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Snowden warnt vor Datenmissbrauch

Auf Europas wichtigster Internet-Konferenz re:publica wird über Chancen und Risiken der digitalen Welt diskutiert. NSA-Enthüller Edward Snowden fordert mehr Schutz für die Privatsphäre.

Edward Snowden spricht auf re:publica in Berlin

BerlinZum Auftakt der zehnten Internet-Konferenz re:publica haben die Macher die Notwendigkeit eines offenen Internets unterstrichen. „Wir machen uns immer mehr abhängig von immer weniger Plattformen, die uns einseitig die Regeln vorgeben“, sagte Mitgründer Markus Beckedahl am Montag in Berlin mit Blick auf Netzwerke wie Facebook oder Twitter. Auch der Schutz der Privatsphäre sei in Gefahr, beklagte NSA-Enthüller Edward Snowden, der per Video zur re:publica zugeschaltet wurde.

Auf der Internet-Konferenz warnte Snowden vor einem Missbrauch der Daten durch Unternehmen und Regierungen. Zudem würde sich die Macht auf immer weniger Unternehmen konzentrieren. Quelle: dpa
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Auf der Internet-Konferenz warnte Snowden vor einem Missbrauch der Daten durch Unternehmen und Regierungen. Zudem würde sich die Macht auf immer weniger Unternehmen konzentrieren.

(Foto: dpa)

„Wenn man sagt, die Privatsphäre ist mir egal, ich habe nichts zu verbergen - dann ist das wie wenn man sagt, die Redefreiheit ist mir egal, ich habe nichts zu sagen“, sagte der 32-Jährige. Der Ex-Geheimdienstler warnte vor einem Missbrauch der Daten durch Unternehmen und Regierungen. Zudem würde sich die Macht auf immer weniger Unternehmen konzentrieren.

Ähnlich argumentierte der Mitveranstalter der Konferenz: „Seit der ersten re:publica reden wir über die Vorteile eine offenen Netzes. Aber dieses offene Netz ist bedroht“, sagte Beckedahl. So komme es zu einer zunehmenden Überwachung und Kontroll-Infrastruktur, „die wir zulassen“. Es gebe nicht mehr die Blogosphäre von früher, wo jeder sein eigenes Blog hatte und selbst die Regeln definierte.

Auf der 10. re:publica treffen sich bis einschließlich Mittwoch rund 8000 Blogger, YouTuber und Politiker, Künstler, Netzaktivisten und Intellektuelle. Mehr als 700 Redner stehen auf 17 Bühnen, darunter der US-Soziologe Richard Sennett und Szene-Größen wie Blogger Sascha Lobo.

Auch die Zukunft der Arbeit steht im Fokus der Konferenz. Zum Auftakt diskutierten am Montag Microsoft-Deutschland-Chefin Sabine Bendiek und Stefan Heumann von der Stiftung neue Verantwortung darüber, was es für die Arbeitswelt und die Beschäftigung bedeutet, wenn zunehmend intelligente Maschinen und Roboter die Arbeit übernehmen. Am Dienstag wird Arbeitsministerin Andrea Nahles (SPD) mit einem Beitrag zum Thema Industrie 4.0 erwartet.

Einen thematischen Schwerpunkt bildet in diesem Jahr die Virtuelle Realität (VR). Erstmals kooperiert die re:publica mit dem noch jungen Fachverband für Virtual REality, EDFVR. Zahlreiche Unternehmen stellen in diesem Rahmen ihre Lösungen vor. „Alle Welt ist unterwegs in dies neue Welt, in der es so unendlich viel zu entdecken gibt“, sage Andreas Gebhard, Mitgründer und Geschäftsführer der re:publica.

