Reaktion auf die Warnung von IG-Metall-Vize Huber
Gesamtmetall will weitere Tariföffnung

Im Streit um die Einführung gesetzlicher Öffnungsklauseln hat der Arbeitgeberverband Gesamtmetall die IG Metall eindringlich vor einem Kurswechsel in der Tarifpolitik gewarnt.

HB/dc BERLIN. „Die Tarifparteien bleiben nur zukunftsfähig, wenn sie verbindliche Normen und betriebsnahe Regelungen vernünftig miteinander verbinden, statt sich in den Schmollwinkel zurückzuziehen“, sagte Gesamtmetall-Präsident Martin Kannegiesser dem Handelsblatt. Er forderte die IG Metall auf, die mit dem Tarifabschluss von Pforzheim 2004 für die Metall- und Elektroindustrie vereinbarten neuen Optionen für die Betriebe auszubauen.

Kannegiesser reagierte damit auf eine Warnung von IG-Metall-Vize Berthold Huber. Dieser hatte mit einem Ausstieg der IG Metall aus dem Abschluss von Pforzheim gedroht, sollte eine neue Bundesregierung im Herbst eine neue gesetzliche Grundlage für betriebliche Vereinbarungen über Löhne und Arbeitszeiten schaffen (Handelsblatt vom 28. Juni). Da sich die tarifpolitische Auseinandersetzung in der Folge ohnehin auf die Betriebsebene verlagern werde, mache der bisherige Weg einer Anpassung des Flächentarifs an betriebliche Belange keinen Sinn mehr, so Huber.

Union und FDP haben angekündigt, einen neuen Rechtsrahmen für so genannte betriebliche Bündnisse zu schaffen. Damit könnten Betriebe und Belegschaften bei Lohn und Arbeitszeit unter Umständen auch gegen den Willen der Tarifparteien vom Flächentarif abweichen. Während die FDP dies generell zulassen will, sofern 75 Prozent der Belegschaft zustimmen, will die Union betriebliche Vereinbarungen an eine konkrete Beschäftigungszusage des Unternehmens knüpfen.

Kannegiesser unterstützt zwar den Ansatz, die rechtliche Basis für betriebsnahe Regelungen zu stärken. Allerdings sieht er darin keinen Widerspruch zum Flächentarifvertrag. In der betrieblichen Praxis werde es für tarifgebundene Unternehmen „immer ein Vorteil sein, wenn sie auf Lösungen zurückgreifen können, die an einen Tarifvertrag andocken“, betonte er. „Es muss daher unser Bestreben sein, unabhängig von gesetzlichen Regeln eigene tarifliche Instrumente zu entwickeln.“

Realistische Alternativen zu einer betriebsnäher ausgerichteten Tarifpolitik gibt es nach Kannegiessers Ansicht ohnehin nicht, da die Unternehmen im globalen Wettbewerb mehr Kalkulationssicherheit benötigten: „Die Unternehmen legen sich auf eine bestimmte Frist mit ihren Investitionen fest und garantieren Arbeitsplätze“, so Kannegiesser. „Im Gegenzug legen sich die Beschäftigten auf das für sie und ihren Betrieb zumutbare Lohn- und Leistungsniveau fest – sofern ein Abweichen von Tarifstandards für die besondere betriebliche Entwicklungsphase nötig ist.“

Seite 1:

Gesamtmetall will weitere Tariföffnung

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%