Razzien in Schleswig-Holstein und Niedersachsen
IS-Schläferzelle in Norddeutschland?

Nach der Festnahme von IS-Verdächtigen sehen die Ermittler „Bezüge zu den Pariser Anschlägen“: Die Syrer nutzten wahrscheinlich die gleiche Schlepperorganisation. De Maizière spricht von einer möglichen „Schläferzelle“.

BerlinDie drei wegen Terrorverdachts festgenommenen Syrer hatten nach bisherigen Ermittlungen „Bezüge zu den Pariser Anschlägen“ im November 2015. Das sagte Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) am Dienstag in Berlin. Es spreche alles dafür, dass dieselbe Schlepperorganisation, die bei den Attentätern von Paris aktiv gewesen sei, auch diese drei Festgenommenen nach Deutschland gebracht habe. Auch spreche alles dafür, dass die Reisedokumente aus der gleichen Werkstatt in der entsprechenden Region stammten.

Konkrete Anschlagspläne habe es nach derzeitigem Erkenntnisstand nicht gegeben. „Es könnte sich insoweit um eine Schläferzelle gehandelt haben“, die auf einen Auftrag der IS wartete, sagte der Minister. Die Ermittlungen würden mit Hochdruck festgesetzt. Die Sicherheitslage in Deutschland sei „unverändert ernst“, betonte de Maizière. Allen Hinweisen werde nachgegangen.

Die Ermittlungen dauerten über Monate an, sagte der Minister. Dabei seien die Personen in einem großem Umfang persönlich observiert worden. Zu keinem Zeitpunkt sei von den drei Syrern eine Gefahr ausgegangen, betonte der Bundesinnenminister. „Es musste nur der richtige Zeitpunkt ermittelt werden, damit auch ein Haftbefehl trägt.“

Am 13. November 2015 hatten Extremisten mit Verbindungen zur Terrormiliz Islamischer Staat in Paris die Konzerthalle „Bataclan“ und andere Ziele in der französischen Hauptstadt angegriffen. 130 Menschen starben damals.

De Maizière warnte davor, Flüchtlinge unter Generalverdacht zu stellen. Die meisten Hinweise auf mögliche IS-Sympathisanten hätten sich nicht bestätigt. Derzeit gebe es 60 Ermittlungsverfahren gegen Flüchtlinge. Angesichts der großen Zahl an Flüchtlingen sei das nicht viel.

Bei Razzien in Schleswig-Holstein und Niedersachsen waren am Dienstagmorgen drei Syrer wegen Terrorverdachts festgenommen worden. Die Bundesanwaltschaft wirft den Männern im Alter zwischen 17 und 26 Jahren vor, im Auftrag der Terrororganisation Islamischer Staat (IS) nach Deutschland gekommen zu sein, „um entweder einen bereits erhaltenen Auftrag auszuführen oder sich für weitere Instruktionen bereitzuhalten“.

Der Bundesanwaltschaft zufolge wurden fünf Objekte in Schleswig-Holstein und eines in Niedersachsen durchsucht. Wie die „Welt“ (Online) berichtete, handelt es sich neben Wohnungen um drei Flüchtlingsheime. Demnach schlugen Beamte von BKA und GSG9 im Morgengrauen zu. Sie beschlagnahmten Handys, Datenträger und Dokumente. Mehr als 200 Kräfte von Bundeskriminalamt (BKA), Bundespolizei und den Landespolizeien waren im Einsatz.

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