Rationierungen im Gesundheitssystem
Verbraucherschützer schließen sich Kritik der Ärzte an

Ärzte und Verbraucherschützer haben eine Rationierung im Gesundheitssystem scharf kritisiert. Mediziner dürften Patienten nicht ablehnen oder teure Behandlungen verweigern. Bei der umstrittenen Forderung nach einer Rangfolge für Behandlungen schloss sich ein Sozialmediziner dem Ärztepräsident Jörg-Dietrich Hoppe an.

HB BREMEN. „Dem Verhalten fehlt jede ethische und rechtliche Legitimation“, betonte der Lübecker Sozialmediziner, Prof. Heiner Raspe, am Samstag auf dem Kirchentag in Bremen bei einer Podiumsdiskussion zur „Medizin bei knappen Kassen“. „Rationierung ist mit dem Solidaritätssystem der gesetzlichen Krankenkassen nicht vereinbar“, sagte Stefan Etgeton von der Bundesverbraucherzentrale. Statt die Leistungen zu kappen, müssten erst Überkapazitäten abgebaut und die Verschwendung im Gesundheitssystem gestoppt werden.

„Ökonomisch motivierte Entscheidungen müssen sein“, erläuterte die Berliner Ärztin Jeanne Nicklas-Faust, die eine Studie zur Sicht der Mediziner erstellt hat. Ärzte, die jedoch Patienten aus Kostengründen nicht behandeln wollten, „haben das System nicht verstanden.“ Die Durchschnittsentgelte seien nur ein Richtwert und sollten nicht die exakten Kosten einer Therapie decken. Wenn die Behandlung eines Patienten besonders teuer sei, könnte ein Arzt das dadurch ausgleichen, indem er danach mehrere kostengünstigere Patienten annehme. „Ein Kassenarzt hat sozialrechtlich keinen Anspruch auf die Vergütung jeder Leistung, sondern nur auf einen Anteil aus den bei der Kassenärztlichen Vereinigung enthaltenen Mittel“, ergänzte Raspe.

Der Sozialmediziner unterstützte die viel kritisierte Forderung von Ärztepräsident Jörg-Dietrich Hoppe, Rangfolgen für Behandlungen festzulegen. In Schweden zeige sich, dass das durchaus erfolgreich sein könne. Obwohl das Land viel weniger Geld als Deutschland in das Gesundheitssystem pumpe, sei die Bevölkerung dort gesünder. Etgeton sprach dagegen von einer „Angstdebatte“. „Die Ärzte drohen: „Wenn ihr das nicht einführt, brauchen wir mehr Geld im System“ - das ist eine Scheindebatte.“ Der Staatssekretär im Gesundheitsministerium, Klaus Theo Schröder (SPD), lehnte eine Prioritätenliste ab, weil sie davon ablenke, das Gesundheitssystem effizienter zu gestalten.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%