Reaktion
Deutschland verschärft Sicherheitskontrollen

Nach dem nach dem vereitelten Anschlagversuch auf ein US-Flugzeug hat Deutschland die Sicherheitskontrollen an Flughäfen verschärft. Die Sicherheitsbehörden halten die Bekennung von El Kaida zu dem Attentat für authentisch. Der Vorfall heizt die Debatte um Nacktscanner wieder heftig an.
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HB BERLIN/STUTTGART/AMSTERDAM. Über die verschärften Sicherheitskontrollen informierte eine Sprecherin von Bundesinnenminister Thomas de Maizière am Dienstag in Berlin. Aus Sicht der Gewerkschaft der Polizei sind die Sicherheitskontrollen an deutschen Flughäfen äußerst lückenhaft. "Es gibt eine besorgniserregend hohe Anzahl von Sicherheitslücken und Pannen", sagte der Gewerkschaftsvorsitzende Konrad Freiberg den "Stuttgarter Nachrichten" und fügte hinzu: "Bundespolizisten schleusen zu Testzwecken immer wieder Waffen oder Sprengstoffmaterial durch die Sicherheitskontrollen." Eine große Zahl von Waffen, die für Anschläge geeignet wären, bleibe dabei unentdeckt. Mitarbeiter der an Flughäfen eingesetzten privaten Sicherheitsdienste seien schlecht bezahlt und wenig motiviert.

Deshalb entgehe es ihnen immer wieder, wenn jemand geschickt versuche, Waffen durch die Kontrolle zu schmuggeln. Freiberg beklagte, dass es nicht gelinge, genügend Flugsicherheitsbegleiter - sogenannte Sky Marshalls - einzusetzen: "Es gibt Schwierigkeiten, genug ausgebildete Polizisten zu finden, die ständig herumreisen wollen. Die Ende 2001 festgelegte Sollstärke von 200 Flugsicherheitsbegleitern ist bis heute nicht erreicht."

Mit einem der umstrittenen "Nacktscanner" wäre der Detroit-Attentäter nach Ansicht niederländischer Experten vermutlich erwischt worden. Zumindest hätte es eine größere Chance gegeben, den am Körper des Mannes versteckten Sprengstoff zu entdecken, erklärte der Betriebsdirektor des Amsterdamer Airports Schiphol, Ad Rutten, nach Angaben der Zeitung "de Volkskrant" vom Dienstag. Allerdings würden auch die neuartigen Ganzkörperscanner keine hundertprozentige Sicherheitsgarantie bieten,

Auf Schiphol werden seit mehreren Monaten 16 "Nacktscanner" zu Testzwecken eingesetzt. Der Flugzeugbomber Umar Faruk Abdulmutallab, der am ersten Weihnachtstag von Amsterdam aus mit einem Airbus der US-Gesellschaft Delta/Northwest nach Detroit flog, wurde wie alle anderen Passagiere dieses Fluges mit einem herkömmlichen Metalldetektor kontrolliert. Sicherheitschecks mit Ganzkörperscannern werden nur in einigen Teilen des Amsterdamer Airports unternommen und nur dann, wenn Passagiere sich freiwillig dazu bereiterklären.

Insgesamt seien die Tests mit den neuen Scannern in Amsterdam erfolgreich, so dass Sicherheitsexperten sie gern standardmäßig für alle Passagiere einsetzen würden, erklärte der Betriebsdirektor. Dazu gibt es jedoch bislang keine Zustimmung der EU. Kritiker befürchten eine unzulässige Verletzung von Persönlichkeitsrechten, weil die Scanner den nackten Körper der kontrollierten Personen erkennen lassen.

Abdulmutallab trug nach Angaben von US-Medien 80 Gramm des hochexplosiven Plastiksprengstoffs PETN eingenäht in der Unterwäsche bei sich. Beim Landeanflug auf Detroit versuchte er, den Sprengstoff zu zünden, wurde aber von Passagieren und Crewmitgliedern überwältigt. Der Nigerianer war mit einer Maschine der niederländischen Gesellschaft KLM aus Lagos nach Amsterdam geflogen und im Transitbereich von Schiphol in die US-Maschine umgestiegen. Ob er beim Einchecken in Lagos den Vorschriften entsprechend kontrolliert wurde, ist nach Angaben aus niederländischen Sicherheitskreisen unklar.

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