RAF
Buback-Sohn für Klars Begnadigung

Der Sohn des ermordeten Generalbundesanwalts Siegfried Buback, Michael Buback, hat überraschend seine Meinung zu einer Begnadigung des inhaftierten RAF-Terroristen Christian Klar geändert und plädiert nun unter Vorbehalt für dessen Freilassung. Seine Begründung: Er habe Informationen erhalten, wonach Klar nicht der Mörder seines Vaters gewesen sei.

HB BERLIN. Buback schreibt in einem Gastbeitrag für die „Süddeutsche Zeitung“, er habe „Informationen aus dem Bereich der RAF“ erhalten, die dafür sprächen, dass Klar nicht unmittelbar an dem Anschlag auf seinen Vater am 7. April 1977 beteiligt gewesen sei. „Die Nachricht lautet: Christian Klar sei keiner der beiden Täter auf dem Motorrad gewesen. Er habe auch nicht an der frühen Planung des Attentats teilgenommen, auch nicht an der Ausbildung für die Aktion. Christian klar haben dagegen maßgeblich an der Ermordung von Jürgen Ponto mitgewirkt“, so Michael Buback weiter. Ponto - damals Vorstandssprecher der Dresdner Bank - war 1977 erschossen worden.

Buback junior weiter: Wenn die Information stimme, gebe es für ihn keinen Grund, dass Klar „länger als alle anderen Mörder aus den Reihen der RAF in Haft bleiben müsste“. Klars Anwalt Heinz-Jürgen Schneider äußerte sich überrascht und sprach von einer „Stimme der Vernunft“.

Bislang hatten sich die Angehörigen des ermordeten Generalbundesanwalts gegen die Begnadigung Klars gewandt, die dieser bei Bundespräsident Horst Köhler beantragt hat. Klar wurde wegen der Beteiligung am Buback-Mord verurteilt, ohne dass seine genaue Rolle bekannt wurde. Der „Süddeutschen“ zufolge will Köhler am Mittwoch in kleinem Kreis unter anderem mit Michael Buback über das Gnadengesuch beraten. Nachdem Klar aus der Haft heraus seine fortbestehende Ablehnung des bestehenden Wirtschaftssystems formuliert hatte und öffentliche Bekundungen von Reue verweigert, hatten sich zahlreiche, vor allem konservative Politiker gegen seine Begnadigung ausgesprochen. Vom Bundespräsidialamt war am Dienstagabend keine Bestätigung für den Gesprächstermin am Mittwoch zu erhalten.

Ein Sprecher der Bundesanwaltschaft bestätigte der Zeitung, dass es neue Hinweise zur Frage der Täter im Fall Buback gibt. Diese würden geprüft. Michael Buback stellt seine Unterstützung von Klar Gnadengesuchs unter den Vorbehalt, dass die neuen Informationen zuträfen und nicht seine Gutgläubigkeit ausnutzten, um Klars Anliegen zu fördern. Er betonte, welche Bedeutung die Täterfrage für die Angehörigen habe. Dabei gehe es nicht um die strafrechtliche Definition, ob Klar an der Planung oder indirekt an der Tat selbst beteiligt gewesen sei, sondern darum, ob er einer der beiden Ausführenden auf dem Motorrad gewesen sei. „Im Zweifelsfall will ich zu seinen Gunsten annehmen, dass er keiner der Täter auf dem Motorrad war.“

Klar, Brigitte Mohnhaupt und Knut Folkerts waren als Mittäter des Mordes an Siegfried Buback verurteilt worden. Im Urteil des Oberlandesgerichts Stuttgart von 1985 steht, Klar sei am Attentat als Lenker oder Sozius des Motorrads, von dem aus die Schüsse abgegeben wurden, oder als Fahrer des Fluchtfahrzeugs beteiligt gewesen.

Klar ist wegen mehrfachen Mordes zu sechs Mal lebenslänglich plus 15 Jahren Haft verurteilt. Seine Mindestverbüßungsdauer wurde vom Oberlandesgericht Stuttgart auf 26 Jahre festgelegt. Demnach könnte er frühestens Anfang 2009 auf Bewährung auf freien Fuß kommen, sollte ihn Köhler nicht vorher begnadigen. Im März war das frühere Mitglied Brigitte Mohnhaupt nach 24 Jahren mit Zustimmung der Staatsanwaltschaft aus dem Gefängnis entlassen worden, nachdem ihre gerichtlich festgelegte Mindesthaftdauer abgelaufen war.

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