0 Bewertungen
23.02.2007 
Nichtraucherschutz

Raucher müssen vor die Kneipentür

Pech für Raucher, Aufatmen bei den Tabak-Verschmähern: Nach langem Hin und Her haben sich die Gesundheitsminister von Bund und Ländern auf ein generelles Rauchverbot in der Gastronomie geeinigt. Qualmen in der Kneipe soll nur noch in separaten Räumen oder vor der Tür erlaubt sein. Einige Länder behalten sich allerdings Ausnahmeregelungen vor.

Lupe

HB HANNOVER. Raucher müssen sich nun auch in Deutschland auf wesentliche Einschränkungen einstellen: Die Länder haben ein generelles Rauchverbot in der Gastronomie beschlossen. Das gab der CSU-Politiker Werner Schnappauf am Rande des Nichtrauchergipfels in Hannover bekannt. Wirte sollen allerdings einen abgetrennten Raucherraum ausweisen können.

Zudem haben sich Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen Ausnahmeregelungen vorbehalten, hieß es. Diese Länder wollen prüfen, ob Gastwirte ihre Gaststätten auch zu Raucherlokalen erklären können, sagte Niedersachsens Ministerpräsident Christian Wulff (CDU).

Die Vorsitzende der Bund-Länder-Arbeitsgruppe, Mechthild Ross-Luttmann, erklärte, dass es darüber hinaus auch Rauchverbote in öffentlichen Gebäuden, Theatern, Kinos, Museen, in Bildungs- und Freizeiteinrichtungen für Kinder und Jugendliche sowie in Verwaltungsgebäuden von Ländern und Kommunen geben solle. Für Discotheken streben die Länder ebenfalls ein Verbot an. Die Gesundheitsminister von Bund und Ländern wollen die Vorschläge nun den Ministerpräsidenten vorlegen. Über die Umsetzung entscheiden die Länderchefs auf ihrer Konferenz am 22. März.

Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD) begrüßte die gemeinsame Linie der 16 Länder. „Ich glaube, dass der Gesundheitsschutz damit einen entscheidenden Schritt nach vorne macht“, sagte Schmidt.

Bundesverbraucherschutzminister Horst Seehofer hatte bereits vor dem Gipfel erklärt, die Zeit freiwilliger Lösungen in der Gastronomie sei vorbei, da sie nicht zum gewünschten Ziel geführt hätten. „Es gibt keinen gefährlicheren Schadstoff als den Tabakrauch in Innenräumen“, sagte der CSU-Politiker. Nichtraucher müssten daher in öffentlichen Räumen geschützt werden. Seehofer kündigte an, die Bundesregierung werde ihren Entwurf für ein eigenes Nichtraucherschutzgesetz nächste Woche im Kabinett verabschieden.

1000 Euro Strafe

Ein Verstoß gegen das geplante Rauchverbot in Bundesbehörden und öffentlichen Verkehrsmitteln soll mit bis zu 1000 Euro Bußgeld bestraft werden. Nach dem der Nachrichtenagentur Reuters vorliegenden Entwurf für das Nichtraucherschutzgesetz würde eine Übertretung wie eine Ordnungswidrigkeit behandelt.

Die Vorsitzende der Gesundheitsministerkonferenz der Länder, Monika Stolz, sprach sich indes für eine höhere Altersgrenze beim Rauchen aus. „Ich würde es begrüßen, wenn der Bund sich dazu durchringt, hier die Grenze auf 18 Jahre zu erhöhen“, sagte die baden-württembergische CDU-Ministerin im Südwestrundfunk. Derzeit ist das Rauchen in der Öffentlichkeit mit Vollendung des 16. Lebensjahres gestattet.

Stolz nannte es sei ein großes Problem, dass das Einstiegsalter so niedrig sei, besonders bei Mädchen. Nach den Erfahrungen von Eltern und Lehrern beginnen viele Jugendliche bereits im Alter von 14 Jahren oder jünger mit dem Rauchen. Von dem Nichtrauchergipfel der Gesundheitsminister von Bund und Ländern erwartet Stolz zumindest eine grundsätzliche Einigung.

Nach dem Drogenbericht der Bundesregierung von 2006 gibt es in Deutschland 16,7 Millionen Raucher. Der Anteil an Rauchern an der Gesamtbevölkerung ging von 29,8 Prozent (2005) auf 28,7 Prozent (2006) zurück.

Artikel bewerten:
  • 1 Stern
  • 2 Sterne
  • 3 Sterne
  • 4 Sterne
  • 5 Sterne

Beiträge zum Thema

Anzeige

Weitere Beiträge aus dem Ressort

Anzeige

weiterBildergalerien

zurück
  • Wie die CDU die Krise beenden will

    Wie die CDU die Krise beenden will

    Mit ihrer „Erfurter Erklärung“ und einem Zehn-Punkte-Programm will die CDU die Wirtschaftskrise in den Griff bekommen. Die Pläne dürften auch in den bevorstenden Wahlkämpfen eine große Rolle spielen. Damit soll die Wirtschaftskompetenz der Christdemokraten herausgestel...Bildergalerie 

  • Warum Erdgas so wichtig für uns ist

    Warum Erdgas so wichtig für uns ist

    Der Gasstreit zwischen Russland und der Ukraine hat Europa einmal mehr schmerzhaft seine Abhängigkeit von dem unberechenbaren Energiepartner im Osten gezeigt. Fragen und Antworten rund ums Erdgas.Bildergalerie 

  • Wachstumsprognosen: Wer was für 2009 ...

    Wachstumsprognosen: Wer was für 2009 orakelt

    Die deutsche Wirtschaft wird im kommenden Jahr nach Einschätzung von Konjunkturexperten schrumpfen. Unklar sind Ausmaß und Dauer der Rezession. Wirtschaftsinstitute, internationale Organisationen und Banken überbieten sich fast täglich mit düsteren Konjunkturprognosen ...Bildergalerie 

vor

 

 

Handelsblatt Experten + Meinungen

Handelsblatt-Kommentar

Der Exportweltmeister ist angezählt  Artikel in Merkliste

08.01.2009 von Thomas Hanke

Die Schwäche der Weltwirtschaft zeigt, wie verletzlich Deutschland durch seine hohen Exportüberschüsse ist. Jetzt steht unser Wachstumsmodell in Frage. Kommentar

Handelsblatt-Kommentar

Moderator EU  Artikel in Merkliste

08.01.2009 von Matthias Brüggmann

Brüssel sollte im Gasstreit moderierend helfen, langfristige Lieferverträge mit fairen Preisen für beide Seiten auszuhandeln. Kommentar