Rauschgiftkonsum
Zahl der Drogentoten auf neuem Tiefstand

Seit fünf Jahren sinkt die Zahl der Drogentoten in Deutschland – ein Erfolg. Doch auf der anderen Seite steigt der Cannabis-Konsum bei Jugendlichen stetig an. Und in der Politik wird über den Sinn von Modellprojekten gestritten.

HB BERLIN. Die Zahl der Drogentoten ist im vergangenen Jahr auf den niedrigsten Wert seit 1989 gesunken. 1326 Menschen starben nach dem am Mittwoch in Berlin vorgelegten Drogen- und Suchtbericht der Bundesregierung an den Folgen ihres Rauschgiftkonsums. Dies waren 59 Personen oder vier Prozent weniger als 2004.

Seit dem Jahr 2000 sank die Zahl der Todesfälle durch Drogen zum fünften Mal in Folge. Die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Sabine Bätzing, sprach von einer erfreulichen Entwicklung. Auch die Zahl der polizeilich aufgefallenen Erstkonsumenten harter Drogen sei gesunken. Es bestehe jedoch kein Anlass zur Entwarnung.

Anlass zur Sorge gebe etwa der steigende Cannabis-Konsum bei Jugendlichen. Auch das Ausmaß der Tabak-, Alkohol- und Medikamentenabhängigkeit sowie die damit verbundenen gesundheitlichen und volkswirtschaftlichen Schäden seien immens. Auf Kritik bei der Union stieß die Forderung der SPD-Politikerin, an Schwerstabhängige künftig bundesweit Heroin auf Rezept auszugeben.

Als Grund für die rückläufige Zahl der Drogentoten nannte Bätzing den Ausbau von Beratungsangeboten für Opiatabhängige, aber auch Verbesserungen in der Ersatztherapie. Auch zukünftig müsse für eine zahlenmäßig begrenzte Zahl von Schwerstabhängigen unter engen Voraussetzungen eine Herointherapie angeboten werden.

Umstrittenes Modellprojekt

Ein Modellprojekt in sieben deutschen Städten habe gezeigt, dass die heroingestützte Behandlung für viele gesundheitlich und sozial stark verelendete Drogensüchtige ein „letzter Strohhalm“ sei. „Die heroingestützte Therapie dient dem Überleben der Schwerstabhängigen und ist ein wichtiger Mosaikstein in der Versorgung Opiatabhängiger“, sagte Bätzing. Zudem sinke die Beschaffungskriminalität. Es handele sich daher um eine ethische Verpflichtung. Das Modellprojekt gab es in Hamburg, Hannover, Köln, Bonn, Frankfurt, Karlsruhe und München.

Die gesundheitspolitische Sprecherin der Unions-Fraktion, Annette Widmann-Mauz, nannte es jedoch zu früh, schon jetzt Konsequenzen aus dem Projekt zu ziehen. Bisher seien nur für etwa zwei Dutzend der Fälle Verbesserungen belegt, sagte die CDU-Politikerin im Deutschlandradio Kultur. „Wir wollen in der Koalition ergebnisoffen darüber diskutieren.“

CDU-Gesundheitsexperte Jens Spahn bezeichnete es als Dammbruch, illegale Drogen „zu legalisieren und damit auch zu enttabuisieren“. Es sei problematisch, einerseits von chronisch Kranken und sozial Schwachen Zuzahlungen im Gesundheitswesen zu verlangen und andererseits für bestimmte Personengruppen Heroin auf Rezept in Aussicht zu stellen, sagte er der Nachrichtenagentur Reuters.

Erfolge bei jugendlichen Rauchern

Cannabis ist Bätzing zufolge weiterhin die am weitesten verbreitete illegale Droge in Deutschland und Europa. Über ein Viertel der Jugendlichen habe mindestens ein Mal Cannabis konsumiert. Das Einstiegsalter sei in den vergangenen Jahren stark gesunken und liege jetzt bei 16,4 Jahren. „Je früher die Jugendlichen zum Joint greifen, desto größer ist das Risiko, psychisch abhängig zu werden“, sagte sie.

Daher seien frühzeitig einsetzende Beratungs- und Hilfsangebote notwendig. Im Bereich der legalen Drogen sei von mehr als 110 000 tabak- und mehr als 40 000 alkoholbedingten Todesfällen pro Jahr auszugehen, sagte Bätzing. Zwischen 1,5 und 1,9 Millionen Menschen seien medikamentenabhängig.

Erfreulich sei, dass durch verschiedene Aufklärungskampagnen die Raucherquote bei den Zwölf- bis 17-Jährigen seit 2001 von 28 auf 20 Prozent gesunken sei. Eine entscheidende Lenkungsfunktion habe die Heraufsetzung der Tabaksteuer gezeigt. Die jüngste Erhöhungsstufe hätten einer Studie zufolge 6,1 Prozent der Befragten zum Anlass genommen, mit dem Rauchen aufzuhören. Bätzing bemängelte, dass ein Rauchverbot an Schulen noch nicht in allen Ländern umgesetzt wurde.

Der Gastronomie drohte sie gesetzliche Maßnahmen an, wenn nicht bis zum 1. März 2007 wie verabredet in 60 Prozent der Restaurants 40 Prozent der Plätze als rauchfrei ausgewiesen würden.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%