Kaum ein Minister hat die ersten 100 Tage der schwarz-gelben Bundesregierung so unbeschadet überstanden wie Rainer Brüderle. Der Wirtschaftsminister reist, redet und rackert - und freut sich seines Amtes. Viel mehr bleibt dem FDP-Mann auch gar nicht übrig.
Rainer Brüderle: Regieren kann so schön sein
"Ich kenne die Welt hinter der Theke, nicht nur die an der Theke", sagt Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle. Quelle: dpa
PEKING/BERLIN. Schon die Gästeliste war ein Affront gegenüber dem Kollegen. Commerzbank
-Boss Martin Blessing, RWE
-Lenker Jürgen Großmann, BASF
-Chef Jürgen Hambrecht, Metro
-Vormann Eckhard Cordes: Sie und noch ein Dutzend weiterer Topmanager empfing der Herr Minister am vergangenen Samstag in Davos im Grandhotel Belvedere zum Frühstück. Man parlierte zwei Stunden lang, dann schüttelten die Konzernlenker dem Gastgeber die Hand. Bis zum nächsten Mal.
Nein, der Gastgeber hieß nicht Rainer Brüderle, Wirtschaftsminister, sondern Karl-Theodor zu Guttenberg, Verteidigungsminister. Der hatte den Toptermin am Rande des Weltwirtschaftsforums anberaumt, ohne den liberalen Kabinettskollegen als politischen Ansprechpartner Nummer eins für Blessing, Cordes & Co. dazuzubitten.
Ein bisschen beleidigt mag Rainer Brüderle darüber schon gewesen sein. Aber eigentlich muss er sich über solche Nickeligkeiten nicht lange grämen.
Denn die Lage im Regierungs- Berlin ist derzeit wie folgt: Zu Guttenberg verstrickt sich im Scharmützel über das Kundus-Bombardement. Vizekanzler Guido Westerwelle verzehrt sich zwischen Innen- und Außenpolitik. Finanzminister Wolfgang Schäuble verhebt sich beim Schuldenabbauen. Umweltminister Norbert Röttgen laboriert noch am Kopenhagen-Klima-Kollaps, und Gesundheitsminister Philipp Rösler kokettiert gar schon mit Rücktritt.
Nur einer am Kabinettstisch genießt sein Amt nach 100 Tagen Schwarz-Gelb sichtlich und nutzt jede Gelegenheit, seinen pfälzischen Charme in die wirtschaftspolitische Waagschale zu wuchten: Rainer Brüderle. Das genügt derzeit schon, um im Kabinett von Kanzlerin Angela Merkel als kleine Lichtgestalt zu scheinen.
Brüderle weiß, die Möglichkeiten seines neuen Amts sind begrenzt. "Wirtschaft findet in der Wirtschaft statt", hat einer seiner Vorgänger mal - fast defätistisch - gesagt. Wozu also ein Wirtschaftsminister? Da kann ein Ressortchef nur mit persönlicher Präsenz punkten. Und das gelingt dem FDP-Mann bisher besser, als viele erwartet hatten.
Wer erfahren will, wie Deutschlands Wirtschaft auf den neuen Mann reagiert, muss nach China reisen. In Peking, am Ziel von Brüderles erster Auslandsreise, finden sich erste Antworten. Es ist ein Flug, auf den Rainer Brüderle elf Jahre gewartet hat. So lange hat er dafür gearbeitet, Bundesminister zu werden. Wirtschaftsminister. Dafür hat er einen bombensicheren Job in Rheinland-Pfalz aufgegeben, zuletzt an der Seite Kurt Becks (SPD), des Dauerministerpräsidenten. Dafür ist er auf die Oppositionsbank im Reichstag zu Berlin gewechselt.
Kommentare (2)
Die grosse Enttäuschung ist die FDP. Allen Voran Wirtschaftsminister BRÜDERLE. Dem sind die Schuhe seiner Vorgänger Ludwig Erhard und Graf Lambsdorf ganze 5 Nummern zu groß. Wein-Bäuerlein aus der Pfalz. Ein ehrenwerter Beruf. Das würde zu ihm passen. BRÜDERLE ist politisch eine Niete. Er hat das Temperament einer eingeschlafenen Schildkröte. Mich überkommt fast Mitleid, wenn ich diesen getriebenen Tollpatsch im politischen Porzellanladen beobachte. Diese trübe Funzel hat in der politischen Landschaft genau wie WESTERWELLE nichts zu suchen. ARMES Deutschland.
Was ist denn das für eine distanzlose Jubelberichterstattung im Handelsblatt?
Rainer Brüderles Versuche in der englischen Sprache sind mindestens so kläglich wie die von Öttinger + Westerwelle. Sein politischer Habitus ist aus dem letzten Jahrhundert und die Liste seiner ordnungspoltischen Blödheiten ist ziemlich lang. Besipiel gefällig: seine Forderung nach Entschädigung der Telekomaktionäre durch die Bundesrepublik.
Er ist doch wohl eher "Mister Mittelmaß" und ein Unordnungspolitiker obendrein - und das auf dem Sessel des Wirtschaftsministers. Ein schwacher Provinzpolitiker mit dem Charisma des Musikantenstadls.