
BERLIN. Monatelang hatte das Verteidigungsministerium Berichte über die mangelhafte Ausrüstung der deutschen Soldaten in Afghanistan zurückgewiesen. Wochenlang hatte Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg den Wehrbeauftragten des Bundestags, Hellmut Königshaus, für seine aufrüttelnden Worte zum schlechten „Drama“ der Ausrüstung gescholten. Jetzt führt die anhaltende Kritik dazu, dass auch das Ministerium Handlungsbedarf erkennt.
Das lässt sich aus einem Schreiben von Rüstungsstaatssekretär Walther Otremba an die Vorsitzenden von Außen-, Verteidigungs- und Haushaltsausschuss ablesen. Das Verteidigungsministerium beschafft derzeit knapp 150 neue Waffenstationen, die Voraussetzung für den Einsatz von Granatwerfern auf Radpanzern wie dem „Dingo“ und dem „Fuchs“ sind. Bis Mitte 2011 will das Ministerium die Geräte nach Afghanistan schaffen.
Laut Otrembas Schreiben an die Parlamentarier werden zudem 65 Transportpanzer des Typs „Fuchs“ gegen die Bedrohung durch Minen und Sprengfallen aufgerüstet. 34 gepanzerte „Dingo“ werden mit schweren Maschinengewehren und Granatmaschinenwaffen bestückt – ab dem Jahr 2011.
Damit entspricht das Ministerium nach langem Zögern der bekannten Kritik der Truppe in Afghanistan. Außerdem hat Berlin 60 zusätzliche Radpanzer des Typs „Eagle IV“ bestellt, weitere 90 sollen im Laufe des Jahres 2011 beschafft werden. „Die Erfüllung des Auftrags der Bundeswehr setzt neben einer adäquaten Ausbildung eine sachgerechte und angemessene Ausrüstung voraus“, schreibt Otremba an die Politiker. Erkannte „Fähigkeitslücken“ müssten „kontinuierlich“ geschlossen werden.
Tatsächlich hat die immer gefährlicher werdende Lage in Afghanistan den Bedarf an adäquater Ausrüstung der deutschen Soldaten deutlich erhöht. Nach Einschätzung der Nato haben Deutschland und andere an dem Einsatz beteiligte Staaten den tatsächlichen Bedarf lange ignoriert. Die Nato geht davon aus, dass nur 70 Prozent des dringenden Bedarfs erfüllt wurden. „Die Brüsseler Beschlüsse werden von den Nationen nicht umgesetzt“, sagte ein hoher Nato-General dem Handelsblatt.
Laute Klagen insbesondere von Soldaten, die in Gefechte verwickelt waren, richten sich seit Monaten auch gegen die ungenügende Munitionierung der Truppe im Einsatz und in der Ausbildung. Die Munitionsknappheit bei der Schießausbildung will das Ministerium schleunigst beseitigen: 22 Millionen Schuss Munition für Sturmgewehre sollen Anfang 2011 geliefert werden, heißt es in Otrembas Schreiben. Darüber hinaus werden für den Einsatz am Hindukusch über 500 Scharfschützengewehre mit dem Kaliber 7,62 beschafft, das eine größere Durchschlagskraft hat. Die Lehmwände in Afghanistan hatten sich als unerwartet widerstandsfähig gegen Munition mit kleinerem Kaliber erwiesen.
Lieber spät als nie erkennen unsere Politiker in ihren warmen gemütlichen behausungen hier im friedlichen Deutschland, dass es unseren Soldaten im Einsatz wohl doch an "etwas" Sicherheit fehlt. Warum müssen erst Soldaten ihr leben verlieren, bis die Herren Politiker Entscheidungen treffen?
Ein Hoch auf Rüstungsstaatssektretär Walther Otremba, der endlich die Lage erkennt, in der sich UNSERE Soldaten schon seit langer Zeit befinden.
Grüße
HG a. D. (iSAF)
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