Rauchverbot in NRW
Orangenduft statt Zigarettenqualm

Eckkneipe ohne Zigarettenqualm: Geht das? Es muss, zumindest in Nordrhein-Westfalen: Das Bundesland verschärft die Regeln für den Nichtraucherschutz. So streng ist sonst nur noch Bayern.
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DüsseldorfDie Zigarette gehört in der Düsseldorfer Kneipe „Dä Spiegel“ einfach dazu. Ab dem 1. Mai ist damit aber Schluss – dann tritt in Nordrhein-Westfalen ein landesweites Rauchverbot in Kraft. „Dä Spiegel“-Betreiber Peter Klinkhammer hat als Ersatz ein Beduftungsgerät installiert. Ab Mittwoch riecht es in seiner Gaststätte nach Orange.

Dem Verbot sieht Klinkhammer gelassen entgegen. Zwar werde ihn die Regelung bestimmt Umsatz kosten, ist sich der 56-Jährige sicher. „Zum Wohlfühlen gehört für viele nun einmal der Griff zur Zigarette“, sagt er. Aber schon nach wenigen Monaten würden selbst die hartnäckigsten Raucher zurückkehren. „Wir müssen die Leute erst einmal erziehen.“

Das neue Nichtraucherschutzgesetz verbietet Zigaretten, Wasserpfeifen (Shishas) und auch E-Zigaretten in allen Bars und Kneipen. Neben Bayern gibt es dann in NRW bundesweit die schärfsten Regeln. Auch bei Brauchtumsveranstaltungen wie Karneval und Schützenfesten wird der blaue Dunst vor die Tür verbannt. Nur bei privaten Feiern in geschlossener Gesellschaft in einem abgetrennten Raum ist Rauchen dann noch erlaubt. Wer gegen das Verbot verstößt, muss bis zu 2500 Euro Strafe zahlen.

Der Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga) sieht Kneipen wie „Dä Spiegel“ durch das absolute Rauchverbot akut gefährdet. 20 Prozent der kleinen Eckkneipen seien existenziell betroffen, sagt Dehoga-Sprecher Thorsten Hellwig. „Das bedeutet die Schließung von 3000 Betrieben“, rechnet er vor. Hellwig vergleicht das Konzept einer Kneipe mit einem dreibeinigen Barhocker: „Reden, Trinken und Rauchen“. Sobald ein Bein des Barhockers verschwinde, breche die Konstruktion in sich zusammen.

In dem Düsseldorfer Restaurant „Im Goldenen Kessel“ darf schon länger nicht geraucht werden. Zapfer Ralf Piotraschke findet das auch gut so. Selbst Raucher wollten nicht im Zigarettenqualm essen, weiß er. In Kneipen ohne Speisen gehöre der blaue Dunst aber einfach dazu, findet der 47-Jährige.

Für das strikte Rauchverbot im bevölkerungsreichsten Bundesland haben sich Ärzte und Gesundheitsverbände eingesetzt. Der Präsident der Ärztekammer Nordrhein, Rudolf Henke, sieht die neue Regelung nicht als Einschränkung, sondern als Schutz. Bisher hätten Angestellte von Raucherkneipen in einer giftigen Atmosphäre gearbeitet. „An keinem anderen Arbeitsplatz würde das toleriert“, ist Henke überzeugt.

Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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  • Merkwürdigerweise sind es dieselben Leute, die sich für Nichtraucherwschutz stark machen, die auch Snus und die e-Zigarette vom Markt fernhalten möchten, obwohl diese Produkte den besten Nichtraucherschutz überhaupt darstellen.

    Unterm Strich bleibt die Erkenntnis: diesen Leuten darf man nicht trauen.

  • Mein Wirt hat nun (seid dem 1.5.2013) ein Schild in und an seiner Kneipe angebracht, dass den Nichtrauchern die Nutzung der (Raucher)Terrasse untersagt. Ein Aufenthalt auf der Terrasse ist Ihnen aus Nichtraucherschutzrechtlichen Gründen nicht statthaft, da sie dort dem Passivrauchen ununterbrochen ausgesetzt wären. Innerhalb der Kneipe ist nun sehr saubere Luft die sie insbesondere auch an warmen und heissen Tagen wirkungsvoll vor den Rauchern schützt. Zuwiederhandlung werden leider mit Hausverbot geandet.

  • Irgendwann wird sich das Volk wieder erheben, wenn die "Volkserzieher" so weiter machen. Und das ist auch gut und richtig so, es ist sogar schon bitter nötig! Diese Unverschämtheit, die von großen Lobyisten angesteuert, durch die Politik durchgeboxt und von einigen Gutmenschen unterstützt wird, muss ein Ende haben. Bevor die ganze Freiheit der Bürger verloren geht. Lieber ein Ende mit Schrecken, als ein Schrecken ohne Ende.

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