Reaktionen auf Metall-Kompromiss
Zwischen voll im Plan und unverantwortlich

Der Tarif-Kompromiss für die Metall- und Elektrobranche war kaum verkündet, da sind aus dem Arbeitgeberlager die ersten kritischen Stimmen zur Höhe des Abschlusses zu hören. Die Volkswirte der Banken halten die höheren Gehälter zwar für verkraftbar, heben aber warnend den Zeigefinger.

HB SINDELFINGEN. Arbeitgeber und IG Metall hatten sich am Freitagmittag auf einen neuen Tarifvertrag für den Pilotbezirk Baden-Württemberg verständigt und ihn den anderen Tarifbezirken zur Übernahme empfohlen. Der zweistufige Abschluss hat eine Laufzeit von 19 Monaten. In der ersten Phase von Juni 2007 bis Mai 2008 erhalten die Arbeitnehmer ein Jahr lang 4,1 Prozent mehr Lohn und Gehalt. Zusätzlich bekommen sie für April und Mai 2005 eine Einmalzahlung von je 400 Euro.

In der zweiten Phase von Juni 2008 an zahlen die Arbeitgeber für die restlichen fünf Monate 1,7 Prozent mehr Geld. Zusätzlich erhalten die Metaller einen Konjunkturbonus in Höhe von 0,7 Prozent. Die Arbeitgeber können die zweite Vertragsstufe in Ausnahmefällen bei einer schlechten wirtschaftlichen Lage um bis zu vier Monate verschieben.

Der Arbeitgeberverband Gesamtmetall bezeichnete den Abschluss als Vorleistung der Betriebe für die Zukunft gewertet. Sie müsse „nun durch die Leistung der Mitarbeiter gedeckt werden“, erklärte Verbandschef Martin Kannegiesser. Er hoffe, dass die ungewöhnlich starke Konjunktur zu einer noch höheren Kapazitätsauslastung führen „und so die Kostenwirkungen des Abschlusses kompensieren“ könne.

Deutschlands größter Industriekonzern Daimler-Chrysler erwartet durch die Tarifeinigung keine unerwarteten Zusatzkosten. „Die Tarifeinigung liegt voll im Plan“, sagte eine Konzernsprecherin am Freitag in Sindelfingen. Dagegen kritisierte der Maschinenbauverband VDMA den Abschluss als zu undifferenziert. „4,1 Prozent für alle ist zu viel“, sagte VDMA-Hauptgeschäftsführer Hannes Hesse in Frankfurt. Es sei „unverantwortlich, dass im Namen der guten Konjunktur auch diejenigen zur Kasse gebeten werden, die von der Konjunktur nichts haben“. Das seien immerhin rund 30 Prozent der Unternehmen.

Das Urteil der Bankvolkswirte fiel milder aus. Stefan Bielmeier von der Deutschen Bank nannte den Abschluss „besser als erwartet“. Der effektive Lohnanstieg liege 2007 bei rund 3,5 Prozent, was die Wettbewerbsfähigkeit des Metallsektors wahre und gleichzeitig die Kaufkraft der Arbeitnehmer stärke. Beides zusammen tue der Konjunktur gut. Dirk Schumacher von Goldman Sachs meinte, im Vergleich zu den Erwartungen sei der Abschluss moderat. Er hätte sich allerdings mehr Flexibilität gewünscht, also einen höheren Anteil an variabler Entlohnung.

Eckart Tuchtfeld von der Commerzbank wandte ein, ein gut florierendes Unternehmen aus dem Südwesten Deutschlands könne den Abschluss sicher verkraften. Für Gesamtdeutschland sei es ein überzogener Lohnanstieg, das manches kleinere Unternehmen in Schwierigkeiten bringen werde. Mittelfristig würden die Gewinne der Unternehmen allerdings nicht übermäßig belastet.

Der Chefvolkswirt der Bank of America, Holger Schmieding, warnte: „Der Abschluss darf kein Beispiel sein“. Für die Branche sei der Abschluss kein Problem, da das Produktivitätswachstum mit 3,2 Prozent im verarbeitenden Gewerbe hoch sei, die Preisüberwälzungsspielräume jedoch gering. Allenfalls werde der Beschäftigungsaufbau in der Branche gebremst. „Sollten aber andere Branchen besonders im Dienstleistungsgewerbe am Exporterfolg der Metallindustrie teilhaben wollen, wird das die EZB auf den Plan rufen“, so Schmieding. Die Leitzinsen könnten dann schneller steigen als erwartet.

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