Rafael Seligmann
„Deutschland wird dir gefallen“

Rafael Seligmann hält dem Land den Spiegel vor. In seiner Autobiografie verknüpft der Publizist zuweilen persönliche und Zeitgeschichte. "Deutschland wird dir gefallen" ist ein lehrreiches Buch über Zeitgeschichte, Rollen und Identität.
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BERLIN. Der Publizist Rafael Seligmann hat mit 63 Jahren seine Autobiografie mit dem Titel "Deutschland wird dir gefallen" geschrieben. Der Titel ist ein Zitat des Vaters, der den Jungen Rafael 1957 von der Auswanderung von Israel nach Deutschland überzeugen will.

Wir lernen mit dem speziellen Blick des deutschen Juden Seligmann so einiges über unser Land. Hat das damit zu tun, dass er Jude ist? Die Antwort: auch.

Seligmann lässt nie einen Zweifel daran, dass seine jüdische Identität für ihn wichtig ist. Wäre es aber anders, und er wäre gern einfach nur ein Deutscher, der zufällig Jude ist - die Umwelt hätte ihm seine Identität aufgezwungen. Auch das lernen wir durch das Buch. Was der Neuankömmling Seligmann in der jungen Bundesrepublik erlebt, ist keineswegs dazu angetan, Nachkriegsdeutschland liebenswert zu finden.

Eine bezeichnende Episode: Da ist der Mit-Lehrling - Seligmann begann zunächst eine Ausbildung zum Fernsehtechniker -, der während des Sechstagekrieges 1967 dem Autor zuruft: "Jetzt rotten sie endlich die Juden aus."

Aus dem Sieg der Israelis zieht der in dieser Lage persönliche Ermutigung: "Ich begriff, dass dieses abwägende Einerseits-andererseits typisch für das unterdrückte Auslandsjudentum war. Die Israelis scherten sich nicht um das Andererseits. Sie handelten bei Gefahr. Das imponierte mir." Anschließend schlägt er dem antisemitischen Kollegen ins Gesicht. Sein persönlicher Sechstagekrieg sozusagen. Oder vielleicht eher: Seligmanns Bern 1954.

So ähnlich verknüpft er zuweilen persönliche und Zeitgeschichte: Das Buch ist eine Mischung aus Autobiografie und Zeitkommentar. Die Episoden aus seinem Leben verknüpft Seligmann jeweils mit politischen Kurzreferaten. Wir lernen unter anderem dabei, dass Moshe Dayan überschätzt war. Dass Ariel Sharon brillant und Shimon Peres als ewig scheiternder Politiker tragisch war. Seligmanns Ausführungen sind nicht immer uneitel, und manchmal sehen wir bestätigt, was wir sowieso schon zu wissen glaubten. Anderes ist neu und interessant, etwa die Bewertung Dayans.

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