Das sind die zehn größten Datenschutzsünden
Digitale Sünder
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Jemand anderem die EC-Karten-Pin verraten, immer das selbe, einfallslose Passwort verwenden, das umstrittene Teilen von Kinderfotos über Facebook: Eine Forsa-Umfrage hat ermittelt, wie häufig welche Fahrlässigkeiten beim Datenschutz vorkommen. Dabei geben 27 Prozent an, ganz ohne Sünde zu sein. Die größte Gruppe stellen hier mit 43 Prozent die über 60-Jährigen – mit sinkendem Alter nimmt die Prozentzahl der Sündenlosen ab. Bei den 45- bis 59-Jährigen sind es noch 28 Prozent, dann folgen die 30- bis 44-Jährigen (18 Prozent) und von den 18- bis 29-Jährigen sind nur zehn Prozent ohne Sünde. Die Frauen (30 Prozent) stehen besser da als die Männer (24 Prozent). Doch wo wird am meisten gesündigt?

Quelle: Forsa-Studie „Die größten Sünden 2015 – Teil 5: Datensicherheit“ im Auftrag der Gothaer

Platz 10: Auf Spam-Mail antworten
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Aus Versehen auf die Mail von zwielichtigen Absendern, die auf krumme Geschäfte hoffen, geantwortet – das ist doch jedem schon einmal passiert, oder? Ein Prozent der Befragten haben auf eine Spam-Mail geantwortet – vor allem machen das Männer im Alter von 45 bis 59 Jahren oder über 60 Jahre.

Platz 9: Einen Flug auf einem unbekannten Portal buchen
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Die Seite sieht aus wie mit Paint gemalt und liest sich wie frisch von Google übersetzt, aber dafür kostet der Flug nach New York und zurück auf auch nur 200 Euro. Gut, vielleicht ein leicht überzogenes Beispiel. Dennoch: Drei Prozent der Befragten haben sich schon einmal durch günstige Preise dazu hinreißen lassen, einen Flug auf einem unbekannten Portal zu buchen. Vor allem bei den Unter-30-Jährigen sind derartige Seiten beliebt (acht Prozent).

Platz 8: E-Mail-Anhang von Unbekannten öffnen
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Vertrauen Sie keinen E-Mail-Anhängen von unbekannten Absendern. Denn öffnen Sie auch nur einen falschen Anhang, kann ihr Computer schon infiziert sein. Insgesamt fünf Prozent haben bereits diesen Fehler gemacht. „Dateianhang nicht öffnen“ lautet hier die Devise.

Platz 7: Anderen Personen die Pin verraten
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Auffällig ist, dass vor allem junge Menschen zwischen 18 und 29 Jahren besonders fahrlässig mit Daten umgehen. Den Pin-Code, für das Smartphone zum Beispiel, verraten 13 Prozent anderen Menschen (gesamt: sechs Prozent).

Platz 6: Virenscanner abbrechen
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Wenn man keine Anti-Virus-Software verwendet oder diese nicht regelmäßig aktualisiert, ist das System ungeschützt vor Hackern. Auch weil es oft zu schnell gehen soll: Zwölf Prozent der Jüngeren (18 bis 29 Jahre) haben schon einmal den Virenscan abgebrochen, weil er zum Beispiel ihren Computer verlangsamte (gesamt: sieben Prozent).

Platz 5: Kinderbilder in sozialen Netzwerken teilen
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Wenn Eltern unbekümmert Bilder ihrer Kinder in sozialen Netzwerken posten, kann das gefährlich werden. Zehn Prozent der Befragten scheinen sich dieser Gefahr nicht bewusst zu sein.

Ihren ersten Hype habe die Technologie bereits in den 90er Jahren erlebt, sagte „c't“-Redakteuer Jan-Keno Janssen. Die Technologie sei vor allem in der Spieleindustrie groß geworden. Doch die ersten Games habe niemand auch nur 15 Minuten durchgehalten, sagte Janssen. Dafür gebe es zahlreiche Einsatzgebiete etwa im Handel, in der Psychotherapie und im Journalismus - und nicht zuletzt in der Porno-Industrie. „Denkbar ist aber auch, dass in 20 Jahren niemand mehr Textnachrichten verschickt, sondern mit einem Avatar unterwegs ist.“

Die re:publica wurde 2007 von den Gründern der Blogs netzpolitik.org und Spreeblick ins Leben gerufen. Am Montag verkündeten die Veranstalter noch ein Novum: So werden die Konferenz in diesem Jahr erstmals ins Ausland expandieren. Am 20. Oktober soll es eine eintägige re:publica in Dublin geben.

  • dpa
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