Reaktionen auf Dobrindts Interview: „Ich bin schwul, nicht schrill“

Reaktionen auf Dobrindts Interview
„Ich bin schwul, nicht schrill“

Der CSU-Generalsekretär bezeichnet Homosexuelle als „schrille Minderheit“ und stößt damit im Netz auf harte Kritik und Unverständnis. CSU-Chef Seehofer mahnt in der Gleichstellungsdebatte homosexueller Paare zur Ruhe.

„Ich bin pensionierter Oberst der Bundeswehr, insofern im Grunde eine Person, die bei ihrer Partei Achtung erfährt. Ich bin außerdem schwul. Schwul, nicht schrill.“ Was den Oberst zu dieser Äußerung auf Facebook bringt, ist ein Satz aus einem Interview der „Welt“ mit CSU-Generalsekretär Alexander Dobrindt. Der hatte gesagt: „Die Union als Volkspartei hat die Aufgabe, der stillen Mehrheit eine Stimme zu geben gegen eine schrille Minderheit.“

„Sie ganz persönlich diffamieren Schwule ganz bewusst immer noch, z.b. als „schrill"“, schreibt der Oberst daraufhin. „Schwule sind so schrill wie Bayern: Die Bayern laufen doch auch nicht alle mit Lederhose und Gamsbart durch die Gegend, oder?“ Mehr als 2500 Nutzern gefiel dieser Kommentar bei Facebook.

Auch andere fanden im Netz deutliche Worte gegen die Äußerungen des CSU-Generalsekretärs: „Schrille Minderheit? Wie peinlich ist diese Äußerung denn? Was ist mit schrillen Heteros? Dürfen die auch nicht mehr heiraten? Wie hätten Sie denn den genormten Bundesbürger gerne?“, kommentiert eine Facebook-Nutzerin. Auch Wort wie „Mittelalter“, „Schande für unsere parlamentarische Demokratie“ und „Populismus“ sind da zu lesen. Im Netz – oder wenigstens bei denjenigen, die sich an der Debatte beteiligen – scheint Dobrindts Äußerung mehr als anzuecken.

Auch seinem Chef, Horst Seehofer, scheint Dobrindt über das Ziel hinaus geschossen sein. Seehofer sagte, dass es der CSU zwar um den besonderen Schutz von Ehe und Familie gehe - ohne aber gleichgeschlechtliche Lebenspartnerschaften „zu diskriminieren oder gar auszugrenzen“. Er habe Respekt „auch vor diesen Lebensgemeinschaften, soweit dort Verantwortung und Sorge füreinander gelebt werden“. „Aber das darf nicht unsere Grundfesten infrage stellen, nämlich auch in der Zukunft Ehe und Familie besonders zu schützen und auch zu unterstützen“, betonte der CSU-Vorsitzende.

Seehofer mahnte in der Debatte über die Gleichstellung homosexueller Paare und über die Zukunft des Ehegattensplittings erneut zur Ruhe. Ehegatten-, Eltern- oder Familiensplitting seien fachlich sehr komplizierte Gebilde. „Man sollte vorurteilsfrei und ohne Hektik und sehr, sehr sachbezogen diese Dinge durchleuchten - und wenn dies geschehen ist, kann man vernünftige Entscheidungen fällen. Alles andere ist mir zu hektisch.“

Mit Material von dpa

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