Reaktion auf Vorwürfe
Gauck fühlt sich ganz und gar nicht müde

Ist Bundespräsident Gauck überlastet? Ein Biograf meint schon. Mitarbeiter des Präsidialamtes sprechen ebenfalls von „Ermüdungserscheinungen“. Gauck nimmt es gelassen. Die Schuld trägt im Zweifelsfall sein Vorgänger.
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BerlinWarum er denn die neue Biografie so habe durchgehen lassen, wird Bundespräsident Joachim Gauck am Rande der Ausstellung „Gulag. Spuren und Zeugnisse 1929-1956“ gefragt. Gauck antwortet lächelnd: „Wir sind ein freies Land.“ Lese man die Biografie insgesamt, bekomme man ein anderes Bild, als wenn man sich nur auf ein Kapitel konzentriere.

„Der Spiegel“ zitiert in seiner neuen Ausgabe aus jener Biografie von Mario Frank. Danach halten enge Mitarbeiter den 73-jährigen Bundespräsidenten für überlastet. Eine Beraterin im Präsidialamt sprach von „Ermüdungserscheinungen“ bei Gauck. Der Präsident klage über zu viele Termin-Zusagen seiner Vorgänger, denen er Folge leisten müsse.

Gauck schien etwas gutgläubig zu meinen, in zahlreich gewährten Gesprächen die Meinung des Biografen ändern zu können. Im Präsidialamt heißt es nun, die Gespräche seien zu Beginn der Amtszeit vor fast anderthalb Jahren geführt worden. Heute ergebe sich ein anderes Bild.

In der Tat dürften die Reisen und Termine, die der vorzeitig aus dem Amt geschiedene Gauck-Vorgänger Christian Wulff nicht mehr abarbeiten konnte, zahlreich gewesen sein. Jede Reiseabsage aber hätte diplomatische Verstimmungen mit dem Reiseland nach sich gezogen. Von daher war Gauck in der Pflicht.

Zahlreiche Antrittsbesuche in den 16 Bundesländern seien zu absolvieren gewesen, sowie Antrittsbesuche bei den wichtigsten europäischen Nachbarländern, hieß es im Präsidialamt weiter. Eine solche Terminfülle ist wohl nicht ohne Stress abgegangen - zumal für einen, der kein Politprofi war und kaum Erfahrung in einer vergleichbaren, herausgehobenen politischen Funktion mitbrachte.

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  • Mir gefällt der Mann überhaupt nicht.
    Der redet alles immer nur "glatt".
    Die Probleme in Deutschland redet der immer klein.
    Der redet immer von Freiheit und Gerechtigkeit.
    Freiheit und Gerechtigkeit gibt es aber nur durch Ordnung, und die ist in Deutschland immer mehr abhanden gekommen.
    Toleranz und Solidarität muss auch abgewogen sein.

  • Das politische System in Deutschland muss endlich reformiert werden

    Es kann nicht mehr sein, dass fast 70 Jahre nach Kriegsende Politiker meinen, die Bevölkerung weiter als Pfand der Allierten zu behandeln. Das Gauck müde ist, kann man nachvollziehen ,irgendwann werden Geld ständiges Reisen und Händschütteln zur Last und stumpfen sich ab.

    Daher brauchen wir keinen teuren BP, der Außenminister kann diese Funktionen übernehmen. Wählen dürfen wir ja
    keinen BP direkt, dafür ist das Volk noch zu gefährlich.

    Seinen Beitrag als Chef der Gauckbehörde hat er vermutlich anständig erfüllt. Alle politischen Täter aus den Westen sind davon gekommen.

  • Deutschland hat eine "entartete Demokratie". Unsere Demokratie ist nur eine Fassade, dahinter ist alles Betrug und Lüge.

    Die in den 1930er Jahren Abstrakte oder Impressionistische Kunst als "entartet" zu bezeichnen war natürlich falsch, weil Kunst immer SUBJEKTIV ist im Auge des Betrachters. Jeder Mensch empfindet etwas anderes beim Betrachten.

    Demokratie aber ist immer OBJEKTIV zu beurteilen (messbare objektive Massstäbe), ob sie funktioniert und wirklich vorhanden ist. Von daher kann man das Wort benutzen ... stellen wir uns mal vor, Hitler hätte alle seine Rivalen "bescheuert" genannt, dann dürften wir nicht mehr das Wort "bescheuert" benutzen heute ?? Primitive und unfaire Diskussion bei Anne Will gegen Herrn Lucke. TYPISCH zwangsbezahltes GEZ-TV.

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