrheit wissen."

Die heute 57-jährige Becker hat nach Angaben der Bundesanwaltschaft wesentlich an der Vorbereitung und Durchführung der Tat mitgewirkt. Allerdings gebe es nach wie vor keine Beweise dafür, dass sie auch die tödlichen Schüsse abgegeben habe, hieß es. Bei einer Hausdurchsuchung vor einer Woche wurden der Ermittlungsbehörde zufolge Unterlagen sichergestellt, die den Tatverdacht gegen Frau Becker erhärteten. Zuvor war bereits ihre DNA am damaligen RAF-Bekennerschreiben entdeckt worden. Das Verfahren im Mordfall Buback wurde 1980 ohne Anklageerhebung eingestellt. Im vorigen Jahr hatte die Bundesanwaltschaft die Ermittlungen allerdings wieder aufgenommen. Frau Becker war im Dezember 1977 wegen sechs anderer Morde zu lebenslanger Haft verurteilt und 1989 begnadigt worden.

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