Ratsvorsitzende Käßmann
Evangelische Kirche für Afghanistan-Abzug

"Es gibt keinen gerechten Krieg" - mit diesen markanten Worten hat sich die Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche, Margot Käßmann, zum Feldzug in Afghanistan geäußert. Die Bischöfin bemängelt vor allem, dass nicht nach einer zivilen Lösung gesucht werde und die Rüstungsindustrie auch noch daran verdiene.
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HB FRANKFURT. Die Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche (EKD), Margot Käßmann, hat sich anlässlich des Weihnachtsfestes für einen schnellen Abzug der Bundeswehr-Soldaten aus Afghanistan ausgesprochen. "Es gibt keinen gerechten Krieg", sagte die Bischöfin der "Berliner Zeitung" und erinnerte an die Friedensbotschaft der christlichen Kirchen.

Aus christlicher Sicht seien die Geschehnisse in Afghanistan in keiner Weise zu rechtfertigen. "Es kann nur darum gehen, zu fragen, wie wir einen geordneten Rückzug antreten und wie eine zivile Lösungsstrategie gefunden werden kann." Diese Strategie werde aber bislang nicht gesucht, kritisierte die Bischöfin. Deutschland stelle nicht nur das drittgrößte Kontingent der Streitkräfte in Afghanistan, sondern sei auch der drittgrößte Rüstungsexporteur. "Wir verdienen auch noch an den Kriegen, die wir dann beklagen."

Krieg setze ein Gewaltpotenzial frei, für das es keine Rechtfertigung gebe. Er zerstöre alle, die an ihm beteiligt seien. Die EKD-Ratsvorsitzende verwies auf die seelischen Erschütterungen von Soldaten, die mit den Erinnerungen an ihren Einsatz in Afghanistan nicht fertig würden. "Es ist gut, dass es zu diesen Weihnachten ein verstärktes Bewusstsein dafür gibt."

In der "Hannoverschen Allgemeinen Zeitung" lehnte Käßmann einen Abzug der Militärseelsorger aber ab, da die Geistlichen wichtige Seelsorger der Soldaten blieben. "Hier wird kein Krieg abgesegnet, sondern werden Menschen begleitet." Es sei aber zum Verzweifeln, dass in der Afghanistan-Auseinandersetzung das Militärische den Vorrang bekommen habe. So müsse der Waffen- und Drogenhandel, der den Terror finanziere, unterbrochen werden. Auch mit den Taliban müsse man Gespräche wagen.

Kommentare zu " Ratsvorsitzende Käßmann: Evangelische Kirche für Afghanistan-Abzug"

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  • Sehr geehrte Frau Käßmann,
    wenn die berichte in den Zeitungen stimmen ("Hamburger Abendblatt", "Die Welt", "Der Tagesspiegel")
    - befürwortet bischöfin Maria Jepsen die Rufe eines Muezzins vom Minarett einer Moschee in Hamburg,
    - haben Sie sich vom deutschen Einsatz in Afghanistan in scharfer Form distanziert.

    Sollte das zutreffen, erwäge ich (obwohl treuer bewunderer Martin Luthers), aus der Evangelischen Kirche auszutreten, weil ich mich von der Kirche nicht mehr repräsentiert fühle.
    in meiner Familie und im Freundeskreis, protestantisch geprägt, haben wir über die Äußerungen von ihnen und Frau Jepsen ausführlich diskutiert und diese einhellig verurteilt.
    Frau Jepsen entwickelt einen völlig inädquaten Toleranzgedanken. Denn wo gibt es im moslemischen Glaubensbereich evangelische Kirchen?
    Und Sie fallen den deutschen Soldaten, die im Auftrag des Deutschen bundestages in Afghanistan eingesetzt sind und ihr Leben riskieren, in den Rücken.

  • Sehr geehrte Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche Frau Käßmann, in den letzten Tagen waren sie sehr aktiv, sie machten sich Gedanken zum Kündigungsschutz, heute nun kreisen ihre Gedanken um den Krieg in Afghanistan. ich habe aber von ihnen noch kein Wort über Weihnachten, die Geburt Christi von ihnen vernommen. So kurz nach ihrer Wahl, sollte man sich doch erst einmal in das neue Amt ein wenig einarbeiten, oder nicht? bevor man zu allem und jedem seine Meinung kundtut. Keine Antwort auf ihre Kollegin, der es nichts ausmacht wenn der Muezzin vom Minarett zum Gebet ruft in unserem Land, zu diesem heißen Eisen mochte ich eine Antwort von ihnen, leider habe ich bis jetzt darüber von ihnen nichts gelesen. ich bitte Sie sich etwas zurück zu nehmen.

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