Reaktionen auf die OECD-Analyse
Nachhilfe für die deutsche Bildung

Setzen, sechs! Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) hat dem deutschen Bildungssystem schlechte Noten gegeben. Nun überschlagen sich Politiker und Gewerkschafter mit Analysen und liefern Rezepte gegen die Bildungsmisere.

HB BERLIN. Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) hat angesichts der jüngsten OECD-Analyse die Parteivorsitzenden von CDU und SPD aufgefordert, Deutschlands Bildungsprobleme zur „Chefsache“ zu machen. Die fehlende Chancengleichheit für Arbeiter- und Migrantenkinder verlange ein parteiübergreifendes Handeln von Bundeskanzlerin Angela Merkel und SPD-Chef Kurt Beck, sagte GEW-Vize Marianne Demmer in einem Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur dpa. Auch andere Industrienationen hätten es geschafft, ideologische Gräben und überkommene Schulstrukturen zu überwinden. Ein längeres gemeinsames Lernen aller Kinder sei heute weltweit die Regel.

Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) hatte am Dienstag festgestellt, dass das deutsche Bildungssystem trotz einiger Reformen im weltweiten Vergleich weiter zurückfällt. Insbesondere wurde die geringe Zahl von Abiturienten und Studenten und auch die extrem hohe Abhängigkeit von sozialer Herkunft und Bildungserfolg in Deutschland kritisiert. Als besorgniserregend wurde dabei herausgestellt, dass in Deutschland nur 21 Prozent der 15-Jährigen ein Studium für sich überhaupt in Betracht ziehen. Im Schnitt der OECD-Nationen sind dies 57 Prozent.

Demmer sagte, dies sei die eigentliche „Horrormeldung“ des diesjährigen OECD-Berichtes. Nur noch im deutschen Sprachraum würden bereits Zehnjährige nach unterschiedlichen Schulformen sortiert und damit so früh Bildungs- und Lebenschancen verteilt. „Wer aber gleich im zehnten Lebensjahr zwei Dritteln der Kinder signalisiert, für das Gymnasium zu dumm zu sein, der muss sich nicht wundern, wenn diese in ihrem Ehrgeiz gebremst werden.“

Die Gewerkschafterin: „Das deutsche Schulsystem treibt einem Großteil unserer Jugendlichen die Motivation für das weitere Lernen aus. Deutschland ist in der Wissensgesellschaft noch nicht angekommen.“ Andere Staaten hätten dagegen längst erkannt, „dass es nicht nur unmenschlich, sondern auch ökonomisch und gesellschaftlich schädlich ist, bereits zehnjährige Kinder in solche zu sortieren, die eher arbeitslos, eher Maurer, eher Arzthelferin oder Chefärztin werden.“

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