Reaktionen auf den OECD-Bildungsbericht
Industrie fordert „Pakt für Bildung“

Industriepräsident Michael Rogowski hat Bund und Länder zu einem „Pakt für Bildung“ aufgefordert. Für den nordrhein-westfälischen CDU-Vorsitzenden und früheren Bundesbildungsminister Jürgen Rüttgers ist der OECD-Bildungsreport eine „Bankrotterklärung für die rot-grüne Bildungspolitik“.

HB BERLIN. Darin müssten sie sich verbindlich verpflichten, mindestens so viel in Bildung und Jugend zu investieren, wie der Durchschnitt der anderen OECD-Länder, verlangte der Chef des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI) am Dienstag in Berlin. Er reagierte damit auf den Bildungsreport der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD), in dem Deutschland ein weiterer Abstieg attestiert wird.

„Deutschland verspielt fahrlässig die einzig zuverlässige Basis für den künftigen Wohlstand“, kritisierte Rogowski. Neben einer ausreichenden finanziellen Ausstattung der Schulen und Universitäten müssten hohe Qualitätsstandards verabredet werden. Zudem müsse den Bildungseinrichtungen mehr Selbstständigkeit eingeräumt werden, damit es zu mehr Wettbewerb kommen könne. Dazu gehören nach Rogowskis Ansicht auch die Einführung von Studiengebühren und Bildungsgutscheinen.

Arbeitgeberpräsident Dieter Hundt hat die Politik aufgefordert, Konsequenzen aus dem für Deutschland negativen OECD-Bildungsbericht zu ziehen. „Wir brauchen dringend eine Bildungs- und Innovationsoffensive, die den Namen verdient und eine gesellschaftliche Debatte darüber, wie wir in unserem Land die Ressourcen richtig einsetzen“, sagte Hundt am Dienstag der Nachrichtenagentur Reuters. Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) habe Deutschland zum wiederholten Male aufgezeigt, dass das Land im internationalen Wettbewerb der Bildungs- und Forschungsstandorte weiter zurückfällt. Damit gefährde Deutschland seine Innovations- und Wettbewerbsfähigkeit.

Die gemessen an anderen Industrieländern schlechte Situation Deutschlands im Bildungsbereich sei die Folge einer falschen Prioritätensetzung, sagte Hundt weiter. Es sei falsch, wenn man den Gegenwartskonsum in Form von Schuldzinsen und Sozialleistungen subventioniere, die Investitionen in die Zukunft aber vernachlässige. So lange die Sozialausgaben sechs mal so hoch wie die Bildungsinvestitionen seien, werde Deutschland noch weiter zurückfallen. „Darum geht es auch darum, die Prioritäten innerhalb des Bildungssystems neu zu ordnen“, sagte er. Kindergärten und Grundschulen dürfte nicht weiterhin stiefmütterlich behandelt werden, während gleichzeitig per Gesetz das kostenfreie Erststudium konserviert werde.

Die Vorsitzende des Bundestags-Bildungsausschusses, Ulrike Flach (FDP), warf den Kultusministern vor, ihr „Zuckeltrab“ halte an. Diese hätten es „erwartungsgemäß nicht geschafft, den Abwärtstrend umzukehren“. „Die mageren Reförmchen sind nicht koordiniert und nur zögerlich umgesetzt worden.“ Flach forderte einen radikalen Subventionsabbau zu Gunsten von Investitionen in Bildung.

Der nordrhein-westfälische CDU-Vorsitzende und frühere Bundesbildungsminister Jürgen Rüttgers hat den neuen OECD-Bildungsreport als „Bankrotterklärung für die rot-grüne Bildungspolitik in Berlin und Düsseldorf“ bezeichnet. Deutschland sei im internationalen Vergleich weiter zurückgefallen, sagte er am Dienstag in Düsseldorf. Mit der Studie der Organisation für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) werde auch das Versagen der Landesregierung bei der Finanzierung von Grundschulen und weiterführenden Schulen amtlich bestätigt.

Das Bildungssystem in Deutschland ist nach einer OECD-Studie unflexibel und finanziell unzureichend ausgestattet. „Vor allem fehlt dem Bildungssystem die Dynamik“, sagte der OECD-Bildungsexperte, Andreas Schleicher, im ZDF. Andere Länder hätten ihre Bildungssysteme rasant um- und ausgebaut. „Unsere Gesellschaften verändern sich rapide. Bildung wird zur zentralen Investition in die Zukunftsfähigkeit.“ Im Bereich der Bildung sei Deutschland aber insgesamt nur Mittelmaß. Auch für die Wirtschaft sei das ein Problem.

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