Reaktionen auf neues Steingart-Buch: „Vereinigte Staaten von Europa sind eine Schimäre“

Reaktionen auf neues Steingart-Buch
„Vereinigte Staaten von Europa sind eine Schimäre“

Dauerfinanzkrise oder Wohlstand für alle? Dieser Frage geht Handelsblatt-Herausgeber Gabor Steingart in seinem neuen Buch nach. Die Antworten, die er gibt, stoßen bei führenden Ökonomen auf ein geteiltes Echo.
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BerlinGabor Steingart ist bekannt für klare Standpunkte. Auch in seinem neuen Buch „Unser Wohlstand und seine Feinde“ nimmt der Handelsblatt-Herausgeber kein Blatt vor den Mund. Handelsblatt Online hat zwei der führenden deutschen Ökonomen mit Steingarts Thesen konfrontiert: IW-Chef Michael Hüther und IMK-Direktor Gustav Horn.

Schonungslos zeigt Autor Steingart auf, wie Banken und Regierung eine heimliche Koalition gegen unseren Wohlstand geschmiedet haben und warum die Marktwirtschaft heute nicht von ihren Feinden, sondern von ihren Freunden verraten wird. „Politiker retten Banken. Banken retten Staaten. Und beide zusammen lassen sich von den Notenbanken aushalten, die mit dem Gelddrucken kaum noch nachkommen“, konstatiert der Autor. „Die einst von Ludwig Erhard erschaffene Marktwirtschaft wurde in eine Bastardökonomie  verwandelt – halb Markt-, halb Staatswirtschaft – in der Risiko und Verantwortung entkoppelt wurden.“

Um die bastardisierte Marktwirtschaft, die sich als „Sackgasse der ökonomischen Evolution“ erwiesen habe, zu beenden, fordert Steingart ein Entflechtungsgesetz. Ziel eines solchen Gesetzes ist es, den Rückzug des Staates aus der Geldwirtschaft und den Rückzug der Geldwirtschaft aus dem Gemeinwesen zu organisieren. Steingart: „Nicht der Staat und die Banken sind von Übel, sondern ihre Zusammenarbeit ist von bedenklichem Charakter, weil beide die Risiken, die sie eingehen, nicht tragen können.“

Darüber hinaus fordert der Bestsellerautor die Abschaffung des Budgetrechts: „Das Parlament hat sein Königsrecht, das Budgetrecht, verwirkt und sollte die Entscheidungen über Ausgaben und Einnahmen dem Bürger überlassen.“ Die Abgeordneten seien ihrer Pflicht, der notorischen Verschuldung Einhalt zu gebieten, nicht nachgekommen. Künftig solle daher das letzte Wort bei der Festlegung von Leitlinien für die Verabschiedung der Haushaltsbudgets in den Parlamenten beim Bürger liegen.

Steingarts Forderungen sind gewagt, aber die Zuspitzung ist auch gewollt. Denn „Unser Wohlstand und seine Feinde“ versteht sich auch als Streitschrift und als leidenschaftliche Hommage an die in Vergessenheit geratene Idee vom „Wohlstand für alle“. Nur, wie kommen die Thesen beziehungsweise die Maßnahmen, die Steingart vorschlägt, bei den beiden Ökonomen an, die ganz unterschiedlicher Couleur sind: Michael Hüther, Direktor des arbeitgebernahen Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) und Gustav Horn, Direktor des gewerkschaftsnahen Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK).

Ihre Einschätzungen fallen überraschend differenziert aus: Steingart erntet nicht nur Widerspruch, sondern auch Zustimmung:

Kommentare zu " Reaktionen auf neues Steingart-Buch: „Vereinigte Staaten von Europa sind eine Schimäre“"

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  • Hier wird etwas Wichtiges übersehen.

    So der Souveran will das an die Palamentarier gegebene Budgettrecht zurück.
    Das finde ich sehr provokativ.Dabei übersieht man
    Warum?
    Die eigentliche Antwort steht im Artikel.
    Fakten, leider.

    Schönen Abend noch.

  • Auch ich war einmal ein gluehender Anhaenger eines Vereinten Europa. Aber das ist schon lange her. Vor Jahrzehnten schon erkannte ich, dass die edlen Ziele in der Praxis nationaler Egoismen in den Staub getreten wurden. Etwas groteskeres als die europaeische Agrarpolitik kann ich mir bis heute nicht vorstellen. Beispiele fuer Versagen in der Europapolitik fallen mir zuhauf ein. Die Affaere mit der Bananenkruemmung ist dabei eher eine harmlose Kuriositaet. Wo aber sind die Erfolge? Eine gemeinsame Aussenpolitik waere vielleicht ein erstes anzustrebendes Ziel gewesen. Oder eine gemeinsame Verteidigungspolitik. Bitte, kann mir jemand einen europaeischen Erfolg nennen? Eine zeitlang dachte ich, der Euro koennte ein Erfolg werden. Die Idee und das Regelwerk fand ich ausgezeichnet. Doch was ist daraus geworden? Auch das Schengenabkommen hielt ich fuer eine Errungenschaft. Seit Jahren broeckelt dieses Abkommen und wie lange kann es halten, wenn klamme Staaten Europaesse verkaufen.

    Ein Europa, in dem seine Buerger in Freiheit, Wuerde und Selbstbestimmung leben koennen, kann nur geschaffen werden von Politikern, die verstehen, was Subsidiaritaet heist, die als elementares Prinzip in den europaeischen Vertragen festgelegt wurde. Die Standardisierungs- und Harmonisierungswut geht in die falsche Richtung, sie nimmt uns Buergern die Wahlfreiheit und entmuendigt uns. Ein solches Europa will ich nicht!

  • Das alles zeigt doch sehr deutlich, das die neue AfD schon fast zu spät kommt. Das korrupte Systemspiel muss aufhören und die Bürger müssen wieder die Hauptrolle spielen. Wenn die Bürger das begreifen, wird die AfD zweistellig.

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