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Reaktion auf Jugendstudie: „Rechtsextremismus schadet Standort Deutschland“

exklusiv Die Ergebnisse eine großen Studie über deutsche Jugendliche sorgen für Diskussionen. Grund: Die Jugendgewalt sinkt zwar laut der Expertise des Kriminologischen Forschungsinstituts Niedersachsen –allerdings mit dem Befund eines hohen ausländerfeindlichen, rechtsextremistischen und antisemitischen Bodensatzes. Das könnte auch dem Standort Deutschland schaden, meint der Zentralrat der Juden.

Rechtsextremismus und Ausländerfeindlichkeit sind unter Jugendlichen weiter verbreitet ist als bisher angenommen. Quelle: dpa
Rechtsextremismus und Ausländerfeindlichkeit sind unter Jugendlichen weiter verbreitet ist als bisher angenommen. Quelle: dpa

dne DÜSSELDORF. Der Zentralrat der Juden in Deutschland zeigt sich alarmiert über die rechtsextreme Gesinnung vieler deutscher Jugendlicher und sieht darin auch eine Gefahr für das Image Deutschlands bei ausländischen Investoren. "Es bedeutet natürlich für den Wirtschaftsstandort Deutschland nicht gerade eine Stärkung, wenn diese Einstellung bekannt wird", sagte der Vizepräsident des Zentralrats, Dieter Graumann, am Mittwoch im Gespräch mit Handelsblatt.com mit Blick auf eine am Dienstag veröffentlichte Studie des Kriminologischen Forschungsinstituts Niedersachsen. "In der Konkurrenz der Wirtschaftsstandorte, die gerade heute immer härter wird, spielt die demokratische Zuverlässigkeit und die Offenheit Anderen gegenüber keine geringe Rolle", so Graumann.

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Gleichwohl warnte Graumann vor "blindwütigem Alarmismus". Auch wenn die Ergebnisse der Untersuchung "eklig und ernüchternd" seien, wäre es "allzu einfach, nun das übliche Empörungsritual abzurufen". Leider gebe es "kein Wundermittel und keinen Königsweg", um die Lage zu verbessern. "Es kann nur ein intelligenter, engagierter Mix aus vielen Einzelmaßnahmen sein, der weiterhilft", betonte der Zentralratsvize.

Graumann plädierte einerseits für "Prävention durch noch mehr Information" über das Thema Rechtsextremismus, andererseits forderte er deutlich mehr Engagement der Schulen gegen rechte Tendenzen. "Tatsache ist leider, dass in nicht wenigen Hauptschulen in Deutschland - und nicht nur an diesen - schon längst die Bezeichnung 'Du Jude' als herabwürdigendes Schimpfwort fast zum Standard gehört", klagte Graumann und mahnte: "Wir müssen die Herzen und Hirne der jungen Menschen vor rechtsradikalem Gift schützen und für die Freiheit gewinnen." Der Zentralratsvize appellierte überdies an die demokratischen Parteien, "niemals" zuzulassen, dass Neonazis ihnen den Rang ablaufen. "Dazu gehört auch, dass die Neonazis, die hier so beschämend erfolgreich sind, noch stärker und energischer als bisher an ihren Inszenierungen von Hass und Hetze gegenüber Anderen gehindert werden."

Das Kriminologische Forschungsinstitut Niedersachsen hatte am Dienstag eine Studie veröffentlicht, der zufolge Rechtsextremismus und Ausländerfeindlichkeit unter Jugendlichen weiter verbreitet ist als bisher angenommen. Demnach ist jeder siebte der 50.000 befragten 15 Jahre alten Schüler ausländerfeindlich. Gut fünf Prozent wurden als eindeutig rechtsextrem eingestuft.

Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble (CDU) hatte die Zahlen als "erschreckend" bezeichnet. Als Gegenmaßnahme gelte es, den gesellschaftlichen Zusammenhalt zu stärken, sagte er. Weiteres Ergebnis der Untersuchug ist, dass die Gewalt unter Jugendlichen insgesamt zurückgegangen ist. Drei Viertel der Befragten hatten demnach im vergangenen Jahr überhaupt keine Gewalt erlebt, erklärten die Autoren der Studie. Als Hauptursachen für Gewalttaten von Jugendlichen nannten sie soziale Ausgrenzung und prügelnde Eltern.

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