Reaktionen auf Möllemanns Tod
Westerwelle: „Wir wissen um seine politischen Verdienste"

Der Tod des ehemaligen FDP-Politikers Jürgen Möllemann hat Entsetzen und Trauer hervorgerufen. Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) und Politiker aller Parteien drückten den Angehörigen des früheren Vize-Kanzlers ihr Mitgefühl aus. Der erbittert geführte Streit in der FDP um die Person Möllemanns spiegelte sich trotz des dramatischen Tods in den Reaktionen von einigen Spitzen-Liberalen wider.

HB/rtr/dpa BERLIN/DÜSSELDORF. Der Bundestag unterbrach am Donnerstag seine Sitzung und gedachte des langjährigen Abgeordneten der Liberalen, der zahlreiche Debatten des Bundestages mit geprägt hatte. Die amtierende Parlamentspräsidentin Susanne Kastner (SPD) sagte vor dem Plenum, die Kritik der vergangenen Monate an Möllemann dürfe nicht darüber hinwegtäuschen, dass er in den drei Jahrzehnten seiner Zugehörigkeit zum Bundestag „sehr viel Anerkennung“ erhalten habe. Die Fahnen rund um den Bundestag und im Regierungsviertel wurden auf Halbmast gesetzt.

Kanzler Schröder sagte in Frankfurt: „Ich habe Herrn Möllemann wirklich gut gekannt und ich habe ihn als Mensch geschätzt, gerade auch dann, wenn er es einem nicht besonders leicht gemacht hat.“

Der FDP-Vorsitzende Guido Westerwelle sagte, die Liberalen hätten von dem „tragischen Tod von Jürgen Möllemann mit tiefer Betroffenheit erfahren. In dieser Stunde geht es nicht um politische Differenzen, sondern um Anteilnahme.“ Das tiefe Mitgefühl gehöre nun der Familie Möllemanns, vor allem der Ehefrau und den Töchtern. Möllemann war im März aus der FDP ausgeschlossen worden. Westerwelle fügte hinzu: „Wir wissen auch um seine politischen Verdienste.“

Der FDP-Vorsitzende von Schleswig-Holstein, Wolfgang Kubicki, der mit Möllemann freundschaftlich verbunden war, ließ in seiner ersten Reaktion auch Kritik am Vorgehen der Parteiführung erkennen. „Jürgen Möllemann hat für den politischen Liberalismus mehr geleistet als viele von denen, die ihn schließlich am Ende seiner politischen Karriere persönlich verdammten. Er wird mir und uns fehlen.“

Der FDP-Ehrenvorsitzende Hans-Dietrich Genscher würdigte seinen früheren Parteifreund Jürgen Möllemann als „Kämpfer“. Als sich die Wege zwischen ihm und Möllemann nach der Bundestagswahl politisch trennten, „habe ich das als schmerzlich empfunden“, sagte Genscher am Donnerstag in der „n-tv“-Sendung „Maischberger“. Genscher galt als politischer Ziehvater von Möllemann.

Bundesinnenminister Otto Schily (SPD) zeigte sich „sehr schockiert“. „Jenseits von allen politischen Meinungsverschiedenheiten gilt mein Beileid seiner Familie“, sagte er in Brüssel. Bundesbildungsministerin Edelgard Bulmahn (SPD) erklärte „bei aller Umstrittenheit seiner Person hat er als mein Vorgänger im Bereich der Bildungs- und Hochschulpolitik wichtige Impulse gegeben“.

Die CDU-Vorsitzende Angela Merkel äußerte sich bestürzt: „Ich habe Herrn Möllemann im Kabinett als einen engagierten Bildungs- und Wirtschaftspolitiker kennen gelernt. Auch wenn es in den letzen Jahren sicherlich politische Differenzen gab, war er in allem, was er tat, ein Vollblutpolitiker.“ Auch die Grünen äußerten sich entsetzt.

Auch die Grünen zeigten sich bestürzt über den Tod des einstigen FDP-Spitzenpolitikers. „Die Nachricht vom Tod des Bundestagsabgeordneten und ehemaligen FDP- Politikers Jürgen W. Möllemann hat uns tief erschüttert.“, erklärten die Fraktionsvorsitzenden der Grünen im Bundestag, Katrin Göring- Eckardt und Krista Sager, in Berlin.

Vor allem in Nordrhein-Westfalen löste der Tod Betroffenheit aus. Der Ministerpräsident des Landes, Peer Steinbrück (SPD), würdigte Möllemann als „politische Begabung“ und als „glänzenden Rhetoriker“. Er habe allerdings seine Talente „nicht immer so eingesetzt, wie es politisch richtig gewesen wäre“. Die Landtagsfraktion, der Möllemann knapp drei Jahre angehörte, äußerte tiefes Bedauern. Möllemanns Nachfolger als Fraktionsvorsitzender Ingo Wolf sagte, Möllemann habe sich mit ganzer Kraft für die Partei

Möllemann hatte die FDP nach monatelangem Streit mit Westerwelle im März verlassen. Der FDP-Chef hatte Möllemann wegen dessen israel-kritischen Flugblatts für die Niederlage der Liberalen bei der Bundestagswahl im September verantwortlich gemacht. Der Streit hatte die Partei an den Rand einer Spaltung getrieben.

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