Reaktionen auf Cameron: Exportwirtschaft offen für „geordneten“ Briten-Austritt

Reaktionen auf Cameron
Exportwirtschaft offen für „geordneten“ Briten-Austritt

Empörung, Bestürzung, Mahnungen: Der britische Premier hat mit seiner EU-Austrittsdrohung viel Wirbel ausgelöst. Auch die deutsche Wirtschaft reagiert verschnupft. Nur der Außenhandelsverband übt sich in Gelassenheit.

BerlinDie Wirtschaftsverbände in Deutschland blicken mit Sorge auf einen möglichen Austritt Großbritanniens aus der EU – mit einer Ausnahme. Der Präsident des Bundesverbandes Großhandel, Außenhandel, Dienstleistungen (BGA), Anton Börner, sieht einem solchen Schritt gelassen entgegen. „Alle sollten jetzt einen kühlen Kopf behalten“, sagte Börner Handelsblatt Online. Ein Verbleib Großbritanniens in der EU wäre ihm lieber. „Noch lieber wäre uns angesichts der globalen Maßstäbe und anstehenden Veränderungen sogar eine Vertiefung und damit endlich auch ein Ende der britischen Sonderrolle in der EU“, fügte er hinzu. Dazu biete der jetzige Vorstoß immerhin auch eine große Chance.

„Doch auch mit einem geordneten Rückzug könnte die deutsche Wirtschaft leben“, betonte Börner. „Der Preis, der dafür zu zahlen wäre, ist für Großbritannien viel höher.“ Das Land sei und bleibe aber so oder so ein wichtiger Handelspartner für Deutschland.

Auch wenn im Fall der Fälle der Londoner Finanzplatz außerhalb der EU wäre, hält Börner für verkraftbar. „Für die Finanzmärkte sehe ich weniger Gefahr, als für die Bedeutung des Wettbewerbsgedankens, offener Märkte und Unternehmertums in Europa, der immer stärker von dem staatswirtschaftlichen Denken besonders der Südeuropäer überschattet wird“, sagte der BGA-Präsident.

Börner steht mit seiner Position alleine. Die anderen Wirtschaftsverbände sehen die europakritische Haltung der Briten weitaus sorgenvoller. Und sie kündigten auch schon Konsequenzen für den Fall eines Briten-Austritts aus der EU an. "Großbritannien müsste auch als Investitionsstandort für deutsche Unternehmen neu bewertet werden", sagte der Präsident des Arbeitgeberverbandes Gesamtmetall, Rainer Dulger, der Nachrichtenagentur Reuters. "Bei Produktionen für Kunden auf dem Kontinent würde Großbritannien an Attraktivität verlieren." Das wäre weder im Sinne der europäischen noch der britischen Firmen und Verbraucher.

„Camerons europapolitischer Kurs führt geradewegs in die Sackgasse“, kritisierte auch der Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands der Deutschen Industrie (BDI), Markus Kerber.

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