RAF-Terrorist
Christian Klar wieder in Freiheit

Das frühere RAF-Mitglied Christian Klar ist am Freitag nach 26 Jahren Haft vorzeitig aus dem Gefängnis entlassen worden. Das baden-württembergische Justizministerium teilte in Stuttgart mit, der 56-jährige Klar habe die Justizvollzugsanstalt Bruchsal bei Karlsruhe verlassen. Über seinen Aufenthaltsort wurden keine Angaben gemacht.

HB STUTTGART/KARLSRUHE. Das Oberlandesgericht Stuttgart hatte Ende November entscheiden, Klar zum 3. Januar auf Bewährung zu entlassen, nachdem der mehrfache Mörder die Mindesthaftdauer von 26 Jahren verbüßt habe. Die Anrechnung von sogenannten Freistellungstagen als Ausgleich für geleistete Arbeit während der Haft habe die Vorverlegung des Entlassungszeitpunkts ermöglicht, begründete das Ministerium die Freilassung am Freitag. Klar war ein führendes Mitglied der Zweiten Generation der linksextremistischen RAF.

Er war wegen Beteiligung an den Morden an Generalbundesanwalt Siegfried Buback, dem Bankier Jürgen Ponto und Arbeitgeberpräsident Hanns-Martin Schleyer 1977 zu fünfmal lebenslanger Haft verurteilt worden. Die Bewährungszeit für Klar läuft fünf Jahre. Bundespräsident Horst Köhler hatte im Mai 2007 eine Begnadigung Klars abgelehnt.

Im "Deutschen Herbst" vor gut 30 Jahren gehörte er zu den zentralen Figuren der zweiten RAF-Generation: Christian Klar war zwischen 1977 und seiner Verhaftung im November 1982 an fast allen Aktionen der Roten Armee Fraktion (RAF) beteiligt - meist an vorderster Front.

Den ersten Schritt zur Radikalisierung unternahm Klar, der 1952 in Freiburg geboren wurde, 1974 mit der Besetzung des Büros von Amnesty International in Hamburg. Am 5. Januar 1977 schoss er am Schweizer Grenzübergang Riehen zum ersten Mal auf einen Polizisten. Er verfehlte ihn, doch damit hatte er sich in die erste Reihe der RAF katapultiert.

Es folgten die spektakulären Mordanschläge auf Generalbundesanwalt Siegfried Buback und Dresdner-Bank-Chef Jürgen Ponto sowie die Entführung und Ermordung von Arbeitgeberpräsident Hanns Martin Schleyer. Klar war immer dabei, ebenso wie beim fehlgeschlagenen Attentat mit einem Raketenwerfer auf die Bundesanwaltschaft.

Seinen gescheiterten Antrag auf Wehrdienstverweigerung hatte Klar einst mit seiner "zutiefst lebensbejahenden Haltung" begründet - doch mit der Waffe war er skrupellos. Bei einem Banküberfall in Zürich im Jahr 1979 zerrte er auf der Flucht eine hilflose Frau aus dem Auto und schoss ihr in die Brust. Sie überlebte mit viel Glück.

1985 verhängte das Oberlandesgericht (OLG) Stuttgart eine lebenslange Haftstrafe, unter anderem wegen neunfachen Mordes. 1992 folgte eine weitere Verurteilung. 1998 legte das OLG die Mindesthaftzeit auf 26 Jahre fest - wegen "besonderer Schwere der Schuld".

Klars Äußerungen aus dem badischen Gefängnis nahm die Öffentlichkeit irritiert, mitunter auch empört zur Kenntnis. In einer Grußbotschaft an das linke Spektrum äußerte er Anfang 2007 die Hoffnung, "die Niederlage der Pläne des Kapitals zu vollenden". Schon 2001 hatte er in einem Fernseh-Interview gesagt, er wolle den "Aufbruch, den auch eben die RAF dargestellt hat", weitertragen. Reuegefühle, sagte er damals, seien im "politischen Raum, vor dem Hintergrund von unserem Kampf", keine Begriffe.

Bundespräsident Horst Köhler lehnte Klars Gnadengesuch 2007 ab. Andererseits gilt der 56-jährige frühere Terrorist heute nicht mehr als gefährlich. Das bescheinigten ihm zwei Gutachter und selbst die Bundesanwaltschaft. Klar selbst hatte 1997, ein Jahr vor der Auflösungserklärung der RAF, geschrieben: "An die Wiederbelebung einer Strategie des bewaffneten Kampfes denke ich nicht."

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