Rau ruft zum Widerstand gegen Rechtsextremismus auf
Grundsteinlegung für Münchner Synagoge

65 Jahre nachdem in Deutschland die Synagogen brannten, ist in München der Grundstein für eine neue Synagoge und ein jüdisches Gemeindehaus gelegt worden. An dem Festakt nahm auch Bundespräsident Rau teil.

HB BERLIN. In München ist am Sonntag der Grundstein für eine neue Synagoge und ein jüdisches Zentrum gelegt worden. An dem feierlichen Festakt mit mehr als 600 Gästen nahmen unter anderem Bundespräsident Johannes Rau, der Präsident des Zentralrats der Juden, Paul Spiegel, und der bayerische Ministerpräsidenten Edmund Stoiber teil.

Rau rief in seiner Rede zum Widerstand gegen rechtsextreme Umtriebe auf. Jeder Bürger müsse sicher sein vor «Diskriminierung und Gewalt», sagte Rau. Angriffe auf jüdische Einrichtungen seien Angriffe auf die Gesellschaft. Der Bundespräsident fügte hinzu, es gebe geschichtliche Daten, die wie eine Last auf einem lägen. Dazu gehöre zweifelsohne der 9. November 1938, an dem in ganz Deutschland Synagogen sowie jüdische Geschäfte und Einrichtungen zerstört wurden. So etwas dürfe nie wieder passieren, sagte Rau. Mit Blick auf die Antisemitismus-Affäre um den CDU-Bundestagsabgeordneten Martin Hohmann fügte er hinzu, auch «Relativierung und Geschichtsklitterung» dürfe es nicht geben.

Stoiber erinnerte in seiner Ansprache daran, dass es früher in vielen Stadtzentren Synagogen gegeben habe und diese das Bild der Städte mitgeprägt hätten. Deswegen sei es gut, dass die neue Synagoge im Zentrum von München gebaut werde, so der bayerische Ministerpräsident.

Spiegel kritisierte, dass in Deutschland zu gleichgültig mit rechtsextremen Straftaten umgegangen werde. Auch er griff die Hohmann-Debatte auf. Es sei unerträglich, dass jemand wie Hohmann im Bundestag sitze und dort abstimmen könne, sagte der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland. Hohmann hatte die Juden mit dem Begriff „Tätervolk“ in Zusammenhang gebracht.

Der Festakt fand unter schärfsten Sicherheitsvorkehrungen statt, die Münchner Innenstadt wurde weiträumig abgesperrt. Im September war bekannt geworden, dass Neonazis einen Anschlag auf die Baustelle oder die Feierlichkeiten planten. Seither wurden mehrere Neonazis festgenommen, Generalbundesanwalt Kay Nehm kündigte an, er werde Anklage gegen die Gruppe erheben.

In den kommenden vier Jahren soll am Jakobsplatz in der Münchner Stadtmitte die Synagoge neu errichtet werden. Vorgesehen sind außerdem ein Gemeinde- und ein Kulturzentrum sowie ein jüdisches Museum. Der Bauplatz liegt nur wenige hundert Meter vom Standort der 1887 erbauten Hauptsynagoge entfernt, die im Juni 1938 auf persönliche Veranlassung Adolf Hitlers abgerissen worden war. Die Münchner jüdische Gemeinde ist mit über 9000 Mitgliedern die zweitgrößte in Deutschland.

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